Stabile Gebühren Lohn für fleißiges Sortieren

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Weil die Rhein-Main Abfall GmbH ihre Verbrennungsgebühren drastisch erhöhte, führte Rödermark am 1. Januar 2009 ein Müllabfuhrsystem ein, das Bürger mit Sparanreizen lockte:

Rödermark ‐ Das vor einem Jahr neu eingeführte Müllabfuhrsystem nutzt Gebührenzahlern und Umwelt gleichermaßen und macht Rödermark zum Hessenmeister bei der Abfalltrennung. Von Michael Löw

Erster Stadtrat Alexander Sturm zog gestern hochzufrieden Bilanz und macht den Bürgern, aber auch den Kommunalen Betrieben Rödermark (KBR) und dem Entsorgungsunternehmen Knettenbrech & Gurdulic ein dickes Kompliment: „Die Reduzierung der Restmüllmenge ist sensationell und hat unsere kühnsten Prognosen übertroffen!“ Stabile Gebühren - zumindest in diesem Jahr - sind der Lohn.

Das Erfolgsmodell in Zahlen:

  • 2009 wurden in Rödermark nur noch 2.064 Tonnen Restmüll abgefahren. Im Jahr zuvor waren‘s noch fast 5.300 Tonnen - allerdings inklusive 279 Tonnen Biomüll. Davon haben die Rödermärker 2009 rund 2 180 Tonnen in die Extra-Behälter gesteckt, macht in der Summe ein Müllaufkommen von 4 244 Tonnen (beziehungsweise ein Minus von 1056 Tonnen). Wo diese Differenz geblieben ist, kann Sturm nicht genau sagen: In Wald und Feld landete 2009 jedenfalls nicht mehr Dreck als in den Jahren zuvor, und die Sperrmüllmenge stieg auch nur um bescheidene neun auf nunmehr 1.000 Tonnen. Offenbar haben die Bürger Müll nicht nur sorgfältiger getrennt, sondern beim Einkaufen gleich vermieden.
Wer weniger Hausmüll (Entsorgungskosten: 239,50 Euro/Tonne) produzierte und Biomüll (65 Euro/Tonne) extra sammelte, konnte seine Gebühren teils kräftig reduzieren. Folge: Rödermark ist Hessenmeister beim Abfalltrennen. 107 Euro Müllgebühr zahlt der Durchschnittshaushalt für 2009. In diesem Mittelwert sind auch 55,70 Euro für die Entsorgung aller übrigen Abfälle enthalten.
  • 2008 zahlten die KBR und damit die Bürger 2,04 Millionen Euro Entsorgungskosten. Hätten die KBR das alte System mit wöchentlicher Leerung der Restmülltonnen beibehalten, hätten sie 2,42 Millionen Euro an die Rhein-Main Abfall GmbH überwiesen müssen. Dank des neuen Modells (mindestens 13 Restmüll- und 26 Biomüll-Abfuhren) sanken die Entsorgungskosten im Jahr 2009 auf 1,81 Millionen Euro.
  • Für den Durchschnittshaushalt machte Sturm folgende Rechnung auf: Familie Muster-Rödermärker zahlte 2008 135 Euro Müllgebühr. Für 2009 wird sie mit 107 Euro zur Kasse gebeten; laut Sturm die niedrigste Gebühr seit mehr als zehn Jahren. Und selbst im 20-Jahres-Vergleich war die Müllabfuhr nur 1991 und 1997 billiger.
Bestandteile der Abfallgebühr in der Übersicht.
  • Wer seine Tonne seltener vors Haus stellt, zahlt auch weniger Gebühren. Diese Möglichkeit des neuen Abfuhrsystems haben die Rödermärker voriges Jahr kräftig genutzt. Etliche nahmen nicht einmal die 13 Mindestleerungen des Restmülls in Anspruch, die meisten kamen mit jenen 17 Leerungen aus, die den Kalkulationen der KBR zu Grunde lagen. Diese Haushalte können den Gebührenbescheiden, die die KBR seit Anfang der Woche verschicken, gelassen entgegen sehen.
  • Einzig ein Loch von 250.000 Euro im Gebührenhaushalt 2009 bereitet dem KBR-Dezernenten Sturm gewisse Sorgen. Die Stadt kassiert 100.000 Euro weniger, weil die Preise für Altpapier im Keller sind. Gleichzeitig schlagen der Tausch von rund 17 000 Mülltonnen einmalig mit 80.000 Euro und eine Unterdeckung mit 70.000 Euro zu Buche.

Besonders trennfreudige Bürger fragten schon nach einem Gebührenmodell, bei dem weniger als 13 Mindestleerungen berechnet werden. Doch denen kann Sturm wenig Hoffnung machen, denn die Grundgebühr enthalte auch die Kosten für Sperrmüll, Kompostierungsanlage, Wertstoffrecycling oder Sondermüllabfuhr. Diesen Service müssten die KBR dann über gesonderte Gebühren finanzieren.

Quelle: op-online.de

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