Oswald-von-Nell-Breuning-Schule

Schülertheater mit Tiefgang

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Eine Bühne, vier Holzstämme, eine Wandfläche zum Besprühen – mehr brauchen die vier jungen Schauspieler von der Frankfurter „Theaterperipherie“ nicht, um ihre Lebensgeschichten und Identitätsprobleme vom Kindergarten bis zu Krisen in Schule und Ausbildung darzustellen.

Ober-Roden - Rund 500 Jugendliche aus der Oswald-von-Nell-Breuning-Schule (NBS) erlebten in der Kulturhalle Theater mit Tiefgang. Eine Frankfurter Theatergruppe warf Fragen auf, an denen kein Schüler vorbeikommt.

Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen ließen sich in der Kulturhalle von den „KameLions“ mitreißen – der nagelneuen Produktion der Frankfurter „Theaterperipherie“, zu der die städtische Fachabteilung Jugend in Kooperation mit der NBS eingeladen hatte. Die „Theaterperipherie“, das sind in diesem Stück Amin Biemnet Haile, Cem Demir, Nikolas Etzel und Moe Salamat auf der Bühne und darum herum ein kleines Team. In Rödermark ist die Truppe bereits seit dem bewegenden Stück „Die im Dunkeln“ ein Begriff, einem Projekt über Menschen ohne Papiere, mit dem sie im vergangenen Jahr gastierten.

„Dieses neue Stück ist näher an den Schülern dran als das letzte. Es geht um direkte Probleme aller Jugendlicher, jener mit wie derer ohne Migrationshintergrund. Es geht um Identitätsfindung und Verantwortung im Milieu, bis hin zum großen Problem mit andersdenkenden Lehrern“, macht Sozialpädagoge Eyup Demir den Bezug für die jungen Theaterbesucher deutlich.

Aushalten einer langen Stille

Die jungen Zuschauer tun sich zunächst beim Aushalten einer langen Stille gleich zu Beginn des Stückes schwer. Dann sind sie aber rasch voll im Bühnengeschehen um die vier Jungen Amin, Cem, Nic und Moe gefangen. Die begeben sich auf die Suche nach ihren verlorenen Familien, Freundschaft, Vertrauen und nach dem Sinn: „Wozu Stärke? Stärke ist ein Problem: Stärke macht einsam!“ Es geht darum, niemanden allein zu lassen, wenn die Bullen plötzlich den Sprayern auf den Leib rücken, und sich zu freuen, „wenn mein Bruder vorbei kommt – das ist cool!“ Aber es geht auch um Zwänge; etwa zu trinken, weil der Freund es will... – Zwänge, die sich aus den Familien einerseits und den Gesetzen der Straße andrerseits ergeben.

Weitere Infos:

www.theaterperipherie.de

Daraus rührt die Grundfrage, die sich jeder Jugendliche selbst stellen muss während seiner Entwicklung: Bin ich Kamel, ein Lion oder ein Chamäleon, das sich ständig anpasst? Und was will ich eigentlich sein? Die gut 70-minütige Aufführung fesselte die Schüler spürbar zwischen angespannter Stille und befreitem Lachen. Nicht nur die Rap-Nummern auf der Bühne bekamen Szenenapplaus; auch die anschließenden hautnahen Gespräche mit den Schülern verliefen lebhaft.

chz 

Quelle: op-online.de

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