Neue Medien bringen Leser

Stadtbücherei profitiert vom Digital-Trend

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Unter Leitung von Sylvia Baumer (2. von links) wächst im Bücherturm seit Wochen ein Turm aus Büchern. Seine volle Höhe soll er Anfang April erreichen, wenn das markante Gebäude im Zentrum von Ober-Roden seinen 25. Geburtstag feiert.

Ober-Roden - Der Bücherturm hat sich seit 1992 zu einem Ober-Röder Wahrzeichen entwickelt. Der markante Neubau der Stadtbücherei wurde vor 25 Jahren eingeweiht und ist in einer immer digitaler werdenden Welt eine Trutzburg des gedruckten Wortes - ohne sich der Elektronik zu verschließen.

Büchereileiterin Brigitte Stenske legte zum Geburtstag viele gute Zahlen vor. Der Bücherturm ist das geworden, was sich der damalige Kulturdezernent Alfons Maurer bei der Eröffnung gewünscht hatte: ein Ort der Kommunikation mitten im Stadtzentrum. Brigitte Stenske und ihr Team steigerten die Zahl der Ausleihen voriges Jahr auf 74.551 - 3,4 Prozent mehr als 2015. Das größte Plus (18,6 Prozent) gab es bei den digitalen Medien: Wer einen Leseausweis besitzt, hat rund um die Uhr Zugriff auf 100.000 E-Books, Filme, Hörbücher und elektronische Ausgaben großer Zeitungen und Zeitschriften. „Wir haben die neuen Medien nie als Konkurrenz, sondern immer als zusätzliches Angebot betrachtet“, sagt Brigitte Stenske. Von diesem Miteinander profitierten auch die klassischen Medien: 54.857 Ausleihen in Ober-Roden (plus 0,6 Prozent), 8 189 Ausleihen in Urberach (plus 4,4 Prozent).

Der Bestand wuchs minimal auf 44.476 Bücher. Die meisten - nämlich 35.484 - stehen in den Regalen des Bücherturms. Knapp 9 000 Exemplare warten in der Filiale im Urberacher Rathaus auf Leser. Auch hier sind die Zahlen gut: 1 936 Leser, 192 Neulinge, elf Prozent Zuwachs. Nach der Grundschule lassen Kinder die Bücherei aber oft links liegen, im Jugendalter ist das Internet ihr einziges Medium, beobachtet Brigitte Stenske eine Entwicklung, die die Rödermärker Bibliothek mit anderen Büchereien teilt. Viele ihrer einstigen Leser sieht Brigitte Stenske als Eltern wieder, die Lesestoff für ihre Kinder besorgen.

Fast 13.000 Besucher, so die Statistik, kamen 2016 und liehen kein einziges Buch aus. Sie nutzten die drei Computerplätze zum Recherchieren, Surfen, Lernen und Spielen im Internet, blätterten im Lesecafè in Tageszeitungen, übten mit Flüchtlingskindern Deutsch oder bereiteten Referate für Schule und Uni vor. Ganze Schulklassen und Kindergartengruppen stöberten ungezwungen im riesigen Bestand. Kinder aus 42 Grundschulklassen erwarben 2016 den Bibliotheks-Führerschein. Leseförderung genießt im Bücherturm seit seiner Eröffnung einen hohen Stellenwert.

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Ein wichtiger Partner für Brigitte Stenske ist der Freundeskreis „LeseZeichen“. Lou Heinrich, Regina und Dr. Jochen Schick organisieren mit vielen Freiwilligen Bücherflohmärkte, Lesungen und Lesereisen wie derzeit durch das Werk Cervantes" oder Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag. 25 Jahre Stadtbücherei sind nicht nur eine Erfolgsgeschichte. Bürgermeister Roland Kern erinnerte an die Sparvorgaben aus dem Stadtparlament. Dabei wurde auch das Aus für die Zweigstelle Urberach diskutiert. „Ich hätte mir lieber eine Hand abhacken lassen als dem zuzustimmen“, kämpfte Kern für ihren Fortbestand. Er blieb nicht allein. (lö)

Quelle: op-online.de

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