Wahl des Ersten Stadtrats

Dreiviertel-Mehrheit für Jörg Rotter

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Sabrina Rotter und Töchterchen Anna waren am Dienstagabend die Letzten in der langen Schlange, die dem neuen Ersten Stadtrat Jörg Rotter gratulierten.

Rödermark - 29 höchstwahrscheinlich schwarz-grüne Ja-Stimmen, sechs Nein-Stimmen, eine Enthaltung: Mit diesem Ergebnis wurde Jörg Rotter am Dienstagabend zum Ersten Stadtrat gewählt. Von Michael Löw

Die Opposition hatte in der Debatte zwar eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem 38-jährigen CDU-Politiker versprochen und seine Arbeit als Stadtverordnetenvorsteher gelobt. Doch zu zählbarer Zustimmung konnten sich SPD, FDP und Freie Wähler nicht durchringen.

Jörg Rotter, den die Koalition aus CDU und AL nominiert hatte, hatte bei der Wahl keinen Gegenkandidaten. Für den Posten des Ersten Stadtrats, dessen sechsjährige Amtszeit am 1. Juli beginnt, hatten sich allerdings sieben Bewerber interessiert und ihre Unterlagen eingereicht, berichtete der Vorsitzende des Wahlvorbereitungsausschusses, Michael Spieß (CDU). Namen nannte er nicht - das hatten sich die Bewerber ausbedungen.

Rödermark braucht einen neuen „Stürmer“

Vor der geheimen Wahl am championsleaguefreien Dienstag hatte die FDP das hochverschuldete Rödermark mit einem finanziell gebeutelten Fußballverein verglichen, der einen neuen Torjäger sucht. Die Liberalen hätten eine dritte Saison des „erfolgreichen Stürmers Alexander Sturm“ mitfinanziert, sagte Fraktionsvize Dr. Rüdiger Werner. Doch den zieht"s nach zwei Spielzeiten bekanntlich zu einem neuen Verein. Das Nachwuchstalent Jörg Rotter komme indes nicht mit der Empfehlung von 50 Toren, blieb Werner im Bild des Fußballs.

Werner war der einzige Redner der Opposition, der Rotters fachliche Befähigung für das Amt anzweifelte. Ihm fehle zum Beispiel Erfahrung in Personalführung. Fazit der FDP: „Rödermark kann es sich nicht leisten, die Lehrjahre eines Hauptamtlichen zu finanzieren.“ Werner räumte aber ein, dass die FDP Rotter den Parlamentsvorsitz nicht zugetraut hatte und sich eines Besseren belehren lassen musste.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Stefan Junge stellte das Bürgerbegehren, mit dem die Opposition den teuren Stadtrats-Posten kippen wollte, in den Mittelpunkt seiner Wahlrede. Der Versuch, die Stelle ehrenamtlich verwalten zu lassen, sei von einer juristisch ausgebufften Koalition „rechtlich korrekt abgewürgt“ worden: „Wie das moralisch zu werten ist, bleibt jedem selbst überlassen.“ Junge dankte all denen, die das Oppositionsbegehren mit ihrer Unterschrift unterstützt hatten. Mehrere hundert Sympathisanten hätten aber nicht gereicht, um nach dem Scheitern des Bürgerbegehrens moralischen Druck auf Schwarz-Grün auszuüben.

Freie Wähler: Machtspiele auf Kosten der Steuerzahler

Peter Schröder (Freie Wähler) warf der seit 2011 mit Dreiviertel-Mehrheit regierenden Koalition letztlich Machtspiele auf Kosten der Steuerzahler vor. Die „bisherigen Groß-Konfliktionäre“ hätten sich auf „grüne Inhalte und schwarzes Personal“ verständigt. Der Wegfall der Stadtrat-Stelle hätte der CDU ansonsten jeder langfristigen Perspektive beraubt.

Jörg Rotter kenne die Stadt, ihre Menschen und ihre Probleme, warb der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert nochmals um Stimmen der Opposition. Und Jörg Rotter habe auch den Willen, diese Probleme zu lösen. Der Kandidat von CDU und AL pflege eine „kooperativen Politikstil“. Das habe er auch in seiner Zeit an der Spitze der CDU-Fraktion getan - normalerweise eher ein Amt, von dem aus ausgeteilt wird.

Das übernahm am Dienstagabend Stefan Gerl, der Fraktions-Chef der Anderen Liste. Die Koalition trage Verantwortung; das unterscheide sie „von anderen, die gerne viel reden. Je populistischer desto lieber!“ Diese „spätpubertäre Phase“ müsse die Opposition überwinden.

Er habe im Streit viele Erkenntnisse über die Persönlichkeit des Gegners gewonnen, sagte Gerl. Diese Erkenntnisse und die guten Erfahrungen aus zwei Koalitionsjahren eröffnen „allen Mitgliedern der AL-Fraktion“ die Möglichkeit, Rotter mit gutem Gefühl ihre Stimme zu geben. Was sie offensichtlich auch taten: Rotter erhielt genau jene 29 Stimmen, die nach der Sitzverteilung im Parlament (CDU 16, AL 13, SPD 6, FDP und Freie Wähler je 2) zu erwarten waren.

Verzicht auf lange Dankesrede

Der designierte Erste Stadtrat Jörg Rotter verzichtete am Dienstagabend auf eine lange Dankrede, sondern sagte nur leise lächelnd: „Ich nehme die Wahl an.“ Gestern erklärte er auf Nachfrage unserer Zeitung, dass er in den nächsten Wochen mit Bürgermeister Roland Kern in kollegialer Atmosphäre über den Zuschnitt der Dezernate reden werde. Die Verteilung der Verantwortung ist laut Hessischer Gemeindeordnung Sache des Verwaltungs-Chefs.

Der sieht"s ähnlich. Roland Kern will sich bald mit seinem neuen Stellvertreter besprechen, gegebenenfalls verwaltungsintern eine Abklärung vornehmen und die Entscheidung über die Dezernatsverteilung noch vor der Amtseinführung bekanntgeben. Möglich wäre dies zu Beginn der nächsten Stadtverordnetensitzung am 25. Juni.

Quelle: op-online.de

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