Sparkonzept: Vorschläge waren Winter-Utopie

Rödermark - 60.000 Euro wollten die seinerzeit regierende schwarz-rote Koalition und Kämmerer Alexander Sturm noch vor zehn Monaten bei der städtischen Jugendarbeit streichen und zu Gunsten der Schulsozialarbeit umschichten. Nächstes Jahr sollten’s dann sogar 200.000 Euro sein. Von Michael Loew

Doch schon bei der Beratung des Haushalts 2011 kurz vor der Kommunalwahl im März war klar: Die Sparvorschläge waren zu ambitioniert; sie umzusetzen, hätte das Aus für das JUZ in Ober-Roden oder das gerade eröffnete „SchillerHaus“ in Urberach bedeutet.

Also strichen CDU und SPD das eigene Sparprogramm zusammen. Und forderten umso nachdrücklicher die Realisierung des bereits im Oktober 2009 vom Parlament beschlossenen neuen Konzeptes für die städtische Jugendarbeit.

„Das beste Jugendkonzept, was wir je hatten!“

Das haben Bürgermeister Roland Kern und Edith Itta, die Leiterin der Fachabteilung Kinder und Jugend, jetzt vorgelegt. Die christdemokratische Vorsitzende des Sozialausschusses Mona Reusch lobte das Papier beinahe überschwänglich: „Das beste Jugendkonzept, was wir je hatten!“ Dabei hat sich am Budget kaum etwas geändert.

Doch die Ziele vom Winter seien weitgehend berücksichtigt worden, begründete der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert den Sinneswandel. Die Stadt stärke die Schulsozialarbeit mit immerhin noch 20. 000 Euro.

Mit diesem Geld kann sie zwei Sozialarbeiter 15 Stunden pro Woche an die Nell-Breuning-Schule schicken, um zum Beispiel die Präventionsarbeit zu intensivieren. „Ein weiterer Ausbau der Sozialarbeit auch an den Grundschulen ist nur durch die Bereitstellung zusätzlicher Mittel nötig“, stellt Fachbereichsleiterin Itta klar.

Offene Jugendarbeit ist von Kürzungen ausgenommen

Auch bei den städtischen Ferienfreizeiten ändert sich nichts, heißt es im neuen Konzept. Die offene Jugendarbeit im JUZ und im „SchillerHaus“ sei Bestandteil des Ferienprogramms und daher von Kürzungen ausgenommen. Alles andere gehe zu Lasten von Kindern aus sozial schwachen Familien.

In der Summe sei das Sparpotenzial ausgereizt, stellt die Fachbereichsleiterin im Konzept fest. Eine Kürzung um 50. 000 Euro wäre nur möglich, wenn die Stadt eine Einrichtung schließt oder Personal entlässt. Dem stehen Arbeits- beziehungsweise Mietverträge entgegen.

Das Konzept, das den Status Quo weitgehend festschreibt, ist geradezu ein Paradebeispiel für das, was Kämmerer Sturm vor zwei Wochen mit einem goldenen Band im Stadtparlament deutlich gemacht hatte: Die Sparvorschläge sind zahlreich. Doch genau so zahlreiche sind die Argumente der Betroffenen, alles beim Alten zu belassen.

Quelle: op-online.de

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