Ausgesetzter Skorpion am Glascontainer

„Der Urberacher Fall war schon krass“

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Rodgau/Rödermark - Dass Skorpione - wie am Montag in Urberach- ausgesetzt werden, ist keine Seltenheit. Petra Simon aus Rodgau wird häufig zu Tiereinsätzen gerufen, wenn die Polizei unsicher ist, ob es sich um ein Gifttier handelt oder nicht.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Fast schon ein Anschlag

In Dudenhofen betreibt die Expertin ehrenamtlich eine Wildtierexotenstation. Redaktionsleiter Bernhard Pelka sprach mit ihr über den Urberacher Fall.

Haben Sie Verständnis für den Tierhalter, der neben einem Glascontainer an der Kinzigstraße ein Terrarium mit einem giftigen Skorpion abgestellt hat?

Nein, gar keins. Denn es gibt Alternativen.

Welche?

Die Behörden oder alternativ Exotenauffangstationen. Dort gehört ein gefährliches Tier hin, wenn man es nicht mehr haben will. Dort wäre es sicher untergebracht. In diesem speziellen Fall kommt hinzu, dass es sich bei dem ausgesetzten Skorpion um ein gefährliches Gifttier handelt, für das seit 2007 die Privathaltung in Hessen verboten ist. Vor 2007 angeschaffte Tiere könnten jetzt natürlich noch leben. Eine Meldepflicht nach dem Washingtoner Artenschutzgesetz besteht aber ausschließlich für Tiere, deren Art bedroht ist. Zum Beispiel sind sehr viele Giftschlangen nicht meldepflichtig.

Über welche Kanäle kommt denn ein solches illegales Tier dann nach Hessen in einen Privathaushalt?

In anderen Bundesländern gelten andere Gesetze was die Privathaltung gefährlicher Tiere betrifft. Dort kann man solche Tiere kaufen. Und die werden dann verkauft - und das nicht mal illegal. Vielleicht ist der Besitzer des Skorpions von einem anderen Bundesland nach Hessen umgezogen. In dem Bundesland, in dem er ihn gekauft haben könnte, war er legal, jetzt nicht mehr. Das ist möglich.

Solche Tiere werden also häufig ausgesetzt?

Leider ja. Zum Beispiel finden Hausbesitzer manchmal zurückgelassene Terrarien in der leeren Wohnung vor, nachdem der Mieter ausgezogen ist. Ich habe schon oft Schlangen, Skorpione oder andere Überraschungen abgeholt.

Was geht in den Köpfen von Leuten vor, die ein Gifttier aussetzen und damit Menschenleben in Gefahr bringen?

Das kann ich nicht nachvollziehen. Aber das Problem ist, dass Leute, die solche Tiere haben, nicht automatisch kompetent sind. Ich erlebe oft das krasse Gegenteil. Ich war neulich in Frankfurt mit Jugendlichen auf einer Reptilienbörse. Das war Anschauungsunterricht darin, wie inkompetent manche Tierkäufer und wie skrupellos viele Verkäufer sind. Das interessiert die nicht, ob jemand Sachkunde hat oder nicht. Der Urberacher Fall ist schon krass. Denn manche Skorpionarten können ihr Gift sogar bis zu einem Meter weit spritzen. Kinder und Erwachsene, die ein Terrarium öffnen, müssen gar nicht mit dem Tier in Kontakt kommen, um in große Gefahr zu geraten.

Also Inkompetenz, gepaart mit Skrupellosigkeit?

Genau.

Warum muss es denn ausgerechnet ein exotisches Haustier sein? Ein Skorpion ist doch relativ uncharmant. Man kann ihn nicht mal knuddeln.

Ich mache die Erfahrung, dass Menschen sich über ihr Tier Selbstbestätigung holen. Ausgerechnet Familien, die kaum Geld für Haustiere haben, schaffen sich Exoten wie Schlangen, Vogelspinnen, Skorpione an. Und dann leben in solchen Haushalten auch noch Kleinkinder. Das ist - bei fehlender Sachkunde - unverantwortlich.

Und die juristische Seite?

Der Täter hat mehrere Ordnungswidrigkeit begangen: wegen Haltung eines verbotenen gefährlichen Gifttieres, Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.

Quelle: op-online.de

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