Steinener Stern der Erinnerung

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Horst-Peter Knapp berichtete vom Alltag jüdischer Familien aus Ober-Roden und Urberach. Franziska Kraus, Rebecca Rimbach, Linda Pietsch und Sarah Wiedenmann aus der Nell-Breuning-Schule trugen nachdenkliche Texte bei der Feierstunde vor.

Urberach ‐ Sie haben einfach dazugehört, die jüdischen Nachbarn. Sie waren in Ober-Roden und Urberach Teil des Alltags - bis in der Nacht des 11. November 1938 der braune Mob wütete. „Von einem Tag auf den anderen war alles anders“, rief Moritz Neumann, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Darmstadt, gestern das schicksalsträchtige Datum in die Erinnerung zurück. Von Michael Löw

Neumann war Ehrengast der kleinen Feier, mit der der Magistrat die Fertigstellung der Gedenkstätte Bahnhofstraße 18 beging. Der gepflasterte Davidstern liegt jetzt in einem Bett aus Steinen, zwei Stelen aus der Werkstatt des Urberacher Schlossermeisters Rüdiger Heu erläutern die Geschichte der Juden im heutigen Rödermark und listen die Namen derer auf, die in den Vernichtungslagern der Nazis starben.

In Theresienstadt, Buchenwald und Auschwitz sei der jüdische Stern in Deutschland erloschen, sagte Neumann. Dass er seit 20 Jahren wieder zaghaft an Leuchtkraft gewinnt, sei dem Zerfall des Ostblocks zu verdanken. Glaubensbrüder aus Polen, Moldawien oder Weißrussland hätten dem jüdischen Leben in Deutschland neue Impulse gegeben. Die waren dringend notwendig, unterstrich Neumann: „Sonst hätte in 50 Jahren hier kein einziger Jude mehr gelebt, und die Nazis hätten nach ihrem Untergang noch gesiegt.“

Bürgermeister Roland Kern verlas die Namen der Ober-Röder und Urberacher Juden, die während der ersten Jahre der NS-Diktatur in ihrer Heimat geblieben waren und dies mit dem Leben bezahlten. Es sei wichtig und richtig, immer wieder an sie zu erinnern.

„Nicht alle waren Täter, Schweiger oder Dulder“, wies Horst-Peter Knapp auf den leisen, unauffälligen Widerstand im erz-katholischen Urberach hin. Viele Familien hätten ihre Schuhe auch dann noch beim Juden Julius Adler gekauft, nachdem die Nazis sein Geschäft verboten hatten. Unter großem persönlichen Risiko kamen seine treuen Kunden abends und nachts durch den Hintereingang seiner Scheune. Sie steht noch heute direkt neben der Gedenkstätte.

Knapp, Norbert Cobabus und Elfriede Lotz haben für den Heimat- und Geschichtsverein das jüdische Leben und Sterben im Buch „Die verlorenen Nachbarn“ zusammengefasst.

Quelle: op-online.de

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