Vielleicht noch zu unerfahren

Störche sind mit der Brut in Verzug

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Mit der Brut wird es in dieser Saison wohl nichts mehr. Der Nabu vermutet, dass die Störche noch zu jung sind. Jetzt heißt es: hoffen auf 2018.

Rödermark - Seit Jahren ist der Bestand vieler Vogelarten in Deutschland rückläufig. Auch Rödermark kann sich diesem negativen Trend nicht entziehen. Einer der Verlierer ist der Kiebitz. Noch vergangenes Jahr war er in Rödermark als einziger Kreisgemeinde sesshaft. Jetzt ist er verschwunden.

Der Naturschutzbund Nabu zieht über den aktuellen Vogelbestand eine gemischte Bilanz. Während mit dem Kiebitz ein früherer Allerweltsvogel dieses Jahr erstmals nicht mehr brütet, freuen sich die Naturschützer über die Rückkehr der Weißstörche. Verantwortlich für den Bestandsrückgang macht der Nabu in einer Pressemitteilung die Intensivierung der Landwirtschaft und die damit verbundene starke Dezimierung von Insekten als wichtigster Nahrungsquelle. Untersuchungen in Nordrhein-Westfalen hätten ergeben, dass die Biomasse der Insekten in den letzten Jahren um 80 Prozent zurückgegangen ist. Auch Pflanzensamen als zweiter Nahrungsgrundlage seien „in der aufgeräumten Landschaft kaum noch zu finden“, kritisiert der Nabu.

Neben dem Nahrungsmangel fehle es vielen Vogelarten an geeigneten Nistmöglichkeiten. Alte, höhlenreiche Bäume seien in Feldflur und Wald eine Seltenheit, Bodenbrüter verlören durch früher einsetzende Mahden oder wiederholte Störungen (durch Menschen und Hunde) ihre Bruten. Einer der Verlierer dieser Entwicklung ist der Kiebitz. Vor 40 Jahren ein Allerweltsvogel, haben sich die Bestände in Deutschland in den letzten 20 Jahren um 75 Prozent verringert. Bis im letzten Jahr war der Kiebitz in Rödermark als einziger Gemeinde im Kreis Offenbach noch Brutvogel. 2017 ist das erste Jahr ohne einen Brutversuch, der Charaktervogel ist nun aus dem Kreis verschwunden. Auch die Bestände der Feldlerche sind weiter rückläufig.

Im Kreis Offenbach brach der Bestand in den letzten 20 Jahren um 80 Prozent auf unter 100 Brutpaare ein. Konnten durch den NABU in Rödermark 2016 noch mindestens 20 besetzte Reviere festgestellt werden, liegt die Zahl in diesem Jahr bisher bei nur zwölf besetzten Revieren. In einem Revier lebt sicher immer ein einzelnes Männchen. Wie viele Vögel dort insgesamt leben, lässt sich nicht benennen und zählen. „Die singenden Männchen lassen sich exakt feststellen, alles andere ist Spekulation“, erläutert Nabu-Vorsitzender Dr. Rüdger Werner. Es gibt aber auch Erfreuliches. „Wir konnten in diesem Jahr erstmals über zehn besetzte Reviere des Feldschwirls feststellen. Auch der Bestand der Nachtigall hat kontinuierlich zugenommen, sodass wir ihren Bestand erstmals auf über 20 Reviere in Rödermark schätzen.“

Naturschutzbund beringt Störche

Der Bestand des sehr seltenen Schwarzkehlchens scheine mit fünf bis sechs Revieren stabil zu sein. Ebenfalls stabil seien die Bestände von Goldammer und Gartengrasmücke, bei der Dorngrasmücke und der Mönchsgrasmücke ist 2017 eine leichte Zunahme festzustellen. „Die letztgenannten Arten sind auf Gestrüpp, Hecken und Sträucher in der Feldflur angewiesen. Da in Rödermark im Vergleich zu anderen Gemeinden relativ viele Feldgrundstücke brach liegen, nimmt der potenzielle Lebensraum für diese Arten bei uns tendenziell zu“, erklärt Dr. Werner diese wenigen Ausnahmen. „Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei einer weit größeren Zahl an Vogelarten auch in Rödermark die Bestände deutlich zurückgegangen sind.“

Eine positive Entwicklung, zeigen die Bestandszahlen des Weißstorchs. Diese wuchsen in den vergangenen 15 Jahren in Hessen im Schnitt um fast zehn Prozent jährlich, sodass 2016 wieder fast 450 Brutpaare gezählt werden konnten. Der Nabu Rödermark hatte daher, in Zusammenarbeit mit der Stadt und privater Spender, im Frühjahr 2016 auf dem Gelände der Kläranlage Ober-Roden einen Mast mit einem Storchennest aufgestellt. Zunächst wurde er nicht angenommen. Doch seit Anfang April ist auch dort Leben zu beobachten. Ein Pärchen hat sich niedergelassen, es brütet aber nicht. Dr. Werner: „Wir vermuten, dass es Jung-Störche sind, die dann erst nächstes Jahr brüten. Wir sind zuversichtlich, dass wir dann die Geburt der ersten Rödermärker Störche seit über 50 Jahren beobachten können“. (bp)

Quelle: op-online.de

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