Schmuddelecke zwischen Rathaus und Trinkbornschule

Messer, Müll und Ratten: Nachbarn sauer

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Viel ekliger geht’s kaum: Dieser Tage lag eine tote Ratte vor dem Haus, im Hof wuselten Artgenossen durch den Müll.

Ober-Roden - Die Messerstecherei im Boarding-House neben dem Rathaus bleibt vielleicht ohne strafrechtliche Folgen. Auch vier Wochen nach der Attacke schweigt der Mann, der von seiner Lebensgefährtin schwer verletzt wurde. Von Michael Löw 

Für Nachbarn und Passanten ist das Boarding-House aber noch aus anderen Gründen ein Stein des Anstoßes: Der Hof ist eine Müllkippe und lockt Ratten an. Das Boarding-House (eine Pension, die Zimmer oder Appartements über längere Zeit vermietet) zwischen Rodau und Rathaus wird von vielen Nachbarn nicht erst seit dem 22. November argwöhnisch beäugt. Damals hatte eine 37-Jährige betrunken ihren Lebensgefährten niedergestochen. Der 33-Jährige wurde so schwer verletzt, dass er mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden musste. Trotzdem verweigert der Mann den Behörden gegenüber die Auskunft. „Der Fall wird ganz schwierig aufzuklären sein, weil es sich um eine Beziehungstat handelt“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt, Robert Hartmann, auf Anfrage unserer Zeitung. Die mutmaßliche Messerstecherin war nach der Tat vorläufig festgenommen und wenig später wieder entlassen worden.

„Die Streitereien des Paares konnte man schon seit Wochen mitverfolgen“, schildert eine Frau, die mit Blick auf ihre überwiegend osteuropäischen Nachbarn anonym bleiben will. Im Herbst sei die 37-Jährige nur mit einem schwarzen Spitzennachthemd bekleidet vor ihrem Lebensgefährten auf die Straße geflüchtet. Anfang Oktober stritt das Paar nach Mitternacht so laut und aggressiv, dass Nachbarn die Polizei riefen: Sie hatten schon damals das Wort „abstechen“ gehört.

Bei anderen Auseinandersetzungen flogen schon mal Möbel aus dem Boarding-House. „Es beunruhigt uns schon sehr, dass eine Frau mit einem Alkohol- und Messerproblem in unserer Nachbarschaft und neben der Grundschule und dem Kinderhort untergebracht ist“, klagt die Anwohnerin. Die Polizei war nach Angaben ihrer Pressesprecherin Andrea Ackermann im Oktober und November vier Mal dort. In einem Fall ermittelten die Beamten wegen eines Diebstahls, drei Mal rückten sie wegen Streitereien an.

Problem Nummer zwei ist der zugemüllte Hof. Abfalltrennung ist den geschätzt 20 Boarding-House-Mietern offenbar fremd. Die Mülltonnen quellen über, viel Dreck landet in dünnen Tüten daneben. Fischdosen oder Wurstverpackungen liegen oft auch auf der Straße. Im Hof gammelte nach einer Grillparty wochenlang eine Aluschale mit Fisch vor sich hin. Die Liste ließe sich fortsetzen. Zwei Familien aus der Nachbarschaft haben 20 Beschwerden an die Stadt geschickt.

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„Geschätzte 20 Säcke mit Müll sind keine Seltenheit und man kann die Ratten durch den Haufen laufen sehen. Nachts herrscht reger Rattenverkehr in der Rathausstraße und an der Rodau. Nachbarn sind die Tiere bereits über die Füße gelaufen“, heißt es in einem Brief, dem ein Videobeweis beigefügt ist. Eine tote Ratte lag ziemlich unappetitlich vorm Boarding-House. Die Stadt, so Erster Stadtrat Jörg Rotter, hat den Eigentümer kürzlich zu einem Bußgeld verdonnert und ihn zu einer größeren - und teureren - Mülltonne verpflichtet. Mitte dieser Woche war der Hof aber immer noch eine böse Schmuddelecke.

Die Behauptung, dass „Drogengeschäfte dort normal seien“, kann die Polizei nicht bestätigen. Nachbarn und Passanten hatten das aus dem süßlichen Haschischduft geschlossen, der dort angeblich immer wieder in der Luft hängt. Polizeisprecherin Ackermann sagte unserer Zeitung gegenüber aber auch: „Im Haus wurden schon Personen angetroffen, gegen die schon Strafverfahren wegen Drogendelikten bestanden.“ Ihr Appell: „Wenn’s süß riecht: bei uns anrufen!“ Vielleicht können die besorgten Nachbarn schon bald aufatmen. Rödermarks Ordnungsamtsleiter Artur Singer teilte gestern mit, dass der Besitzer des Boarding-Houses allen Mietern zum 31. Dezember gekündigt hat. Dem Vernehmen nach will er gründlich renovieren.

Quelle: op-online.de

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