Rödermark

Der Schutzpatron spricht

Rödermark -  Anonyme Zuschriften und solche mit falschen Namen oder Tarnadressen wandern grundsätzlich in den Redaktions-Papierkorb. Das ist auch gut so: Wer unserer Zeitung etwas mitzuteilen kann, sollte mit seinem Namen dazu stehen.

Und wenn der Sachverhalt heikel ist, kann er sich auf unsere Verschwiegenheit verlassen. Eine gegen alle Regeln verstoßende Zuschrift wollen wir unseren Lesern nicht verschweigen, obwohl sich der Verfasser eines falschen Namens bedient und mit dem Titel „1. Brief des Heiligen Gallus an die Urberacher“ sogar noch biblische Autorität vorgaukelt.

Der angebliche Schutzpatron der katholischen Kirchengemeinde sorgt sich um den Zwist, den die Abrisspläne für das nach ihm benannte Pfarrheim ausgelöst haben. Er vergleicht das Urberach des Jahres 2009 n. Chr. mit Bodensee-Dörfern des Jahres 600 n. Chr., wo er beim Missionieren heidnische Götzenbilder kurzerhand ins Wasser warf - ohne Rücksicht auf den „gewaltigen Ärger mit den Leuten“.

Und weil der wackere Gallus der Legende nach mit einem Bären klar kam, hat der Leserbriefe schreibende „Nachfolger“ auch keine Angst vor dickfelligen Gegnern oder Befürwortern der Gemeindehaus-Pläne. Er rät beiden Seiten „schnellstens Ruhe zu geben und sich die Häde zu reichen“. Ansonsten schicke er seinen Missionarskollegen Bonifatius. Der schlug bekanntlich mit der Axt dazwischen.

MICHAEL LÖW

Quelle: op-online.de

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