Tisch-Eishockey

Ein sommertauglicher Wintersport

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Jürgen Riese (links) und Thomas Cornelius lassen die Figuren nur so übers Eis tanzen. Warum Riese seinen Keller „Hall of Frame“ nennt, offenbart ein Blick durch den Raum. Wohin man auch schaut, wimmelt es von Eishockey-Utensilien.

Waldacker - Thomas Cornelius und Jürgen Riese spielen auch bei Temperaturen knapp unter 30 Grad Eishockey. Aber sie belasten unsere arg gebeutelte Umwelt mit keinem Gramm Extra-Kohlendioxid für Kältemaschinen. Von Michael Löw

Und sie müssen nicht einmal auf viel zu schmalen Kufen auf viel zu glatter Fläche Halt suchen. Cornelius (37), Patentanwalt aus Waldacker, und Riese (51), Banker aus Gravenbruch, spielen Tisch-Eishockey - auf internationalem Niveau. Mitte Juni traten sie sogar bei der Weltmeisterschaft in Stavanger/Norwegen an. Gegen die schier übermächtigen Letten, Russen, Schweden und Finnen hatten sie keine Chance auf vordere Plätze, aber da geht es ihnen wie der „richtigen“ deutschen Nationalmannschaft.

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Tisch-Eishockey ist die schwedische Variante des Tischfußballs. Unterschied Nummer eins: Das Spielfeld ist viel kleiner. Unterschied Nummer zwei: In Kneipen sucht man es vergeblich. Unterschied Nummer drei und vermutlich die Begründung für Unterschied Nummer zwei: Die Spieltechnik erfordert ein gehöriges Maß an Gefühl.

Beim Tisch-Eishockey sind nämlich nicht drei oder vier Spieler einer Mannschaft auf einer Stange aufgereiht, die man nur zu drehen braucht. Jeder der sechs Spieler muss über eine Stange unter dem nur millimeterdünnen Kunsteis angesteuert werden. Dann können sie den Puck schieben, schlenzen, einklemmen oder schießen. Letzteres verrät den Anfänger. Cracks wie Cornelius oder Riese bringen die Scheibe mit den ersten drei Bewegungen im gegnerischen Tor unter.

Fitness-Workout für die perfekte Sommerfigur

Die gut vier Zentimeter großen Figuren tragen traditionell schwedische und finnische Trikots. Kein Wunder, bei einem schwedischen Hersteller. Wer Spielern im Dress der amerikanischen NHL Leben einhauchen will, muss teure Sondereditionen bestellen. Ansonsten ist Tisch-Eishockey ein relativ preisgünstiges Vergnügen. Mit 40 Euro, so Thomas Cornelius, ist man dabei.

Jürgen Riese bekam seinen ersten Eishockeytisch, als er sechs Jahre alt war. Mit Begeisterung schoss er den Puck ins Tor oder durchs Kinderzimmer. Weil aber nur zwei Pucks dabei waren, verschwand das Weihnachtsgeschenk mangels Spielmaterial ruckzuck im Schrank. Thomas Cornelius hat weniger dramatische Erinnerungen. Es spielte gelegentlich bei einem Schulfreund. Doch auch da war irgendwann Schluss.

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Vor elf Jahren lernten sich die beiden Männer in der Frankfurter Eissporthalle bei einem Spiel der Lions kennen und schätzen und erinnerten sich an das Spiel ihrer Kindheit. „Wettkämpfe waren schon immer mein Ding“, erzählt Riese, der früher Diskuswerfer war. Also war’s nahe liegend, auch das Tisch-Eishockey sportlich aufzuziehen. Riese und Cornelius spielen im Club „Frankfurt Gothers“, der eigentlich „Dudenhofen Gothers“ heißen müsste. Dort hat Riese viele Jahre gewohnt, dort haben die beiden schon zweimal den „Bembel-Cup“ ausgerichtet, ein Turnier mit bundesweiter Beteiligung.

17 Clubs sind DTEV, dem Deutschen Tisch-Eishockey-Verband, organisiert. Mehr als die Hälfte hat ihren Sitz im Rheinland und im Ruhrpott. Die „Frankfurt Gothers“ führen die deutsche Rangliste an. Weltweit stehen sie auf Position 91 - was beweist, dass Tisch-Eishockey hierzulande ein Exotensport ist.

„Verrückt ist der Kram definitiv“, gibt Jürgen Riese unumwunden zu. Aber das mache die Sache so interessant. Zumal Tisch-Eishockey seine Spieler auch ganz schön fordert. Konzentration und sogar Kondition sind vonnöten, ein bisschen Fingerspitzengefühl schadet nie. Als Beispiel nennt Jürgen Riese gern den 13-jährigen Valentin Dietze von den „Gothers“: Der könne linke und rechte Hand unabhängig voneinander steuern, weil er diese Fähigkeit bei seinem zweiten Hobby gelernt hat - dem Klavierspielen.

Quelle: op-online.de

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