Edith und Werner Popp feiern ihre Goldene Hochzeit aus Vorsicht alleine und zuhause

Sofa statt Karibik

Edith und Werner Popp feiern aus Vorsicht zuhause.
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Edith und Werner Popp feiern aus Vorsicht zuhause.

„Wir haben auch bald Goldene Hochzeit, aber da sind wir weg, weit weg.“ Das prophezeite Werner Popp vor geraumer Zeit bei einem Gespräch und ließ durchblicken, dass unsere Zeitung da keine Chance hätte für einen schönen Gratulationsbericht. Doch es kam anders. Statt gestern zu einer Kreuzfahrt in die Karibik aufzubrechen, sitzen sie heute in ihrem Haus „Im Hainloch“ und werden selbst von ihrer Familie – Sohn Sebastian mit Ehefrau Claudia und den Enkeln Luis und Laura – nur auf Abstand gratuliert bekommen. Doch das bringt die Beiden nicht aus der Ruhe; 50 gemeinsame schöne Jahre haben sie zusammengeschweißt.

Urberach - Am Karfreitag 1967 lernten sich die gebürtige Großheubacherin und der Schweinfurter bei einer Jugendveranstaltung kennen. Gemeinsam stiegen sie einen Kirchturm hoch, und schon beim Abstieg verabredeten sie sich. Beide hatten gerade das Abitur vor sich. Werner Popp ging danach zum Bundesgrenzschutz nach Alsfeld und sie begann ihr Studium am Uniklinikum Gießen. Am 20. November 1970, heute vor 50 Jahren, heirateten sie im historischen Rathaus in Schweinfurt. Aus der kirchlichen Hochzeit wurde nichts: die beiden zuständigen Pfarrer der katholischen Edith und des evangelisch getauften Werner konnten sich so lange nicht einigen, bis das junge Paar es aufgab und „ausstieg“.

Der IT-Fachmann und die Augenfachkundlerin (Orthoptistin) wohnten und arbeiteten schließlich in Frankfurt, bis sie nach Dietzenbach zogen. Nach der Geburt ihres Sohnes Sebastian 1975 suchten sie das Grüne und fanden es im Neubaugebiet „Bruch“ in Urberach. Über das Schwimmen, zu dem der Sohn im Taubhaus-Kindergarten gekommen war, kam auch der Vater zum KSV 1888 Urberach – dessen Vorsitzender er seit über 25 Jahren und immer noch ist. Beide waren und sind stark ehrenamtlich engagiert; Edith Popp vor allem in der Gymnastikabteilung und im Karneval des KSV, dort gerne auch tanzend, bis zur Verletzung ihrer Halswirbelsäule – seither ist sie aber stets aktive Hilfe im Hintergrund.

Von Werner Popps Verdiensten rund um Rödermark und vor allem in Orwisch braucht es kaum Worte. Jeder kennt ihn, wie er wortgewandt und humorvoll die Orwischer Kerb eröffnet, den Rosenmontagszug kommentiert (den er 1996 selbst ins Leben gerufen hat und immer noch organisiert), auf der Leiter die letzten Lichterketten für den (ebenfalls von ihm am Leben erhaltenen) Nikolausmarkt in die Bäume hängt oder auch bei Herbstmärkten nach dem Rechten sieht. Als Vorsitzender des Vereinsrings hatte seine Stimme immer Gewicht. Nicht zu vergessen ist aber auch seine langjährige lokalpolitische Arbeit, seit 1997 als Stadtverordneter und seit 2011 als ehrenamtliches Magistratsmitglied für die SPD.

Das haben natürlich auch Andere anerkannt und ihm mit Auszeichnungen gedankt: der goldenen Verdienstplakette der Stadt Rödermark, dem Ehrenbrief des Landes Hessen und mit Ehrenurkunden des Landessportbundes. Ebenfalls mit dem Ehrenbrief der Stadt wurde Edith Popp ausgezeichnet, die ohnehin die meiste Arbeit ihres Mannes still im Hintergrund begleitet. „Das ist alles nur möglich auf Grund unserer langjährigen guten Ehe“, erklärt sie ganz bescheiden im Hintergrund. Ihr einziges großes Hobby außerhalb des Rödermärker Lokalgeschehens sind gemeinsame Kreuzfahrten – rund um den Globus haben sie bei 19 Kreuzfahrten einen Großteil der Welt gesehen. Gestern sollte es eigentlich in die Karibik gehen. „Aber wie das Leben so spielt: die Pandemie lässt es leider nicht zu! Wir können nicht einmal in Schweinfurt unseren Hochzeitssaal besichtigen“, bedauern die Beiden.

So bleibt dem Jubilar nichts Anderes übrig, als zuhause etwaige Besucher mit dem digitalen Stirn-Fieberthermometer an der Haustür zu kontrollieren: „Das haben wir uns extra für Besucher und unsere eigene Sicherheit gekauft!“

 (chz)

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