Notizbuch der Woche

Sieger auf den ersten Blick

Rödermark - Zwölf Jahre dauerte die Diskussion um den Umbau der Ortsdurchfahrt Waldacker, allein in den vergangenen zweieinhalb Jahren stand das Thema mehr als 20 Mal auf der Tagesordnung von Stadtparlament und Ausschüssen. Am Dienstagabend fiel nun endlich eine Entscheidung - in den zentralen Punkten nur mit den Stimmen von CDU und FDP. VonMichael Löw

Diese Kompromisslösung. bezeichnet der AL-Vorsitzende Eckhard von der Lühe mit einigem Recht als „Sanierung des Status Quo mit einiger Kosmetik“. Das Land finanziert neuen Asphalt auf der B 459. Die Stadt zahlt den behindertengerechten Umbau von zwei Bushaltestellen, einen Fußgängerüberweg und Sanierung oder Neubau der Bürgersteige. Die täglichen Staus auf der Ortsdurchfahrt, einst Anlass aller Diskussionen, haben bekanntlich längst ein Ende: Eine ausgefeilte Ampelsteuerung an der Kreisquerverbindung löste die Autoschlange nahezu in Wohlgefallen auf.

Auf den ersten Blick darf sich die CDU/FDP-Koalition als Sieger fühlen. Doch auch Grüne und SPD müssen keineswegs schwarz sehen: Entwickelt sich der Öffentliche Personennahverkehr positiv weiter, kommt Waldacker um eine dritte Bushaltestelle im Norden des Stadtteils nicht herum. Und die kann auf Grund der beengten Platzverhältnisse nur als „Cap“, also mitten auf der Fahrbahn, angelegt werden.

In Sachen Radweg sei an dieser Stelle eine Forderung aus dem März 2007 wiederholt: „Radler weg von der Hauptstraße!“ Warum soll der Steuerzahler einen Radweg an der Bundesstraße finanzieren, wenn in gerade mal 100 Metern Abstand parallel dazu die vergleichsweise ruhige Goethestraße verläuft? Ein paar Schilder und ein bisschen Phantasie können da viel Geld sparen.

Die Koalition hat sich keinen Gefallen getan, wenn sie bei der weiteren Bürgerbeteiligung nur die Hauptstraßen-BI nach ihrer Meinung fragen will. Das ist Wasser auf die Mühlen jener Kritiker, die der schwarz-gelben Mehrheit vorwerfen, sich vor den Karren einer - unbestritten großen - Interessensgruppe spannen zu lassen.

Handfeste Interessenkonflikte sind auch in der Ober-Röder Kapellenstraße abzusehen. Seit dem Großbrand im „Paramount Park“ Weihnachten 2006 soll das planerisch neu geordnet werden, außer einer Veränderungssperre ist seither aber nichts passiert. Private Grundstücksbesitzer würden ihr Gelände gern versilbern, die Stadt will dort ihren Einfluss sichern. Mal sehen, wer zuerst einen tragfähigen Kompromiss präsentieren kann...

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © op-online

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