Karnevalisten hissen ihre bunte Fahne als Zeichen der Hoffnung

Rödermark: Start in eine Fastnachtskampagne ungewohnter Stille

Bei schönstem Winterwetter zog das weiter regierende Prinzenpaar, André I. und Annika I. (Pradel), die bunte Fastnachtsfahne hoch und läutete damit die stille Rödermärker Fastnacht ein. Begleitet wurde die Zeremonie nur vom TG-Sitzungspräsidenten Sascha Reisert.
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Bei schönstem Winterwetter zog das weiter regierende Prinzenpaar, André I. und Annika I. (Pradel), die bunte Fastnachtsfahne hoch und läutete damit die stille Rödermärker Fastnacht ein. Begleitet wurde die Zeremonie nur vom TG-Sitzungspräsidenten Sascha Reisert.

Seit Sonntag weht sie traditionell wieder in Rödermark, die bunte Fastnachtsfahne. Hochgezogen wurde sie vorm Hause des letztjährigen und weiter amtierenden Prinzenpaares André und Annika Pradel. Sie weht, obwohl alle närrischen Aktivitäten schon vor Monaten dem Corona-Virus zum Opfer fielen.

Rödermark - Recht traurig war"s vom inzwischen gewohnten Abstand anzusehen: Da, wo vor Jahresfrist fröhliche und singende Menschen im Garten kaum mehr Platz fanden, standen jetzt nur ein einsames Prinzenpaar und der Sitzungspräsident der TG, Sascha Reisert, als das erste „Owweroure helau!“ in den Winterhimmel erklang.

Doch die bunte Fahne und die strahlende Sonne setzten ein Zeichen: „Karneval ist! Auch wenn wir es in diesem Jahr nicht nach außen hin zeigen können, leben wir in den nächsten Wochen nach unseren karnevalistischen Werten!“ So steht es in einem langen und eindrucksvollen Brief, den das Prinzenpaar an alle Freundinnen und Freunde schickte und in dem es viele Möglichkeiten aufzählt: durch Küche und Wohnzimmer tanzen statt auf den Straßen; lachen und Spaß haben; auf anderen Wegen zusammenhalten wie etwa über den Instagram-Zugang der Turngemeinde-Karnevalisten. Ein virtuelles Erlebnisprogramm ist jetzt da, wo sonst die Menschen miteinander und eng beieinander feiern. Digital werden in den nächsten Tagen und Wochen immer wieder neue Beiträge erscheinen, die zur fünften Jahreszeit gehören, so etwa auch Grußworte all jener Fastnachter, die unter normalen Umständen auf den Bühnenbrettern und auf den Straßen gestanden hätten.

Echte Karnevalisten lassen sich den Spaß nicht nehmen. „Doch bei Verschwörungstheorien hört auch bei uns der Spaß auf“, ziehen Annika und André Pradel eine Grenze des Humors. „Irgendwann scheint die Sonne wieder! Wir werden lachen, tanzen und fröhlich sein! Karneval ist!“ Und so lange wollen die Pradels auch gerne weiter an der Spitze der Fastnachter stehen, „notfalls auch lebenslang“, in Wirklichkeit allerdings in der großen Hoffnung, ihre Insignien spätestens am 11.11. an ihre Nachfolger übergeben zu können.

Sehr kritisch sieht Sascha Reisert die Lage. „Der Terminkalender im Januar, der sonst prall gefüllt war, ist leer. Gestern wäre die Eröffnung in Offenbach gewesen; heute würden hier viele Dutzende von Fastnachtern im Garten des Prinzenpaares stehen. Alle unsere Veranstaltungen fallen aus – das reißt ein tiefes Loch in die Kassen der Karnevalsabteilungen der Vereine.“ Dass Sturm und Regen und anderer Unbill einzelne Veranstaltungen mal verhinderten, gab"s immer schon mal. Doch dass eine ganze Saison ausfallen muss, schafft nur eine Pandemie.

Froh ist Sascha Reisert, dass in Sachen Prinzenpaar im vorigen Jahr eine gute Wahl getroffen wurde und – mangels neuen Regenten – das André I. und Annika I. somit das Narrenzepter schwingen, auch wenn es sich nur online und in kleinen Häppchen präsentieren kann. Aber Fastnacht ist!

Und so endete seine kleine Rede zum Fahnehissen auch optimistisch: „Denn ein Ruf erschallt immer – ihr wisst es genau: Es lebe die Fastnacht – Owweroure Hellau!“ Der Hall war bei nur drei Rufern nicht ganz so laut, doch die wehende Fahne machte Mut. Und wie schreibt doch das Zwei-Kampagnen-Prinzenpaar in seinem Brief an die Gefolgschaft: „Seid fröhlich, wo immer es geht!“ (Christine Ziesecke)

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