Feuerwehr übt im Wald für Unwettereinsätze

Sicheres Sägen will gelernt sein

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Mit einer Ausnahme durfte beim Training der Urberacher Feuerwehr nur liegendes Holz mit der Motorsäge entastet und zerteilt werden. Das entspricht aber auch am ehesten der Einsatzrealität nach Stürmen.

Urberach - Wirft ein Sturm Bäume auf Straßen oder Bahngleise, schneidet die Feuerwehr die Verkehrswege wieder frei. Da Motorsägen ebenso gefährliche wie mitunter zickige Werkzeuge sind, benötigen Mitglieder der Einsatzabteilung eine Extra-Ausbildung an ihnen.

In der Sailerwiesenschneise knatterten einen Vormittag lang die Kettensägen. Hier übten der Urberacher Wehrführer Dieter Rumpf, Martin Gerhold und zehn weitere Floriansjünger mit drei Motorsägen. Etwa die Hälfte der Wehrleute hat einen so genannten Motorsägenführerschein. Sie waren weitgehend zum Üben und Auffrischen dabei, Neulinge an den surrenden Maschinen lernten das kleine Säge-Einmaleins.

Mindestens einmal jährlich steht dieses Training im praktischen Ausbildungsprogramm der Wehr. „Und da wir uns keinen Sturm selber machen können, müssen wir für die Auffrischübung nehmen, was herumliegt“, erläutert Dieter Rumpf. Was an dieser Stelle des Waldes überwiegend Fichtenholz ist. Im Ernstfall kommt dieses Wissen seinen Leuten bei Sturmschäden, aber auch bei Brandeinsätzen - etwa am Dachstuhl - zugute.

„Der Landesbetrieb Hessen-Forst arbeitet hier ohnehin gerade, deshalb dürfen wir üben. Aber nicht am Nutzholz, sondern nur an dem, was ansonsten nicht verwertbar ist und am Ende für Kaminbesitzer übrig bleibt“, weist der Einsatzleiter hin.

Schutz vor kraftvoller Säge

Die Wehr braucht das Holz, das von Ästen befreit und in tragbare Stücke zersägt wird, fürs nächste Sonnwendfeuer. Das wird zwar erst Ende Juni entzündet, doch Hessen-Forst gibt den Zeitplan vor: „Wir müssen unser Holz vor dem 1. März holen, denn danach fängt die Setz- und Brutzeit an, da dürfen wir hier nicht mehr lärmen.“

In den Jahren zuvor hat die Wehr meist die nicht abgeholten Holzstapel, Mieten genannt, am Wegrand nützen dürfen. „Diesmal sind wir früh dran, können hier das Sägen üben und haben auch einen Lagerplatz beim alten Plattenwerk zur Verfügung gestellt bekommen.“

Wer an der kraftvollen Säge arbeitet, muss sich schützen. Die verstärkte Schnittschutzhose, deren Fasern die Kette in Sekundenbruchteilen stoppen, entsprechende Stiefel, Helm mit Visier und Handschuhe sind die Mindestausrüstung. Im Wald wird schrittweise geübt: Wie setze ich die Säge an? Wie schütze ich mich selber? Wie bringe ich die Maschine wieder in Gang, wenn sie ausgeht? Auch das Befüllen mit Öl und Sprit will gelernt sein - zumal sich die Deckel der Tanks nicht immer problemlos aufschrauben lassen. Doch in der Gruppe schafft man"s doch irgendwie.

Glückliche Fügung

Den drei Motorsägen ging beim stundenlangen Üben im Wald auch mal die Puste aus: ein guter Grund, die unterschiedlichen Benzin- und Ölgemische und deren Einfüllöffnungen zu erklären.

Die Feuerwehr darf nur an liegendem Holz werden. Aber eine glückliche Fügung ergab, dass sich einige abgeknickte Stämme schräg in Nachbarbäumen verfangen hatten – an die durften sich die Wehrleute auch heranwagen. „Wir sind der Revierförsterin Gabriele Rutschmann-Becker sehr dankbar, dass sie uns so entgegenkommt und die Möglichkeit gibt, hier an dem Altholz üben zu können“, freut sich Dieter Rumpf und erzählt von einer Baumansprache, die vor jedem neuen Fällen zu machen ist. Diese Ansprache braucht keine Worte, denn sie ist der forstwirtschaftliche Fachbegriff dafür, wie ein Baum und seine Umgebung vor dem Fällen beurteilt werden. Wohin neigt sich die Krone, wie könnte der Baum sich beim Fallen drehen? Das bleibt den meisten Feuerwehrleuten erspart – sie kümmern sich mit ihren drei Motorsägen allein um das Holz, das teilweise tiefe Spuren in den durchweichten Waldboden gezogen hat.

„Ich hatte eigentlich gehofft, es hätte heute Nacht gefroren, dann wär’s hier nicht so abgrundtief matschig, aber so geht’s ja auch“, freundete sich Gerhold mit dem Wetter an.

Am Bahnhof Babenhausen fallen die Bäume

Am Bahnhof fallen die Bäume

chz

Quelle: op-online.de

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