Ideen für vollere Kirchen

Schnellrestaurant für Fastfood-Christen?

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Katholische Pfarrer suchen trotz hoher Arbeitsbelastung nach Ideen für vollere Kirchen. Der Rodgaudom ist das bestimmende Gebäude im Ortsbild Ober-Rodens. Als Institution erreicht die Kirche aber immer weniger Menschen. Im Seelsorgerat suchten Geistliche und Laien Ursachen und Lösungen.

Rödermark - Niemand zweifelt daran: Pfarrer und hauptamtliche Mitarbeiter in der katholischen Kirche leiden in Zeiten mangelnden Nachwuchses unter einer hohen Arbeitsbelastung und schwierigen Rahmebedingungen. Von Christine Ziesecke 

Womit keineswegs nur große Probleme wie Kirchenauftritte oder überteuerte Bischofsresidenzen gemeint sind, sondern auch die kleinen Sorgen vor Ort. Bei einer gemeinsamen Sitzung der Pfarrgemeinderäte St. Nazarius und St. Gallus und des Seelsorgerates, in der es um eine Kursbestimmung für das Jahr 2015 ging, äußerten sich die Geistlichen gegenüber unserer Zeitung mit teils drastischen Formulierungen. „Wie können wir Menschen, die ein Angebot bei der Kirche suchen, so begleiten, dass sie auch das für sie richtige Angebot finden? Wie können wir den Menschen gerecht werden, die doch gerade heutzutage so unterschiedliche Lebensstrukturen haben? Das ist ein großes Problem für uns“, sagt Pfarrer Klaus Gaebler (St. Gallus). Manche Menschen werden von der Kirche überfordert, andere wiederum möchten mehr von ihr.

Sein Ober-Röder Amtsbruder Elmar Jung vergleicht die Situation mit einem Bild aus der Küche - Fastfood, Schnitzel oder Gourmetmenü: „Bei der Erstkommunion ihrer Kinder kommen viele Fastfood-Christen, die das Fest als solches suchen.“ Er wünscht sich aber einen Intensiv-Kurs zum Thema Glauben, mit dem auch Außenstehende angesprochen werden können - sozusagen für geistliche Feinschmecker. Doch das ist personell nicht zu leisten. Jungs Resümee: „Es führt alles dazu, dass immer weniger Hauptamtliche in immer kürzerer Zeit immer mehr tun müssen. Jeder möchte individuell wahrgenommen werden, das ist aber nicht zu schaffen.“

Klaus Gaebler gibt die Außenwahrnehmung wieder: „Viele haben das Gefühl, dass wir nicht genug machen, und unter diesem Druck stehen wir ständig. Können wir uns freimachen oder machen wir uns kaputt?“ Die einzig mögliche Lösung - solange mehr Personal ein Traum bleibt - sieht Gemeindereferentin Tanja Bechtloff darin, sich in diesen Zeiten der Kirchenferne von manchen Dingen zu trennen - so schmerzlich das im Einzelfall sein kann: „Wir müssen den Menschen gerecht werden und dabei Neues ausprobieren und Altes lassen. Die Zeiten, wo alle bei uns in der Kirche sind, sind vorbei. Aber vielleicht können wir die Oase sein, zu der viele kommen, so manche weiterziehen, aber andere hängen bleiben.“

Pfarrer Elmar Jung betont, wie schwierig es als Volkskirche ist, Abschied zu nehmen und die Gemeinde zu Neuem mitzunehmen. „Es ist ein starker Generationenwechsel. Die Alten, die bei uns noch zuhause waren, brechen total weg, in 18 Jahren habe ich über 700 Menschen beerdigt. Die Jungen kommen sehr spärlich. Die Generation dazwischen ist im Umbruch.“ Diakon Eberhard Utz ergänzt, dass Seelsorge fast nur noch bei Festen, Feiern und Trauerfällen möglich ist: „Nur dann erreicht man die Leute.“ Doch viele Parallelveranstaltungen machen auch das gemeinsame Feiern heute schwierig.

Besonders schwierig wird es für die Seelsorger, wenn ihnen ganz profane Dinge das Leben schwer machen. Wie etwa das im Juni eingeweihte, aber immer noch nicht zu nutzende neue Urberacher Gemeindezentrum. „Es steht und fällt mit den Brandschutzbestimmungen. Die zweite Abnahme ist für den 2. Oktober vorgesehen. Wenn wir Glück haben, kann’s danach direkt losgehen“, hofft Pfarrer Gaebler. „Aber die Sicherheit geht vor.“ Immerhin: Die Brandmeldeanlage hat vor einigen Wochen ihre Bewährungsprobe bestanden und bei einem kleinen Feuer Alarm geschlagen, bevor großer Schaden entstand.

Quelle: op-online.de

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