Mahnmale in der Frankfurter Straße

Sechs Stolpersteine für Ober-Röder Juden

Jaky Hecht (2. von links) besuchte die Familie Schrod bis weit in die neunziger Jahre hinein regelmäßig. Das Foto stammt aus dem Jahr 1958, der Junge ist der frühere CDU-Stadtrat Adam-Franz Schrod.

Ober-Roden - Ober-Roden wird am 21. November Teil des größten dezentralen Mahnmals der Welt. Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt in der Frankfurter Straße sechs Stolpersteine, die an die jüdische Familie Kahn/Hecht erinnern.

Am 9. November jährt sich die Reichspogromnacht zum 75. Mal. In ganz Deutschland brannten damals auf Anordnung des NSDAP-Regimes Synagogen und Geschäfte jüdischer Bürger. In Ober-Roden schlug der Mob in der Nacht vom 10. auf den 11. November 1938 zu. Sein Opfer war das alteingesessene Schuhgeschäft der jüdischen Händlerin Frieda Kahn und ihrer Tochter Berta Hecht.

Christiane Murmann hatte die Stolperstein-Aktion in Sommer ins Rollen gebracht. Unterstützt vom Urberacher Theatermacher Oliver Nedelmann sammelte sie Geld für sechs Stolpersteine. Ihre Eltern waren mit Jaky Hecht, dem letzten Überlebenden der kleinen jüdischen Gemeinde Ober-Rodens, befreundet. Er konnte rechtzeitig vor dem Nazi-Terror nach Palästina flüchten und kehrte schon bald nach dem Krieg nach Ober-Roden zurück. Obwohl seine Familie unendliches Leid ertragen musste, kam er bis in die neunziger Jahre regelmäßig in den Ort, den er immer noch als seine Heimat bezeichnete.

In der Frankfurter Straße 17 handelten die Jüdin Frieda Kahn und ihre Tochter Berta Hecht mit Schuhen. 60 aufgehetzte Nazi-Anhänger schlugen in der Nacht vom 10. auf den 11. November 1938 alles kurz und klein.

Ihm ist einer der sechs Stolpersteine gewidmet. Die anderen erinnern an Frieda Kahn, die am 7. November 1940 in Ober-Roden starb, an Berta und Rosa Hecht, die 1941 nach Minsk deportiert und wahrscheinlich dort ermordet wurden, an Bertas Mann Salomon Hecht, dessen Schicksal unbekannt ist. Ludwig Kahn flüchtete 1935 nach Palästina und überlebte.

Christiane Murmann und Oliver Nedelmann haben bei ihren Stolperstein-Recherchen viele Fotos und Dokumente zusammengetragen, die bisher im Verborgenen schlummerten. Als wahres Schatzkästlein erwies sich ein Umschlag, den Elisabeth Wilhelm über die Jahrzehnte hinweg gehütet hatte. Ihre Vorfahren gehörten zu den Ober-Röder Familien, die den verfolgten Juden nach der Zerstörung des Geschäfts Essen und Kleidung zusteckten.

Elisabeth Wilhelm zahlt übrigens heute noch knappe zehn Euro Grundsteuer für eine 1 000 Quadratmeter große Wiese der Familie Kahn/Hecht, ergänzte Bürgermeister Roland Kern. Die hatte die NSDAP-Bürokratie bei der Enteignung der Ober-Röder Juden übersehen. 

Quelle: op-online.de

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