Sparkasse Dieburg fördert Smartphone-App für Behinderte

Ohne Hindernis von A nach B

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Wie finde ich einen barrierefreien Weg durch Rödermark? Diese Frage stellt sich Rollstuhlfahrern immer wieder. Eine neue App fürs Smartphone gibt die Antworten.

Rödermark - Hohe Bordsteine, steile Rampen, holpriges Pflaster: Für Menschen mit Behinderung sind das meist unüberwindliche Hindernisse. Die Stadt entwickelt jetzt mit der Hochschule Darmstadt eine App fürs Smartphone, die Behinderte barrierefrei von A nach B leitet.

Im März 2014 soll dieser spezielle Stadtführer fertig sein. Dann können Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer die pfiffige App aufs Smartphone (Android, Apple) herunterladen. Rödermark nimmt mit diesem Projekt eine Vorreiterrolle in unserer Region ein. Dieser Erfolg hat viele Väter. Zum Beispiel Heinz Weber, Motor der Breidert-Initiative und treibende Kraft im Seniorenbeirat. Als Pate des Leitbildprojektes „barrierefreie Stadt“ dachte er sich: „Wenn ich in Zeiten knapper Kassen Barrieren nicht ändern kann, dann muss ich lernen, damit umzugehen!“ Weber recherchierte und wurde fündig: An der Hochschule Darmstadt haben Studenten aus dem Fachbereich Informatik unter Leitung von Prof. Bettina Harriehausen-Mühlbauer den „Wheel Guide“ entwickelt, eine App für Smartphones, die Rollstuhlfahrer bei der Navigation unterstützt.

Die Basisversion des „Wheel Guides“ soll nun für Rödermark weiterentwickelt werden. Prof. Harriehausen-Mühlbauer hat ihre Unterstützung zugesagt, drei Studierende werden mitarbeiten. Weber zählt in Rödermark fast 500 Hindernisse für Behinderte. Die werden eingepflegt in den elektronischen Stadtplan. Für die Stadt entstehen 3 000 Euro Kosten. Die Sparkasse Dieburg steuert mit 1 500 Euro den Löwenanteil bei. Die städtischen Fachbereiche Bauverwaltung und Kinder, Jugend, Senioren sowie der Seniorenbeirat beteiligen sich mit jeweils 500 Euro. Sparkassen-Vorstand Hans-Peter Schmücker lobt die Initiative als „sehr überzeugend“ und als weiteres Alleinstellungsmerkmal für Rödermark.

„Wheel Guide“ macht Wege barrierefrei

„Wheel Guide“ zeigt mit Ampelfarben an, ob der Weg barrierefrei (Grün), eingeschränkt barrierefrei (Gelb) oder nicht zu bewältigen ist (Rot). Primär wird ein barrierefreier Weg von A nach B grün angezeigt. Alternativ kann der Anwender die Anzeige der kürzesten Wegstrecke in Gelb wählen; dabei werden die jeweiligen Unzulänglichkeiten markiert, so dass der Anwender nach seiner Fitness entscheiden kann, welche Hindernisse er umgehen will. Eine rot markierte Strecke ist nicht zu bewältigen. Hierfür wird automatisch eine Alternativroute berechnet. Die empfohlene Route richtet sich auch nach den Angaben, die der Rollstuhlfahrer selbst in seinem Profil macht. Hier kann er eingeben, ob er alleine fährt, wie seine derzeitige Verfassung ist. Begegnen dem Rollstuhlfahrer unvorhergesehene Hindernisse, zum Beispiel umgestürzte Bäume oder auf dem Weg stehende Mülltonnen, kann er diese als temporäres Hindernis eigenhändig eingeben. Auch komplett neue Routen können eingetragen werden. Diese interaktive Funktion unterscheidet „Wheel Guide“ von anderen Orientierungssystemen für Behinderte.

Ergänzend können weitere Informationen abgerufen werden: Behindertenparkplätze, behindertengerechte öffentliche Toiletten, Bänke sowie nicht behindertengerechte Fußgänger-Überwege und Haltestellen von Bussen und Bahnen oder öffentliche Gebäude, die für Rollstuhlfahrer schlecht zugänglich sind. Die Vorarbeiten hat Heinz Weber mit Unterstützung von Hans Ohnesorg von der Quartiersgruppe Waldacker schon geleistet. So wurden im Zuge der Leitbilddebatte die in Rödermark vorhandenen Barrierenaufgezeichnet.

Für die Darstellung der Routen greift die App auf das Kartenprogramm „Open Street Map“ zu. Die Nutzer erfahren mit einem Klick mehr über die jeweilige Barriere: wie viele Stufen hat die Treppe? Wie eng ist der Weg? Fotos informieren über Beschaffenheit und Position des Hindernisses bis auf drei Meter genau. Das Projekt soll im nächsten Jahr auf der CEBIT vorgestellt werden.

(bp)

Quelle: op-online.de

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