Schmuddel-Bahnhöfe Ärgernis Nummer eins

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Die Dreieichbahn-Nutzer greifen schon mal zur Selbsthilfe, um die Bahnhöfe vom schlimmsten Dreck zu befreien.

Urberach (chz) ‐ „Den Anschluss nicht verpassen“ - dieser Wunsch für die 104 Jahre alte Dreieichbahn (DEB) steht eindringlich über einer Zustandsbeschreibung, mit der die DEB-Nutzerinitiative jetzt an die Öffentlichkeit gegangen ist.

Deren Name kommt nicht von ungefähr, denn alle ihre Mitglieder fahren mit der Bahn, meist täglich. Das persönliche Interesse einerseits, aber auch das Bewusstsein, Stärken und Schwächen dieser Linie darzustellen, bringt Schwung in die Arbeit der wenigen Aktiven, die viel ausrichten. Sie haben alle Stationen von Ober-Roden bis Buchschlag begutachtet, außerdem auch die in Eppertshausen und Münster.

Sven Arved Koch, Kurt Krummholz, Karl-Heinz Pfütze und Jörg Roggenbuck stellten die Ergebnisse nun unter drei Schwerpunkten vor. „Wir wollen nicht nur meckern“, betonte Koch, der 2005 ein Buch über die Historie der Dreieichbahn veröffentlicht hat. Doch nun bauen sie auf den Druck und die Hilfe der Öffentlichkeit, denn seit der letzten Begehung hat sich wenig getan.

Vandalismusschäden schrecken Kunden ab

Schmuddelige Bahnhöfe sind das größte Ärgernis. Die Initiative ist ständig bemüht, bei Bahn und Verkehrsverbund auf die Beseitigung von Vandalismusschäden hinzu weisen. Die Fahrgäste klagen über kaputte Scheiben der Schaukästen, abgelöste Fahrpläne, eingeschlagene Uhren, verschmutzte und besprühte Haltestellen. Das sei nicht nur extrem störend, sondern auch abstoßend.

Lösungsvorschlag der Initiative: Es gibt Verträge „zur Ordnung, Sauberkeit und Instandhaltung“ zwischen den Kommunen und der „DB Station und Service“, die nur geschlossen werden müssten. Geld sei vorhanden, aber bisher kaum abgerufen. Die Bitte zur Mitarbeit geht an Bürger und Bürgermeister. Außerdem fordert die Initiative eine Videoüberwachung der Bahnhöfe und Haltepunkte.

Schlechter Anschluss an Dieburg

Das Fahrplanangebot krankt an den schlecht koordinierten Anschlusszeiten in Buchschlag Richtung Dieburg. Auch dafür hat die Initiative eine Liste von Verbesserungsvorschlägen erarbeitet, etwa die engere Einbeziehung der Signalstellen: „Dabei handelt es sich um Dinge, die kein Geld kosten, aber mit gutem Willen lösbar sind.“ So wird etwa im neuen Fahrplan ab Dezember der Vorschlag der Initiative berücksichtigt, die unterschiedlichen Takte der Abfahrtszeiten an den Wochenenden zu bereinigen und nun einen reinen 60-Minuten-Takt zu haben. Eine Optimierung wünscht man sich auch bei den durchgehenden Zügen - andere Taktungen würden auch verkürzte Fahrtzeiten nach Frankfurt bedeuten.

Strecken unter der City sind überlastet

Die Zukunft der Dreieichbahn liegt in der Einbindung in die Regionaltangente West. Bisher fahren alle Züge sternförmig durch Frankfurt - der Kollaps ist vorprogrammiert, denn die Strecken unter der City sind chronisch überlastet und extrem störanfällig. Als Alternative für Pendler, die zum Flughafen, nach Höchst oder in den Taunus müssen, soll die Regionaltangente West gebaut werden. „Nun haben wir mit Erschrecken festgestellt, dass die DEB gar nicht direkt angebunden ist, sondern, Nutzer in Buchschlag umsteigen müssen“, klagen Koch, Krummholz & Co. Die Anbindung verursache zu hohe Kosten, weil die DEB dann zweigleisig ausgebaut werden müsse: „Das ist nach unserer Meinung nicht nötig, weil die DEB heute schon im 30-Minuten-Takt fährt.“

Wenn der direkte Anschluss aber nicht klappt, sollten den Reisenden wenigstens die Möglichkeit haben, den gleichen Bahnsteig zu benutzen. Was auch eine spätere Anbindung erleichtern würde. „Wir fordern, dass die Berechnungen neu geprüft werden, und haben das auch bei Bürgermeistern, Fraktionen und Bauausschüssen in beiden Kommunen vorgetragen. Beide Städte bitten nun um Prüfung und Einbindung der DEB - dieses politische Bewusstsein zu schaffen, schreiben wir uns auf die Fahnen“, erklärten die Sprecher Initiative.

Quelle: op-online.de

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