17 Sekunden Grün vorm Franziskushaus

Rollator-Sprint an der Ampel

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17 Sekunden: Solange dauert die Grünphase der Ampel vorm Franziskushaus. Für Gitte Pagenstedt, Alma Malecki und Erna Grief - hier begleitet vom Caritas-Seniorenlotsen Wolfgang Geiken-Weigt - reicht das gerade bis hinter die Mittelinsel auf der Ober-Rodener Straße.

Urberach - Mieterinnen aus dem Caritas-Franziskushaus beschweren sich über die zu kurze Grünphase der Fußgängerampel in der Ober-Rodener Straße. Nach maximal 17 Sekunden springt die Ampel wieder auf Rot.

Da sind Gehbehinderte noch ein ganzes Stück vom anderen Bürgersteig entfernt. Wenn Gitte Pagenstedt, Alma Malecki und Erna Grief die Straße vorm Franziskushaus überqueren wollen, haben sie 17 Sekunden Zeit. Das klingt viel für knappe zehn Meter. Doch die drei älteren Damen sind nicht mehr die Schnellsten: Zwei schieben den Rollator vor sich her, eine geht an Krücken. Deshalb sind sie meist nur etwas hinter der Mittelinsel, die die Ober-Rodener Straße teilt, wenn die Ampel von Grün auf Rot wechselt. „Bevor ich richtig am anderen Randstein rauf bin, spüre ich den Fahrtwind der Autos am Bobbes“, bringt Alma Malecki das Problem auf den Punkt. Autofahrer warten nämlich nicht, bis die langsamen Fußgängerinnen auf dem Bürgersteig sind, sondern starten, sobald eine Pkw-Breite Luft hinter den Frauen ist. „Und dann hupen sie noch wie die Deppen“, schimpft Alma Malecki.

Gitte Pagenstedt, Alma Malecki und Erna Grief, die dem Mieterbeirat des Franziskushauses angehören, beschweren sich für die meisten der 60 Bewohner der Caritas-Einrichtung über die zu kurze Grünphase. Auf der anderen Seite der Ober-Rodener Straße liegt das Märktezentrum mit seinen vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten. Mit der „Residenz am Badehaus“ und dem „Artemed-Pflegestift“ gibt"s in unmittelbarer Nachbarschaft noch zwei weitere Altenwohn- und Pflegeheime.

Fünf Sekunden länger Grün, dann wären auch gehbehinderte Fußgänger sicher auf der anderen Straßenseite. Mit dieser Bitte wandten sich die Frauen - unterstützt vom Koordinator der Caritas-Seniorenlotsen, Wolfgang Geiken-Weigt - an die Kreisverkehrsbehörde.

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Die hält den Übergang vorm Franziskushaus für sicher. „Die Fußgängerschutzanlage verfügt über einen bestimmten Zeitrahmen, bei dem Fußgänger die Schutzanlage passieren können. Eine Videodetektion überwacht den begehbaren Bereich durch eine Kamera“, kam die Antwort in bestem Amtsdeutsch. Übersetzt heißt das: Die Kamera merkt, wenn Fußgänger auf der Straße sind und verlängert die normalerweise 12 Sekunden dauernde Grünphase auf besagte 17 Sekunden. Eine weitere Verlängerung ist nach Ansicht des Kreises nicht notwendig: Denn auch danach müssen Autofahrer warten, bis der Überweg frei ist. Egal, wie weit Menschen mit Krücken, Rollatoren oder Rollstühlen noch vom Bürgersteig entfernt sind.

Wolfgang Geiken-Weigt und die drei Frauen bezweifeln, dass die Kamera richtig eingestellt ist. Ihrer Ansicht nach hat sie den Überweg nicht komplett im Blick. Doch auch da ist nach Ansicht des Kreises alles in Ordnung. Die Ampelanlage wurde nach einer Mitteilung der Stadt Ende 2016 letztmals begutachtet. Bei dieser Prüfung sei festgestellt worden, dass weder Störungen noch Fehlschaltungen vorliegen. Alma Malecki wird also den Fahrwind weiterhin am Bobbes spüren, wenn sie zum Einkaufen geht. (lö)

Quelle: op-online.de

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