Schon die Probe ist Kabarett pur Gala in TS-Halle

+
Tommi Tunker, Holger Groh, Gerd Weber und Wolfgang Pfeiffer (von links), im Hintergrund Christian Zimmermann am Schlagzeug, sind ständig auf der Suche nach der Harmonie zwischen Sketch und gutem Gesang.

Ober-Roden ‐ „MurXXbrothers“ - das klingt, als hätten die weltberühmten „Marx Brothers“ ihre Ansprüche herunter geschraubt. Doch was die Ober-Röder Musik- und Kabarett-Verrückten auf die Bühne bringen ist alles andere als Murks. In den zehn Jahren ihres Bestehens haben sie sich vom Insider-Tipp zum Saalfüller gemausert. Von Christine Ziesecke

Seit Wochen arbeiten Gerd Weber, Holger Groh, Klaus Auth, Wolfgang Pfeiffer, Werner Groh, Tommi Tunker und Christian Zimmermann kräftig an einem Geburtstagsprogramm. Geprobt wird im Keller von Wolfgang Pfeiffer, der trotz häufiger und langer Übungsstunden noch nie Schwierigkeiten mit den Nachbarn hatte.

Werner Groh, Chef der Technik, Tommi Tunker und Wolfgang Pfeiffer (von links) und „Danielle“ – drei Mischpulte mit 70 Kanälen und 15 Funkstrecken verlangen den Machern jede Menge Einsatz ab.

In dem Raum mit dem großen Spiegel bestechen zunächst abartig viele Kabel und Regler zwischen Ameisenköder-Dosen und Zigarettenschachteln, zwischen (auch alkoholfreien) Bierflaschen und Bergen von Noten- und Textblättern. Werner Groh, der Obertechniker, ist hier der King, und wehe, wenn „Danielle“, das mit einem Mädchennamen geehrte Mischpult, krank ist. Vor kurzem benötigte die Supermaschine, die die Kabarettisten gebraucht gekauft haben, ein komplett neues Motherboard. Da fuhr Wolfgang Pfeiffer auch mal extra nach Köln, um die Patientin zu reparieren, damit sie bis zur abendlichen Probe wieder fit war.

Proben heißt, an jedem Ton und Wort zu feilen

Probe bei den „MurXXbrothers“ - das heißt zwei Gitarren, ein Schlagzeug, sechs Sänger und viele weitere Optionen von Geige bis Saxophon. Alle spielen sie Instrumente, nur Gerd Weber lässt außer seiner Stimme höchstens mal die Kastagnetten erklingen. Die „MurXXbrothers“ wollen nicht einfach nur gemeinsam die rechten Töne finden. Probe heißt: jeden Refrain, jede Pause, jeden Halbton zwischen den Protagonisten erkämpfen, an jedem Wort feilen.

Und weil mit dem Franken Wolfgang Pfeiffer und Tommi Tunker aus München zwei Bürger des benachbarten Freistaats zur Truppe gehören, müssen manche Passagen oft erst aus dem Bayerischen ins Hochdeutsche und dann ins Owweräirerische übersetzt werden.

Klare Ansagen beherrschen den Raum: „Break ist da, wo Break steht!“ - schon die Probe ist Kabarett pur, und Hausherr Wolfgang ist das wohl bewusst: „Hier vorn fehlt am Fenster nur noch das Schild: ‚Bitte nicht füttern!'“ Beim Anschließen der Mikros ertönt plötzlich gellend laute Radiomusik über die Anlage - doch wozu gibt es Werner Groh? Der muss es richten.

Wo das Gerippte auch Duppebecher hheißt

Eine neue Herausforderung ist die Stöffche-Hommage „Äppelwoi, wie der im Bembel perlt.“ Auch hier werden Ideen frisch aus dem Bayerischen übersetzt, auch bei diesem Stück wird um jedes einzelne Wort, um jeden Apostroph gekämpft. „Wisst ihr eigentlich, dass das Gerippte auch Duppebecher oder Duppeglas wegen der fettigen Finger, heißt und weil's konisch nach oben geht, des is koi Witz!“ - aus dem Übersetzen entsteht schon der nächste Lacher und die nächste Nummer.

Die Ansprüche auch an die Musik sind hoch, obwohl nur zwei „MurXXbrothers“ als „Quotenbuben“ eine Mandolinenausbildung bei Lieselotte Krickser genossen haben und Christian Zimmermann mal im Schulchor gesungen hat. Wolfgang ist der einzige, der eine musikalische Ausbildung hat - als zur Flugsicherung beurlaubter Hauptmann der Bundeswehr.

Geprobt wird, bis etwas astrein sitzt

Doch die Ansprüche, die Vizedirigent Holger Groh an den Volkschor stellt, gelten auch hier. Selbst wenn der Klamauk dies fast vergessen lässt - geprobt wird, bis etwas astrein sitzt und alle von zufrieden sind und sich auch Christian freut: „Schön, gell, wenn Proben doch hilft!“

Der Renner des neuen Programms ist wohl schon vorprogrammiert: „Mir sinn die Owweräirer Batschkapp-Band“, der Titelsong quasi zum Zehnjährigen. Einmal gehört, geht er nicht mehr aus dem Ohr. „In G-Dur mit ohne F! Weil A-dur ist der Onkel vom Gerd!“, kalauern die Kabarettisten schon mal spontan vor sich hin. Aber das perfekte Endergebnis lässt das gern verzeihen.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare