Seit Jahren ohne Urlaub

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In seinem Beruf als Anwalt muss Michael Gensert kiloschwere Fachbücher wälzen, um auf dem Stand der Dinge zu sein. Seine juristische Kompetenz ist auch in der CDU-Fraktion gefragt, denn so manche Auseinandersetzung zwischen der schwarz-gelben Koalition und Bürgermeister Kern endet vor Gericht.

Urberach - „Wenn Sie was richtig machen, können Sie immer nur eine Sache richtig machen!“ Und diese eine Sache, das ist bei Michael Gensert die Kommunalpolitik. Fragt man den 42-jährigen Rechtsanwalt nämlich nach seinen Hobbys, schüttelt er erst sachte den Kopf und gibt eben diese Antwort. Von Michael Löw

1985 trat er in die Junge Union ein, seit diesem Zeitpunkt gestaltet er christdemokratische Politik in Rödermark mit.

Michael Gensert drängt nicht unbedingt nach ganz vorne, der Vorsitz des Haupt- und Finanzausschusses und die Führung der CDU-Fraktion sind Pflichtaufgaben für den langjährigen Parteimann. „Ich bin Urberacher, und ich habe einen Urberacher Namen. Da kann ich in dieser Partei doch nichts mehr werden“, weist Gensert jede Ambition auf einen Posten im hauptamtlichen Magistrat oder gar über Rödermark hinaus zurück.

Das klingt wie Ironie. Doch trotz dünner Personaldecke dürfte diese Aussage aber der christdemokratischen Realität entsprechen: Sieht man einmal vom Ober-Röder Alfons Maurer ab, Rödermarks erstem direkt gewählten Bürgermeister, kamen alle ranghohen CDU-Politiker aus Urberach: Bürgermeister Walter Faust, die Erste Stadträtin Margot Süß, ihr Nachfolger Alexander Sturm, die Bundestagsabgeordneten Wolfgang Steiger und Patricia Lips. Gensert reiht noch einen weiteren Urberacher in diesen erlauchten Kreis ein: Bürgermeister Roland Kern, einen wertkonservativen Grünen.

Der CDU-Politiker blickt mit einer Portion Neid nach Rodgau. In der Nachbarstadt haben sich die Fraktionen vor Jahren schon hauptamtliche Assistenten bewilligt, die den politischen Führungskräften viel Routinearbeit abnehmen. In Rödermark bleibe das meiste davon an den Mitgliedern des Fraktionsvorstandes hängen. „Sowas stresst“, grantelt Gensert, wenn er spätabends nach einer Sitzung nochmal für eine oder zwei Stunden in seine Kanzlei im Industriegebiet von Eppertshausen fährt.

Er hat in Frankfurt Jura mit den Schwerpunkten Kommunal- und Verwaltungsrecht studiert und eröffnete vor zwölf Jahren eine Kanzlei. Als Chef eines Ein-Mann-Betriebs mit Sekretärin macht Gensert „schon seit Jahren keinen Urlaub mehr“. Auch das entspricht seiner Auffassung vom Richtig-Machen.

Wegen einer Urlaubsreise könnte Michael Gensert vielleicht schon bald ein kleines Kaptiel Rechtsgeschichte schreiben: Seit sechs Jahren prozessiert er in Österreich für einen Mann aus dem Kreis Offenbach, der sich in einem Söldener Hotel mit Legionellen infizierte. Eine Hirnblutung war die Folge, seither ist Genserts Klient blind und geistig behindert.

90 000 Euro hat der Rechtsstreit bisher gekostet. Sprechen die Richter in Österreich dem deutschen Legionellen-Opfer eine Rente zu, geht‘s um Millionen. Michael Gensert: „Das ist der teuerste Prozess den die DEVK-Versicherung für eine Privatperson finanziert.“

Daten & Fakten

- 1985 Eintritt in die Junge Union

- 1988 Eintritt in die CDU

- 1993 Wahl in die Stadtverordnetenversammlung

- seit 2001 Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss, seit 2003 dessen Vorsitzender

- von April 2001 bis April 2008 stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion, seit April 2008 Vorsitzender der größten Fraktion im Parlament

- seit 2001 stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher

Quelle: op-online.de

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