Koalition bringt Bewerberin erst bei zweiter Abstimmung durch

Nadelstiche der FDP: Schöffenwahl wird zum Stresstest

Rödermark - Die Wahl von Ortsgerichtsschöffen ist normalerweise eine Formsache - Abstimmung ohne lange Diskussionen. Am Dienstagabend wurde die Neubesetzung des Ortsgerichts Ober-Roden aber zum Abstimmungsmarathon, der einige ins Schwitzen brachte. Von Michael Löw 

Neuwahl von drei Schöffen für das Ortsgericht Ober-Roden: Punkt 12 der letzten 2017er Sitzung der Stadtverordnetenversammlung klang nach Routine. Aber er zog sich über vier geheime, namentliche Abstimmungen hin, führte zu hektischen Telefonaten, einer Sitzungsunterbrechung, in der die Fraktionen intern berieten, und besorgt-sauren Blicken der schwarz-grünen Fraktionsspitzen.

Die Ausgangslage: Das Ortsgericht Ober-Roden hat seit Kurzem einen neuen Vorsitzenden: Der Architekt Michael Gotta löste Ehrenbürgermeister Alfons Maurer nach 35 Jahren ab. Jetzt mussten auch drei Schöffen gewählt werden. Die Fraktionen schlugen Rainer Heckwolf (CDU), Michael Uhe-Wilhelm und Hannelore Röhrig (AL) sowie Manfred Rädlein (FWR) vor. Auf einen öffentlichen Aufruf hin hatten sich Thomas-Peter Köhl und Heinz Schultheis beworben. Von dem wird noch die Rede sein. Der SPD-Stadtverordnete Norbert Schultheis beklagte, dass unter den potenziellen Schöffen zu viele aktive Politiker sein. Tobias Kruger (FDP) beantragte geheime Abstimmung. Zu diesem Zeitpunkt waren 31 der 39 Stadtverordneten im Saal.

Wahlgang Nummer 1: Auf den ehrenamtlichen Stadtrat Michael Uhe-Wilhelm entfielen 20 Ja- und vier Nein-Stimmen, sieben Parlamentarier enthielten sich. Damit hatte er exakt die qualifizierte Mehrheit (mindestens die Hälfte aller Stadtverordneten). 20 Ja-Stimmen entsprachen auch exakt der Anzahl der anwesenden Koalitionsabgeordneten. Der AL-Fraktionsvorsitzende Stefan Gerl telefonierte eifrig. Wenig später erschien die für diesen Abend entschuldigte grüne Stadtverordnete Nina Daum.

Wahlgang Nummer 2, die Erste: Von 31 Stimmen waren 30 gültig. Auf Hannelore Röhrig entfielen 17, auf Manfred Rädlein und Norbert Schultheis jeweils sechs Stimmen. Damit hatte die von der AL vorgeschlagene Schöffin die qualifizierte Mehrheit verpasst: Drei Koalitionäre hatten ihr Kreuz offenbar bei Heinz Schultheis gemacht. FDP-Fraktionschef Kruger freute sich mehr als klammheimlich, denn seine Partei hatte den einstigen AL-Stadtverordneten zur Kandidatur ermuntert. Mit bösen Blicken forderten die Fraktionsvorsitzenden von CDU und AL, Michael Gensert und Stefan Gerl, eine Sitzungsunterbrechung für interne Beratungen. Weil es zwei Zweitplatzierte gab, mussten alle drei Bewerber noch mal ran.

Wahlgang Nummer 2, die Zweite: Die Fraktionsgespräche hinter verschlossener Tür hatten die Reihen offenbar geschlossen. Hannelore Röhrig erhielt mit 22 Stimmen die qualifizierte Mehrheit, Schultheis bekam sechs, Rädlein vier Stimmen.

Wahlgang Nummer 3: Bei der letzten Abstimmung kurz vor 22 Uhr ging alles glatt. Der von der CDU unterstützte Rainer Heckwolf erhielt 23 Stimmen, Thomas-Peter Köhl fünf und Manfred Rädlein vier Stimmen. Eine Routinewahl hatte nach knapp 80 Minuten endlich ihren Schluss gefunden.

Quelle: op-online.de

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