Steuerberater oder Fitness-Prinz?

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Prinz Michael von Anhalt will aus dem Bahnhof Ober-Roden ein Fitnessstudio machen.

Rödermark/Ober-Roden - Die einen Interessenten kamen im schwarzen Anzug, der andere fuhr im schwarzen Rolls Royce vor: Unterschiedlicher hätten die Präsentationen, mit denen zwei potenzielle Investoren ihre Ideen für den Bahnhof Ober-Roden vorstellten, nicht sein können. Von Michael Löw

Thilo Gotta und Alexander Kutschera, die das Gebäude zusammen mit Andreas Reusch im zweiten Anlauf für die Steuerberatungsgesellschaft Con Trust kaufen wollen, erläuterten ihre Pläne akribisch per Powerpoint-Vorführung. Michael Prinz von Anhalt plauderte locker über ein weiteres Fitness-Studio seiner Firma Killer-Sports.

Con Trust und Killer-Sports wollen den Bahnhof kaufen, den die Stadt - inklusive 5.500 Quadratmeter nördlich des Gebäudes - im Juli 2008 für 400.000 Euro von der Bahn erworben hatte. 250.000 Euro wollte sie über den Verkauf refinanzieren. Davon sind die Angebote beider Interessenten weit entfernt.

KONZEPT CON TRUST: 

Bürogebäude für eine Steuerberatungsgesellschaft und Gastronomie, Wiederaufbau des ehemaligen Gepäckschuppens

Kauf und Umbau schnellst möglich 

Geschätzter Sanierungsaufwand: 850.000 Euro

Kaufpreisangebot: 6.130 Euro zuzüglich 40.000 Euro für Parkplätze

Wirtschaftlichkeitsberechnung des Eigenbetriebs:

Von diesen 46.130 Euro gehen

28. 000 Euro für weitere Parkplätze ab, sodass der Verkauf 18.130 Euro in die Stadtkasse bringen würde

Dennoch sind Magistrat und Parlament bereit, sich auf das Verlustgeschäft einzulassen und darüber hinaus die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes mit öffentlichem Geld zu finanzieren. Wobei weder BürgermeisterRoland Kern noch Erster Stadtrat Alexander Sturm am Mittwochabend im Bauausschuss auch nur ansatzweise sagen konnten, wie viel Geld dafür nötig ist. Die Aufwertung des Ortskerns durch einen attraktiven Bahnhof war Politikern allen Parteien sechsstellige Beträge wert. Aber auch die Interessenten betonten, dass der Bahnhof aus dem Jahr 1890 städtebaulichen Charme habe.

KONZEPT KILLER-SPORTS 

Fitness-Studio im bestehende Gebäude 

Kauf noch in diesem Jahr, Umbau erst im Herbst 2010

Geschätzter Sanierungsaufwand: bis zu 700.000 Euro bei Fremdvergabe, nicht unter 300.000 Euro mit eigenem Bauteam

Kaufpreisangebot: 150.000 Euro

Wirtschaftlichkeitsberechnung des Eigenbetriebs: von diesem Angebot gehen 180.000 Euro für Parkplätze in der Odenwaldstraße ab.

Die Stadt legt beim Verkauf also 30.000 Euro drauf.

Die Politiker diskutierten mit Gotta, Kutschera und von Anhalt über zusätzliche Parkplätze, Besucherzahlen (geschätzte 200 pro Tag bei Killer-Sports) sowie verpachtete oder selbst betriebene Gastronomie. AL-Fraktionsvorsitzender Stefan Gerl fragte gar nach möglicher Konkurrenz der prinzlichen Sauna für das Badehaus, nicht aber nach den Konsequenzen für das wenige hundert Meter entfernte Frauen-Sportstudio. Der Ausschuss traf keine Vorentscheidung, obwohl der Verkauf des Bahnhofs schon am 6. Oktober auf der Tagesordnung des Stadtparlaments steht. Die FDP favorisiert Prinz Michael und sein Fitness-Studio. Alle übrigen Fraktionen hielten sich bedeckt, wie übrigens auch Bürgermeister und Erster Stadtrat. Da die finanziellen Unterschiede minimal seien, müsse man die Nutzungskonzepte gegeneinander abwägen.

SPD-Fraktionschef Armin Lauer warnte daher vor „einer Hängepartie und einer Zerredung der Konzepte“.

Quelle: op-online.de

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