Schulweg seit Jahren sicher

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„Wenn ich groß bin, werde ich auch mal Polizist“, freute sich einer dieser beiden Jungs, die Klaus-Dieter Preuß vor der Trinkbornschule über die Straße geleitet hat. Und im Hintergrund parkt ein „Taxi Mama“ wieder mal direkt vorm Schultor.

Rödermark - Die Szene bedient alle Klischees: Eine Mutter steuert ihren SUV, einen Pseudo-Geländewagen japanischer Bauart, auf einen der Behindertenparkplätze vor der Trinkbornschule, lässt ihren Sohn aussteigen und fährt davon, noch ehe der Knirps die Tür richtig schließen kann. Von Michael Löw

Die drei städtischen Ordnungspolizisten ignoriert sie galant.

Klaus-Dieter Preuß, Steffen Remus und Jürgen Frühwacht drücken - nicht nur bei dieser Frau - ein Auge zu, sonst kämen sie an diesem Morgen aus dem Knöllchenschreiben nicht heraus. Schulwegsicherung ist in den Wochen nach den Ferien ihre vordringlichste Aufgabe, und da erleben sie haarsträubende Situationen zu Hauf.

„Taxi Mama“ und „Taxi Papa“

Beispiel gefällig? Remus hat sogar schon beobachtet, wie ein Auto in die Trinkbrunnenstraße fuhr, das Kind in Höhe des Bücherturms absetzte und dann rückwärts gegen die Einbahnstraße auf die Dieburger Straße rollte.

Das „Taxi Mama“, gelegentlich auch das „Taxi Papa“, würde seine Fahrgäste am liebsten jedoch direkt vor der Klassentür abliefern. Das sei sicherer, bekommen die Ordnungspolizisten oft zu hören. Dass Autos vor Schulen eine potenzielle Gefahr für andere Kinder sind, stört diese Eltern offenbar wenig.

Egal, ob im Stadtflitzer, im Edelkombi oder im besagten SUV: Kaum ein Kindertransporteur hält sich an die Schrittgeschwindigkeit, die vor der Trinkbornschule und der Schule an den Linden gilt. Und gehalten wird ohnehin, wo’s gerade bequem ist. „Kinder können auch mal 50 Meter laufen“, grantelt Preuß. Was auch sein oberster Chef, Bürgermeister Roland Kern, immer wieder fordert. Regelmäßig wirbt er fürs „zur Schule gehen“.

Großzügigkeit der Polizei 

Trotz etlicher Verstöße legen Preuß und seine Kollegen ihren Ermessensspielraum großzügig aus. Erst das aufklärende Gespräch, dann die mündliche Verwarnung, den Strafzettel nur, wenn sonst nichts fruchtet oder das Vergehen allzu gravierend ist. Der stellvertretende Ordnungsamtsleiter Stephan Brockmann fordert von seinen Männern Augenmaß und Fingerspitzengefühl, Verkehrssicherheit definiert sich in seinen Augen nicht über die Zahl der Knöllchen.

Weniger freundlich dürfte gewesen sein, was Preuß’ Kollege Steffen Remus von diesem flotten Autofahrer zu hören bekam.

Schulwegsicherung hat in Rödermark mehrere Aspekte. Kinder in unmittelbarer Nähe der Schule über die Straße leiten, ist nur einer davon. Ein zweiter ist die Tempokontrolle an den Straßen, die Kinder auf dem Weg zum Unterricht benutzten. Ordnungspolizist Frühwacht baut das Radargerät dieses Jahr häufig in der Odenwaldstraße auf. Dort - und in zwei anderen Straßen - musste die Stadt auf Druck des Landes ja die seit Jahren bewährte Tempo-30-Regelung aufheben.

Sein Kollege Steffen Remus überarbeitet seit nunmehr sieben Jahren die Schulwegpläne, die den sichersten Weg zwischen Haustür und Klassenzimmer zeigen.

Der Aufwand rentiert sich offenbar, denn dem Ordnungsamt ist schon seit Jahren kein Unfall mit Kindern in der Umgebung der Schulen bekannt. Das bestätigt auch Klaus-Peter Daube, der Leiter der Polizeistation in Dietzenbach.

Quelle: op-online.de

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