Sinfonisches und Samba vereint

+
Ganz ohne Gastauftritte stellte Dirigent Johannes Maurer diesmal sein Orchester in aller Vielfalt und zugleich Harmonie in den Mittelpunkt des Herbstkonzerts.

Ober-Roden (chz) ‐ Mit zwei ausgesprochen anspruchsvollen Stücken, die dem Großen Blasorchester sehr viel Klangschärfe abverlangten, begrüßte der Musikverein 03 die Gäste seines 28. Herbstkonzertes in der Kulturhalle.

Die „Festive Hymn“ von Johan de Meij bildete den rechten Auftakt, dem Armin Koflers „Jolly Roger“ folgte, ein Klanggemälde aus der Welt der Piraterie, das alle Stimmungen von entspannt über angsterfüllt bis zur großen Erleichterung lautmalerisch vermittelte.

Mit ruhiger geistlicher Musik von J. Eric Schmidt setzte Dirigent Johannes Maurer einen interessanten Kontrast, der von der vollständigen Harmonie der Instrumentengruppen lebte und vom Wohlklang aller, ehe es mit dem anlässlich des 500. Todestages von Christopher Columbus komponierten „Hispaniola“ in die Pause ging.

Der zweite Teil - wie das ganze Konzert von Anna Keck charmant moderiert - war der leichteren Muse und bekannten Klängen gewidmet. Während die „Gershwin Prelude Suite“ noch sehr elegisch anmutete, ging‘s beim „Feeling Godd“ eher jazzig zu, wozu vor allem das Saxophon von Holger Rudolph beitrug. Die endgültige Verbindung zwischen traditioneller Bläserlitertaur und Jazz wurde schließlich bei „Desafinado“ eingegangen: Das Publikum nahm sie dankbar an, und dezent begleiteten Bossanova- und Samba-Rhythmen mit den Sahnehäubchen durch die Trompete von Francisco Hitzel und das Altsaxophon von Gregor Kastirke.

Als ob Lionel Richie persönlich da gewesen wäre

Lionel Richie schien beim „All Night Long“ fast persönlich auf der Bühne zu stehen, so samten weich kamen die südamerikanischen Rythmen und Klangfärbungen herüber. Sinnbildlich für das ganze Konzert stand das letzte Stück: „Absolute Crossover“, eine Komposition des zeitgenössischen Österreichers Otto M. Schwarz, die „for Symphonic Band and integrated Big Band“, für einen Musikverein und eine Bigband geschrieben wurde und genau das vereinte, was die „03er“ an diesem Abend leisteten: klassische sinfonische Klänge in Zwiesprache mit Bigband-Rhythmen, bis am Schluss alles zu einem eindrucksvollen Tutto verschmolz.

Locker nach außen und höchstens in den Knien federnd, aber beherrscht und diszipliniert wie stets hatte Johannes Maurer seine Musikerinnen und Musiker im Griff. Beherrscht, punktgenau und von hoher Qualität waren auch seine Solisten, allesamt Orchestermitglieder, von Francisco Hitzel über Gregor Kastirke bis hin zu Udo Beck und Alexander Hitzel am Schlagzeug und an den angenehm oft im Mittelpunkt stehenden Kesselpauken und Perkussioninstrumenten. Einziger Primus inter pares war dabei Holger Rudolph, der mit seinem Saxophonsolo schon im vergangenen Jahr bewundernden Beifall bekommen hatte. Tuben und Waldhörner, Posaunen und Oboen, Klarinetten und erst recht die Piccoloflöte - sie alle kamen irgendwo im Laufe des Konzerts als Star heraus und wurden von den anderen Instrumenten entsprechend gewürdigt.

Mit einem flotten Medley italienischer Ohrwürmer rund um „Azzuro“, von denen garantiert einer noch eine Weile lang im Kopf der Gäste hängen blieb, verabschiedete sich das Orchester unter den stehenden Ovationen.

Quelle: op-online.de

Kommentare