Sprachkurs in Toga und Tunika

+
Unverzichtbar sind gute alte Übersetzungshelfer wie Ponds und Langenscheidt.

Ober-Roden - Groß wie ein Kinderzimmer, nämlich 15 Quadratmeter, war die Toga der alten Römer, entsprechend aufwändig wickelten sie ihr Festtagsgewand um den Körper. Oder besser gesagt: Sie ließen sich"s anlegen, jeder Patrizierhaushalt hatte ja seine Sklaven. Von Michael Löw

An diesem Abend schlüpft Günter Junkers in die Rolle des Dominus" und in dessen Kleidung. Der Urberacher ist Teilnehmer eines Lateinkurses von Mandy Weber. Und die will die Sprache der Dichter, Denker und Caesaren vom Ruf des Weltfremden befreien. Ziel der 26-Jährigen: zeigen, dass Latein alltagstauglich ist und Spaß macht.

Den haben ihre Schüler - nicht nur, als Günter Junkers in die Toga hinein und wieder heraus gewickelt wird. Mandy Weber vermittelt das Leben im antiken Rom locker und lebhaft, ohne dass die Genauigkeit darunter leidet. Die Toga darf nämlich nur tragen, wer das Jünglingsalter hinter sich hat und reif genug für das römischste alle Gewänder ist. Erwachsen war man in der Antike spätestens mit 15 oder 17. Dann legte man auch die Bula ab, das Schutzamulett der Jugend.

Eine erheiternde Vorstellung, würde man diesen Brauch auf unsere Tage übertragen: Studenten verabschieden sich nach dem Examen von der SchlabberJeans und schlüpfen vor den Augen der Verwandtschaft in den Businessanzug.

Mandy Webers Schüler sind zwischen Mitte 20 und dem frühen Rentenalter. Zwei von ihnen wollten einfach ihre Sprachkenntnisse aus der Schule auffrischen. Eine Frau kam dagegen in den Kurs, weil sie früher nie Sätze wie „Fama errat“ (Das Gerücht irrt.) pauken musste: Sie wollte ihrer Tochter gern beim Lateinlernen helfen. Ein Teilnehmer hat sich vorgenommen, die Latinums-Prüfung abzulegen. Den Termin hat er aber weder Mitlernenden noch der Lehrerin verraten.

Interesse an einer besonderen Sprache

„Im Großen und Ganzen steht der Zugewinn an Allgemeinbildung und das Interesse an einer besonderen Sprache an sich im Mittelpunkt“, nennt Mandy Weber die wichtigsten Gründe, einen Abend pro Woche die Schulbank zur drücken. Die unterschiedliche Motivation merke sie auch im häuslichen Fleiß und den Vorstellungen vom Unterricht: „Ich versuche, beide Aspekte abzudecken - die Geselligkeit und den Arbeitseifer.“

In den Kursen gibt es Phasen, in denen Sachinformationen zur Antike in sehr lockeren Gesprächen im Mittelpunkt stehen. Daneben gibt es auch immer Phasen, in denen Sprache gepaukt wird. Wobei Mandy Weber dann penibel auf Genauigkeit ach-

tet, was auch einigen Schülern wichtig ist. Im Kurs sitzt zum Beispiel eine pensionierte Englischlehrerin, die alle grammatischen Aspekte umfassend erklärt haben will.

Aber genau darin liegt die Stärke der vermeintlich angestaubten Sprache. Wer am Gymnasium - das Wort stammt übrigens aus dem Griechischen - Latein gelernt hat, findet sich in den Schachtelsätzen von Literaten, Theologen und Geisteswissenschaftlern fast blind zurecht. Wozu sonst ließen Lateinlehrer vor mehr als 30 Jahren ihre Schüler stundenlang Subjekte, Objekte und Prädikate unterstreichen oder umkringeln?

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare