Sieben Eimer voller Lebenssaft

Welttag der Blutspende: Holger Schneider setzt weiter auf Freiwillige

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Doppelt engagiert: Holger Schneider spendet seit Jahren Blut und assistiert Blutspender nach der Spende.

Heute ist Weltblutspendetag. Er wurde 2004 ins Leben gerufen und erinnert an den Geburtstag des Wiener Arztes Karl Landsteiner, der 1901 die Blutgruppen systematisiert hat und 1930 dafür den Nobelpreis erhielt.

Ober-Roden –  Erst diese Systematisierung machte Blutspenden, die bis dahin oft tödlich endeten, zu dem Lebensretter, der sie heute sind.

Holger Schneider ist Vorstandsmitglied des Roten Kreuzes Ober-Roden und kennt das Blutspenden von beiden Seiten. Er ist Helfer bei den Terminen in der Kulturhalle und hat diese Woche zum 131. Mal gespendet. Er ist damit der ideale Interviewpartner zum heutigen Gedenktag.

Haben Sie schon einmal sieben Wassereimer nebeneinander gestellt und dann gedacht „Die habe ich fast mit meinem Blut gefüllt“? Wird’s einem da nicht ein bisschen schwindlig?

Nein, dieser Gedanke kam mir bisher nicht. Doch wenn man sich dies bildlich vorstellt, ist da mittlerweile eine beachtliche Menge zusammengekommen. Es freut mich, wenn ich anderen damit helfen konnte. Doch wenn man bedenkt, dass allein in Deutschland täglich rund 15 000 Blutpräparate benötigt werden, relativiert sich meine bisher gespendete Menge schon wieder.

Das Rote Kreuz, wäre sicher glücklich, wenn es mehr Spender vom Schlage eines Holger Schneider gäbe...

Ja, vielleicht schon, ich gehe doch sehr regelmäßig vier bis fünf Mal im Jahr zur Blutspende. Wenn es passt bei uns in Ober-Roden oder mal eben in der Mittagspause in der Zentrale des Blutspendendienstes in Niederrad. In Rödermark können wir uns auf unsere Stammspender verlassen. Doch der demografische Wandel wird uns auch hier irgendwann einholen. Daher sind wir momentan sehr froh, dass die Anzahl der Erstspender gleichbleibend ist, denn dies sind ja die Mehrfachspender von morgen.

Finden die Leute diese Form von Hilfe nicht mehr zeitgemäß? Muss das Rote Kreuz potenzielle Spender am Ende mit ein paar Euro Honorar locken, um die Versorgung von Kliniken etc. sicherzustellen?

Den meisten Blutspendern geht es nicht ums Geld. Wie bei mir ist der Antrieb eher das gute Gefühl, anderen und sich selbst etwas Gutes zu tun. Der Blutspendendienst hält sich neben den gesetzlichen Vorschriften der Bundesrepublik Deutschland, die selbstverständlich für alle gelten, auch an einen international beschlossenen ethischen Kodex, wonach Blutspenden unentgeltlich und freiwillig sein sollen.

Gibt es beim Blutspenden auch ein Stadt-Land-Gefälle? Andersrum gefragt: Müssen Sie in Ober-Roden sich weniger Sorgen machen als die Kollegen in Offenbach oder Frankfurt?

Ich kenne die Resonanz bei Terminen in Frankfurt oder Offenbach nicht. Bei uns in Ober-Roden treffen sich die Spender auch zu Gesprächen während der Spende und natürlich später dann beim Imbiss, hier kennt man sich. Teilweise kommen kleine Gruppen und es sind nicht nur Rödermärker, einige kommen aus der Region zu uns in die Kulturhalle, der Service scheint zu gefallen. Übrigens bekommt bei uns jeder Spender als Dankeschön eine Tüte mit frischem Obst überreicht. Mit dieser „Vitamin-Spritze“ möchten wir natürlich zur schnelleren Regeneration beitragen.

Das DRK-Vorstandsmitglied Holger Schneider kann doch sicher mit ein paar Sätzen erklären, wie Blutspenden auch dem Spender nutzt.

Die Spende regt die Neubildung von Blutzellen über die Stammzellen an. Durch eine regelmäßige vierteljährliche Blutspende kann sich sogar der Blutdruck und damit das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Der menschliche Körper ist problemlos in der Lage, den Blutverlust innerhalb weniger Tage wieder auszugleichen. Weiterhin wird das Blut zum Schutz des Empfängers sehr genau untersucht. Wenn hier etwas nicht in Ordnung sein sollte, dann wird der Spender darüber informiert.

Als „Taxi“ (Das sind die Helfer, die Spender in die Ruhezone begleiten. Anmerkung der Redaktion) erleben Sie wahrscheinlich einiges. Erzählen die Spender dann, was sie antreibt? Oder sind sie so geschafft, dass sie nur noch auf die Liege wollen?

Während wir die Spender in die Ruhezone begleiten, fragen wir erst mal nach dem aktuellen Befinden. Fast alle fühlen sich nach der Blutspende so gut, dass sie am liebsten gleich zum Imbiss gehen möchten. Hier müssen wir dann aber doch hin und wieder überzeugen, dass es besser ist, sich doch für wenigstens fünf oder zehn Minuten hinzusetzen, damit sich der Körper an den Blutverlust der 500 Milliliter gewöhnen kann. Denn nach einer Blutspende braucht der Kreislauf etwa 20 Minuten, bis sich dieser vollständig stabilisiert hat. Ab und an kommt es auch mal vor, dass bei einem Spender im Nachhinein der Kreislauf schwächelt. Aber wir sind ja da, um schnell helfen zu können.

Lassen Sie uns zum Schluss zum Anlass dieses Gesprächs kommen: Brauchen wir einen Tag der Blutspende? Vorgestern, am 12. Juni, war ein weltweiter Aktionstag gegen Kinderarbeit. Und trotzdem gab es überall T-Shirts für 3,99 Euro.

In wenigen Wochen beginnt die Ferienzeit, die hochsommerlichen Temperaturen werden womöglich auch wieder dazu beitragen, dass die Spende-Termine dann nicht mehr so gut besucht werden. Auf der einen Seite steigt der Bedarf, zum anderen sinkt in diesen Monaten die Spenderzahl. Daher ist es wichtig, dass oft auf diese Notwendigkeit hingewiesen wird, nicht nur einmal im Jahr am Tag der Blutspende. Denn trotz aller Bemühungen kann Blut noch immer nicht synthetisch hergestellt werden. Der rote Lebenssaft ist damit unersetzlich und besonders wertvoll.

Das Gespräch führte Michael Löw

Quelle: op-online.de

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