Nur noch aufs Klo, wenn’s sich nicht mehr vermeiden lässt

Schultoiletten stinken erbärmlich

Urberach - Schlimmer als jedes Bahnhofsklo: So beschreiben Kinder und Eltern die Toiletten der Schule an den Linden. Sie würden - obwohl ordentlich gespült - unerträglich stinken. Eine Reinigung pro Tag ist den Eltern viel zu wenig. Von Michael Löw

„Der Gestank, der einem beim Betreten der Toiletten der Schule an den Linden entgegen schlägt, lässt einen erst einmal einen Schritt zurück treten“, ekelt sich Guido Föckel, der Vorsitzende des Elternbeirats. Und er hat im Gegensatz zu den fast 430 Grundschülern das Glück, die Klos nicht täglich benutzen zu müssen. 214 Jungen, so Föckel, müssen sich vier Toiletten und sechs Urinale teilen. Den 212 Mädchen stehen acht Klos zur Verfügung. Der Schulelternbeirat verweist auf eine Empfehlung, wonach bei so vielen Klogängern jeweils 17 Jungen- und Mädchentoiletten sowie 17 Urinale da sein müssten.

Schuld am Gestank ist neben der geringen Anzahl der Reinigungsplan, den der Kreis mit dem Schulbetreiber Hochtief vereinbart hat, kritisieren die Eltern. Geputzt werde nur einmal am Tag - entweder spät nachmittags oder abends. Ein Hauch von Frische weht allenfalls morgens durchs Klo, spätestens nach der ersten großen Pause ist Schluss mit der Sauberkeit. Nötig wäre nach Ansicht Föckels eine Toilettenaufsicht wie es sie bereits an zwei anderen Rödermärker Schulen gibt. Diesen Service verweigere der Kreis der Urberacher Grundschule: Die Ober-Röder Schulen hätten eine Ausnahmegenehmigung im Zuge eines Pilotprojektes bekommen.

Die Urberacher Eltern fühlen sich vom Schulträger allein gelassen. Der habe sie auf „Mindeststandards an Kulturtechniken“ hingewiesen, die auch Erst- bis Viertklässler beherrschen müssen. Hygieneregeln von Klobürstenbenutzung bis Steh-Pinkel-Verbot wurden in den vergangenen Monaten immer wieder zum Thema von Klassenratssitzungen. Föckel: „Allein durch die Einhaltung der Regeln hat sich nichts an diesem unerträglichen Zustand geändert.“ Sogar die Seife im Spender sei schon verschimmelt.

Waschen und Föhnen - Schafft das Dusch-WC den Durchbruch?

Viele Kinder gehen schon gar nicht mehr aufs Schulklo, sie halten kleine und große Geschäfte ein. Die Folgen haben besorgte Eltern Guido Föckel und seinen Beiratskollegen geschildert: schmerzhafte Verstopfungen und Bauchschmerzen. Etliche Kinder mussten deshalb zum Arzt, einige sogar ins Krankenhaus. Einige Eltern hätten ihre Kinder mit vollen Hosen abholen müssen - eine Peinlichkeit sondersgleichen für alle.

Um den Gang aufs Klo zu vermeiden, würden viele Kinder zu wenig essen und trinken, haben Eltern dem Beirat berichtet. Das bedeutet Konzentrationsschwierigkeiten und Kopfweh. Guido Föckel: „Es geht hier um die Gesundheit unserer Kinder. Man schickt sie Tag für Tag besorgt zur Schule!“

Die Eltern fordern vom Kreis eine Aufsicht auch ohne Pilotprojektcharakter. Zudem müssen ihrer Ansicht nach die Schulklos einmal pro Jahr von Grund auf gereinigt und mittelfristig komplett saniert werden.

Wir haben gestern am späten Vormittag beim Kreis gefragt, wie er Toilettenproblem an der Urberacher Schule bewertet. Die Pressestelle kündigte am Nachmittag die Stellungnahme des Schulträgers für heute an.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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