Starthilfe auf dem Weg in den Job

Ober-Roden (lö) - Ausgerechnet die Schwächsten, die Haupt- und Lernhilfe-Schüler, müssen sich am frühesten entscheiden, welchen Beruf sie ergreifen wollen. Fehlschläge sind geradezu vorprogrammiert.

Mit ihrer Berufswegebegleitung wollen die Helene-Lange- und die Nell-Breuning-Schule gegensteuern und verhindern, dass frustrierte oder überforderte Jugendliche ihre Ausbildung abbrechen.

Der Soziologe Tzehaie Semere ist an beiden Schulen Ansprechpartner für die älteren Jahrgänge. „Ich versuche, die Jugendlichen dazu zu bringen, dass sie beratungsfähig sind“, sagt er. Denn nur mit dieser Einsicht mache es Sinn, bestimmte Berufe auf ihre Chancen abzuklopfen und Bewerbungen zu schreiben. Hier stoßen Lehrer nach Ansicht von NBS-Rektor Jochen Zeller an ihre Grenzen: Das werde an keiner Uni gelehrt.

Dem 16-jährigen Hauptschüler Ersit hat Semere beispielsweise den Weg in die Berufsfachschule geebnet. Er nahm den bis dato ratlosen Jugendlichen mit zu Bildungsmessen und Tests der Arbeitsagentur und fand so heraus, dass er „etwas mit Pflege machen wollte“. Ein Praktikum im Haus Morija verfestigte den Wunsch. Nach den Ferien besucht Ersit den medizinisch-technischen Pflegebereich an der Max-Eyth-Schule in Dreieich.

„Ein Tropfen auf dem heißen Stein“

192 leistungsschwache oder sozial benachteiligte Schüler, 107 Jungen und 85 Mädchen, beriet Tzehaie Semere im vergangenen Jahr. Gut die Hälfte hatte ausländische Wurzeln. 96 konnte Semere in ein Praktikum, an weiter führende Schulen, in Qualifizierungsprojekte oder eine Ausbildung vermitteln. Was nicht heißt, dass die übrigen 96 auf der Strecke bleiben. Etliche kamen nach Semeres Rat auf eigene Initiative weiter.

Eng verzahnt ist die Berufswegebegleitung mit der Schulsozialarbeit. Gabriele Martin-Pfau an der NBS und Sandra Ullrich an der Helene-Lange-Schule greifen ein, wenn Lehrer bei auffälligen Jugendlichen nicht mehr weiter wissen. Sie suchen bei Hausbesuchen nach den Ursachen häufigen Schwänzens, betreiben Sucht- und Gewaltprävention oder helfen bei familiären Problemen. Die Stadt hat im März die 2008 begonnene Schulsozialarbeit aufgewertet und den Sozialpädagoginnen unbefristete Arbeitsverträge gegeben, erläuterte Bürgermeister Roland Kern (AL).

Das Trio Martin-Pfau, Ullrich und Semere weiß, dass seine Arbeit oft nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein“ ist. Mehr als 1 800 Schüler besuchen die Nell-Breuning- und Helene-Lange-Schule. Da können die Sozialarbeiter nur schwer alle Jugendlichen erreichen, die Hilfe auf dem Weg ins Berufsleben brachen.

Quelle: op-online.de

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