Seit zehn Jahren rollt die S-Bahn durch Ober-Roden

(Aggressions)-Stau vor Schranke

+
Zehn Mal ist die Schranke morgens zwischen 8 und 9 Uhr unten. Diese Schließzeiten verursachen nicht nur bei Autofahrern einen Aggressionsstau.  

Ober-Roden - Unterführung oder Schranke? Diese Frage teilte die Ober-Röder bis Mitte der neunziger Jahre in zwei Lager. Das Ergebnis ist bekannt: Die erste schwarz-grüne Koalition verhinderte den Schlupf. Seither ärgern sich Autofahrer und Anwohner. Von Michael Löw 

Seit 1990 hatte die Deutsche Bahn AG auch in Ober-Roden ihre Argumente für eine Unterführung ins Feld geführt: mehr Sicherheit für Straßen- und Schienenverkehr, keine Staus auf der Ortsdurchfahrt, eine Aufwertung des Ortskerns. Die Kosten von 17 Millionen Mark hätte die Bahn getragen. Diese Vorteile sahen auch geschätzte 30 Prozent der Ober-Röder - die überwiegend nicht entlang der Dieburger und Frankfurter Straße wohnten - sowie SPD und FDP.

Gegen die Pläne der Bahn machten die Mehrheit der Bürger, Einzelhandel und Gewerbeverein Front; auf ihrer Linie lagen große Teile der CDU und die Andere Liste. Sie malten das Schreckensbild eines zerschnittenen Ortskerns an die Wand und wiesen darauf hin, dass die in jede Richtung mehr als 100 Meter lange Rampe mehrere Dutzend Grundstücke von ihrer Zufahrt trennen würde. Seit dem schwarz-grünen Nein zur Unterführung am 9. Mai 1995 rasseln die Schranken in der Dieburger Straße während der Hauptverkehrszeit mehrmals pro Stunde runter. An einem Werktag-Morgen sieht das so aus: Die S 1 kommt um 8.03 Uhr, 8.18 Uhr, 8.33 Uhr, 8.48 Uhr und 9.03 Uhr aus Rollwald nach Ober-Roden. Die fünf Gegenzüge fahren ab 7.59 Uhr ebenfalls im 15-Minuten-Takt.

Besonders lange bleiben die Schranken unten, wenn der Zug aus Rollwald kommt. Denn bevor die S 1 dort in den Bahnhof rollt, passiert sie einen Kontakt, der die knapp zwei Kilometer entfernten Schranken schließt. Dann zieht sich die Warterei wie Kaugummi, und der Frust wächst mit der Länge des Staus. Die Stadt kämpft praktisch seit dem Start der S-Bahn um eine Optimierung - sprich: Verkürzung - der Schließzeiten, bekommt aber immer nur eines zu hören: Die Bahn hält die Sicherheitsvorschriften des Eisenbahnbundesamtes ein. Und die schreiben den Kontakt nördlich von Rollwald vor.

Wo Autofahrer am längsten im Stau stehen

Wo Autofahrer am längsten im Stau stehen

Fast 8.000 Euro hat die Stadt nach Auskunft von Bürgermeister Roland Kern inzwischen für Gutachten ausgegeben, die die Vorschriften aushebeln könnten - vergeblich. „Wir halten eine Optimierung der Schließzeiten für aussichtslos. Weitere Aktivitäten stehen deshalb nicht an“, hat Bürgermeister Kern fürs Erste resigniert. Als einzige Alternative bietet die Bahn nämlich eine „niveaufreie Querung“ an. Was nichts anders ist als die Unterführung, die vor 18 Jahren abgelehnt wurde.

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare