Stadtradeln

Sieger über inneren Schweinehund

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Jens Bertram

Rödermark - 37.502 Kilometer - das entspricht knapp einer Erdumrundung - haben die 164 Teilnehmer des „Stadtradelns“ zurück gelegt. Von Michael Löw 

Der städtische Klimaschutzmanager ist mit diesem Gesamtergebnis ebenso zufrieden wie die drei Stadtradler, die unsere Zeitung in den vergangenen drei Wochen porträtiert hat, mit ihrer persönlichen Bilanz.

Wären die 164 Stadtradler diese 37.502 Kilometer mit dem kleinsten VW-Golf mit Benzinmotor gefahren (Energieeffizienz-Klasse B, 85 PS) hätten sie rund 4,2 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid in die Luft geblasen. Das haben sie der Erdatmosphäre erspart. Ob die Premieren-Kilometer - Rödermark macht erstmals bei diesem bundesweiten Wettbewerb mit - für einen vorderen Platz reichen, muss sich noch zeigen.

25. Juli ist Stichtag

Klimaschutzmanager Jochen Bury ist optimistisch, dass die Bilanz noch besser wird. Er geht fest davon aus, dass noch einige Kilometer hinzukommen, weil noch nicht alle Radler ihre Werte vollständig eingetragen haben. Ganz wichtig: Wer noch Strecken nachzutragen hat, sollte dies bis spätestens Freitag, 25. Juli, tun. Sogar Radfahrer, die bisher noch nicht gemeldet waren, können dies nachholen und das Gesamtergebnis nach oben schrauben. Handschriftlich eingetragene Kilometererfassungsbögen sollten spätestens bis Donnerstag bei Jochen Bury vorliegen, sonst können diese nicht mehr berücksichtigt werden.

Und was sagen Jens Bertram, Thomas Weiland und Michael Baumer nach drei Wochen Auto-Enthaltsamkeit? Unsere Zeitung hatte während der Aktion über das Trio berichtet und gestern jedem die folgenden Fragen gestellt: Wie viel Kilometer sind Sie gefahren? Welche Höhepunkte haben Sie während erlebt, welche Tiefpunkte? Ziehen Sie Konsequenzen, haben Sie Hoffnungen?

Hier die Antworten:

Jens Bertram, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde:

  • Ich bin 97,2 Kilometer gefahren
  • Höhepunkte waren Tage, an denen ich es geschafft habe, das Fahrrad zu nehmen, obwohl vieles dagegen gesprochen hat. Ich weiß, dass ich oft abends glücklich und ein wenig stolz war, den inneren Schweinehund überwunden zu haben. Tiefpunkte hatte ich wenig - außer vielleicht manchmal der Frust, wenn der anfangs recht passable Fahrradweg sich dann zu einem Feldweg geändert hatte. Was für mich mit meinem Gewicht dann immer bedeutet hat, dass ich echt aufpassen musste.
  • Ich habe mir vorgenommen, weiterhin mit dem Fahrrad zu fahren. Es hat mir Mut gemacht, dass ich es geschafft habe in den ersten zwei Wochen nur zweimal privat das Auto zu nutzen. Ich merke aber jetzt schon - die Motivation ist schon kleiner geworden, wo nicht mehr jeder Kilometer zählt.
  • Meine Hoffnung ist, dass wir überlegter das Auto benutzen. Ich war/bin ja selber eher bequem und habe vieles mit dem Auto gemacht, was sicherlich auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad ging. Aber wenn wir überlegter Auto fahren, sind wir einen großen Schritt weiter. Immerhin habe ich in den zwei Wochen rund 14 Euro an Benzinkosten gespart.

Thomas Weiland, stellvertretender Vorsitzender der TS Ober-Roden:

  • Meine persönliche Bilanz lautet 413,9 Kilometer.
  • Tiefpunkte hatte ich keine. Mein persönlicher Höhepunkt war unsere sportliche Fahrradtour in den Odenwald, die unser Sportskamerad Winfried Fischer plante. An diesem Tage hat einfach alles gepasst.
  • Ich werde nichts ändern und bleibe dem Fahrrad treu.
  • Mein Unmut über die Verbindung nach Eppertshausen habe ich schon kundgetan. Schön wäre auch die Weiterführung an den S1-Gleisen, denn ab Rollwald kommen die Radler in die Fahrradwüste Rödermark. Ich denke, dass Einige öfters aus Fahrrad umsteigen würden, wenn diese zwei Punkte realisiert werden.

Michael Baumer, Stadtverordneter der Anderen Liste und einziger E-Bike-Fahrer des Trios:

  • Ich bin 567 Kilometer gefahren.
  • Ein Höhepunkt war für mich die Abschlussfahrt des AL-Teams mit einer gemütlichen Einkehr im Forsthaus Kalkofen. Ein Tiefpunkt war, als ich vom Bienengarten Richtung Messel durch den Wald fuhr und mich total verfranzte. Ist mir dort schon mehrmals passiert, hier wären zwei, drei Hinweisschilder auf Rödermärker Gemarkung sehr hilfreich.
  • Auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder mitmachen und das Fahrrad noch intensiver nutzen.
  • Ein erster Schritt wären ordentliche Fahrradständer vor Geschäften und Ämtern. Dies würde die Nutzung des Fahrrades sicherlich fördern und den innerörtlichen Autoverkehr reduzieren.

Quelle: op-online.de

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