Alte nicht an den Rand drängen

Rödermark (lö) - Rödermark ist neben Kassel die einzige hessische Kommune, die sich an einem bundesweiten Forschungsprojekt zur Teilnahme benachteiligter älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben beteiligt.

Hinter diesem soziologischen Wörter-Ungetüm verbergen sich selbst in einer Kleinstadt mehrere hundert Schicksale von Senioren, die kaum noch vor die Tür gehen und nur noch selten jemanden in die Wohnung lassen. Oder niemanden mehr haben, der hinein will.

Unsere Gesellschaft klafft immer weiter auseinander. Auf der Sonnenseite stehen aktive Senioren mit großem Freundeskreis und ein paar ordentlichen Euros auf dem Sparbuch. Ältere, die krank, behindert, arm und ausländisch sind, müssen dagegen befürchten, an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden. Die sind für Professor Dr. Walter Hanesch von der Hochschule Darmstadt die Zielgruppe der Untersuchung, die bis Sommer 2014 dauert und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird.

Menschen wollen in vertrauter Umgebung alt werden

Hanesch und seine wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Jana König und Anke Strube gehen von folgender Prämisse aus: Eine funktionierende Nachbarschaft spart den öffentlichen Kassen viel Geld, weil die Menschen in vertrauter Umgebung alt werden wollen - und können - und nicht ins Heim müssen. Wie isoliert lebende Alte in dieses Gefüge eingebunden werden können, ist ein Aspekt, den die Untersuchung klären soll.

Forschungsobjekt ist einmal mehr das Urberacher Seewald-Gebiet. Es sei so etwas wie Rödermark im Kleinformat, begründen Bürgermeister Roland Kern und Wolfgang Geiken-Weigt, der Leiter des Sozialdienstes, die Wahl. Nördlich der Rodaustraße leben Alteingesessene, Flüchtlinge, die nach dem Krieg eine Heimat fanden, Migranten aller Generationen und - an den „Rennwiesen“ - auch junge Familien.

Quartierarbeit setzt auf funktionierende Nachbarschaft

Zudem betreibt die Stadt seit knapp einem Jahr im „SchillerHaus“ eine intensive Quartierarbeit, deren Ziel ebenfalls eine funktionierende Nachbarschaft ist. „Soziales Kapital“ nennt Professor Hanesch diese Strukturen, in die sich auch Ehrenamtliche einbringen. Übers „SchillerHaus“ suchen die Wissenschaftler dann auch die Kontakte zu den Senioren am Rande der Isolation. Quartiermanagerin Makbule Firat will ebenso Türen öffnen wie die Kirchen, der Deutsch-türkische Freundschaftsverein, Seniorenbeirat und -hilfe, Arbeiterwohlfahrt oder die Caritas-Sozialstation. Ausführliche Interviews mit den Betroffenen sollen Aufschluss geben, wie diese Leute ihre Situation stehen und welche Angebote sie brauchen.

Ein erstes Projekt soll Ende 2012 in die Tat umgesetzt und ein Jahr lang erprobt werden. Wenn’s funktioniert, wird’s vom Urberacher Seewald auf vergleichbare Wohnviertel in ganz Deutschland übertragen.

Quelle: op-online.de

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