Aktionsprogramm Stadtentwicklung zeigt, dass CDU Führungsanspruch in der Koalition erhebt

Schwarz-Grün will zwei neue Gewerbegebiete

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Eine neue Straße nördlich der Urberacher „Rennwiesen“ soll die Carl-Benz- mit der Messenhäuser Straße verbinden und das vergrößerte Gewerbegebiet „Hainchesbuckel“ erschließen.

Rödermark - Rund 20 Hektar mehr Gewerbegrundstücke - sogar auf Flächen, die bisher dem Öko-Ausgleich dienen - und eine Aufwertung der „Grünen Mitte“ sind die Eckpunkte eines Aktionsprogramms zur Stadtentwicklung. CDU und AL haben das Papier am Mittwochabend vorgestellt. Von Michael Löw 

Es sei eine Fortschreibung des schwarz-grünen Koalitionsvertrags, der trotz der Turbulenzen um die Bürgermeisterwahl nie aufgekündigt wurde. CDU und Andere Liste (AL) wollen Rödermark bis 2019, dem Jahr der vorgezogenen Bürgermeisterwahl, voranbringen. Ein Aktionsprogramm, das den 2016 geschlossenen Koalitionsvertrag bekräftigt, macht deutlich: Der Schwerpunkt im Bündnis wandert stärker in Richtung CDU. Um neue Gewerbeflächen im Dreieck Rödermarkring, Kapellen- und Frankfurter Straße auszuweisen, nimmt die AL sogar eine Straße durchs Urberacher Feld und die Bebauung ökologischer Ausgleichsflächen in Kauf. Letztere werden, so steht’s im Aktionsprogramm, in die „Grüne Mitte“ verlagert, die durch die Vorschläge eines Gutachters noch grüner werden soll.

Das Programm soll in den nächsten beiden Jahren Wirkung zeigen. „Wir haben die Lupe über den Koalitionsvertrag gehalten und den Fokus auf die Stadtentwicklung gelegt“, begründete der künftige CDU-Vorsitzende Ralph Hartung die Konzentration auf Gewerbeansiedlung und geförderten Wohnungsbau. Fünf Anträge dazu hat die Koalition für die Sitzung des Stadtparlaments am 27. Juni gestellt. Die Vorschläge im Überblick:

  • Das Dreieck zwischen Rödermarkring, Kapellenstraße und Friedhof wird komplett als Gewerbegebiet ausgewiesen. Ausgenommen sind lediglich die Ruine des „Paramount Park“ sowie die Fußballhalle und eine frühere Sauna. Auf diesen Grundstücken wollen Investoren zahlreiche Wohnungen und einige Büros oder Praxen bauen. Die 7,5 Hektar Wiesen drumherum sollen neue Firmen nach Ober-Roden locken oder bestehenden Erweiterungsmöglichkeiten bieten. Die meisten dieser Wiesen sind eigentlich als Öko-Ausgleichsflächen für den Rödermarkring vor einer Bebauung geschützt. Dieser Naturausgleich wird nach dem Willen der Koalition in die „Grüne Mitte“ verlagert.
  • Gravierende Veränderungen stehen dem „Hainchesbuckel“ zwischen Urberach und Messenhausen bevor. Aus den rund vier Hektar Gewerbegebiet, das überwiegend vom Recycling-Unternehmen Rügemer genutzt wird, werden zehn bis zwölf Hektar. Die Koalition will es durch eine neue Straße erschließen, die von den „Rennwiesen“ aus das Urberacher Feld und das Rügemer-Gelände durchschneidet und auf der Messenhäuser Straße endet. Die Neuordnung, so die Fraktionsvorsitzenden von CDU und AL, Michael Gensert und Stefan Gerl, würde einen Jahrzehnte alten Streit beenden: Die große Schutt-Recyclingmaschine der Firma Rügemer hat laut Gensert und Gerl eine Genehmigung nach dem Bundesemissionsschutzgesetz, die Sandberge haben dagegen keine. Durch ein neues Gewerbegebiet erhalte auch Rügemer langfristig Planungssicherheit. Eine zweite, weit kürzere Straße soll Kapellen- und Messenhäuser Straße verbinden und die Dreifaltigkeitskapelle vorm Lkw-Verkehr schützen.
  • Ein sogenanntes „Urbanes Gebiet“ soll links und rechts der Odenwaldstraße entstehen. Dort könnten Wohnen, Gewerbe, soziale und kulturelle Einrichtungen nebeneinander Platz finden. Firmen sind nicht nur in ihrem Bestand gesichert, sondern dürfen auch erweitern. Die Lärmschutzverordnung wird im „Urbanen Gebiet“ großzügiger gehandhabt als in Mischgebieten. Obwohl unter vielen Grundstücken Altlasten vermutet werden, haben laut Gensert schon Bauträger Interesse bekundet.
  • Den Mangel an bezahlbaren Mietwohnungen wollen CDU und AL durch geförderten Wohnungsbau in städtischen Liegenschaften wie dem ehemaligen Altenwohnheim Am Mühlengrund oder alten Kitas mildern. Ihr Vorschlag: im Erdgeschoss Kinderbetreuung, oben Wohnen. Eine Kombination aus Supermarkt und Wohnungen schwebt der Koalition für das alte Gaswerk Ober-Roden vor.
  • Ein Planungsbüro soll der Stadt eine Definition der 45 Hektar großen „Grünen Mitte“ und Ideen für ihre ökologische Aufwertung - zum Beispiel durch eine weitere Renaturierung der Rodau - liefern.

CDU und AL versichern, dass trotz neuer Straßen und Gewerbegebiete „von Flächenfraß keine Rede sein kann“. Die Koalition wird zwar „schwärzer“. Doch die CDU habe keinen Druck auf seine Partei ausgeübt, versicherte AL-Vize Eckhard von der Lühe: „Politik ist die Kunst, aus Kompromissen etwas Gutes für alle herauszuschlagen.“ Für ihn habe Schwarz-Grün auch nach der Bürgermeisterwahl nicht in Frage gestanden. Ähnlich sieht’s CDU-Mann Gensert. Die AL sei die einzige Partei gewesen, die bei den Sondierungsgesprächen im März und April umsetzbare Vorschläge unterbreitet hätte. Die SPD habe dagegen nur ein überdimensioniertes Neubaugebiet ins Gespräch gebracht. Gensert: „Von FDP und FWR kam nichts. Wenn man eine bestehende Koalition knacken will, muss man mehr liefern!“

Quelle: op-online.de

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