Stadtradeln in Ober-Roden

Am liebsten lang und schwierig

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Die Bulau hinunter fährt Thomas Weiland gerne über Stock, Stamm und Stein. Doch wenn der Weg zur Arbeit zur Hindernisstrecke wird, macht ihn das fuchsteufelswild: Dann steige niemand vom Auto aufs Fahrrad um.

Ober-Roden - Vor sechs Wochen hat Thomas Weiland sein neues Mountainbike im XXL-Format - 29-Zoll-Räder, 61-Zentimeter-Rahmen - abgeholt. Am Montagabend hatte es schon 600 Kilometer auf dem Tacho. Von Michael Löw 

Sowas treibt nicht nur seine persönliche Bilanz nach oben, sondern auch die des „Stadtradelns“. Denn Thomas Weiland ist der Kapitän des Teams Turnerschaft Ober-Roden und will Rödermark zu einer der fahrrad- und klimafreundlichsten Städte Deutschlands machen.

Dabei hatte die Beziehung zwischen ihm und seinem Rad alles andere als verheißungsvoll begonnen. „In den ersten vier Tagen wurde ich darauf vier Mal klatschnass“, erzählt der 51-Jährige. Das passierte aber nicht auf langen Touren, sondern daheim in Ober-Roden: bei der Fahrt von Fahrradhändler Michael Gotta nach Hause oder auf dem knapp 600 Meter langen Weg zu seiner Mutter: „Da wollte ich dem Michael das Rad schon wieder zurückbringen!“ Zumal dem guten Stück bei der ersten Fahrt ohne Regen auch noch die Luft ausging. Das wollte er seinem Spezi, mit dem er seit sechs Jahren die anspruchsvollen Sonntags-Radtouren der Turnerschaft leitet, dann doch nicht antun. Und so hatte Thomas Weiland schließlich das richtige Sportgerät, als er am Sonntag mit Michael Gotta und einer Handvoll Hardcore-Biker zur Odenwald-Runde aufbrach.

„Ein Berg und ein Berg und noch ein Berg“

„Ein Berg und ein Berg und noch ein Berg“, beschreibt er die 73 Kilometer und 540 Höhenmeter, die die Truppe mit dem strammen Durchschnittstempo von mehr als 20 Stundenkilometern absolvierte. Angst vor diesem Sonntagsvergnügen muss aber niemand haben, der über eine einigermaßen ordentliche Kondition verfügt. „Wir richten uns grundsätzlich nach dem Langsamsten“, verspricht Thomas Weiland. Und manchmal schiebt auch einer den Berg hoch. Auch die TS-Touren der kommenden Wochen fließen in die „Stadtradel“-Bilanz ein. Der Teamchef dokumentiert sie auf der speziellen „Stadtradel“-App und auf seinem persönlichen „Runtastic“-Programm.

Thomas Weiland fuhr - sofern das Wetter auch nur einigermaßen mitspielte - schon mit dem Fahrrad zu seiner Lehrstelle nach Babenhausen. Diesem Prinzip ist er während der vergangenen 35 Jahre treu geblieben - auch wenn er seine Brötchen längst im „Park 45“ im nahen Eppertshausen verdient. „Da fahre ich auf dem wahrscheinlich schlechtesten Radweg in ganz Hessen“, lässt er kein gutes Haar an den ersten Kilometern des Wegs entlang der Bahn. Auf Rödermärker Gemarkung gucken faustgroße Steine und Wurzeln aus dem Teer heraus, ab der Ortsgrenze Eppertshausen ist der Weg jedoch topfeben und selbst nach Gewittern frei von Pfützen.

Hunderte von Radfahrern mühen sich täglich darauf ab, denn eine Alternative gibt es nicht. Thomas Weiland: „Aber wenn ich auf die B 459 ausweiche, habe ich das Totenhemdchen an!“ Er kennt mehrere Kollegen aus dem „Park 45“, denen die Buckel und Pfützen das Radeln zur Arbeit vermiesen. Denn außer ihm besitzt keiner einen Wetter-Vollschutzanzug mit Gamaschen.

Thomas Weiland fährt hingegen bei nahezu jedem Wetter. In sechseinhalb Jahren hat er 22.000 Kilometer zurückgelegt, ohne auch nur ein Gramm des Treibhausgases Kohlendioxid in die Luft zu blasen. Nur wenn Schnee liegt oder die Temperaturen unter minus 15 Grad sinken, steigt er aufs Auto um. Die meisten Kilometer sammelt Weiland in der Umgebung. Längere Touren - zum Beispiel den Rhein entlang - unternimmt er mit seiner Frau: „Ich mit dem Rad, sie mit dem Auto.“

Bittet man den kilometerfressenden TS-Vize um einen Tipp für die Sonntagstour, kommt die Antwort im Radumdrehen. Der 21 Kilometer lange Rödermark-Rundweg bietet sowohl Abwechslung als auch Einkehrmöglichkeiten. Darf"s ein wenig mehr sein? Dann schlägt er eine Runde über die „Ahje“ bei Eppertshausen, den Schützenverein Messel und das Freizeitzentrum Münster vor: „Das ist wie Urlaub!“

Quelle: op-online.de

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