Strafzettel war bloß ein Irrtum

Ober-Roden - (bp) Ein Anruf unserer Zeitung beim Bürgermeister, die schnelle Reaktion von Roland Kern und ein umsichtiges Ordnungsamt haben gestern einen Ober-Röder Rentner vor der Zahlung eines Verwarnungsgelds von zehn Euro bewahrt.

Der 80-jährige Franz Joseph Jäger war von der Ordnungspolizei aufgeschrieben worden, als er seine Frau Hildegard vor dem Friedhof zu einer Beerdigung absetzte - und sofort weiterfuhr. „Ihnen wird vorgeworfen (. . .) von 13.06 bis 13.07 Uhr folgende Ordnungswidrigkeit begangen zu haben: Sie hielten im Halteverbot“, hieß es auf dem Anhörungsbogen zum Strafzettel. Das brachte die Tochter des Seniors auf die Palme. Zehn Euro für eine Minute im Halteverbot! Veronika Jäger berichtete unserer Zeitung, ihr Vater sei schon einmal vom Ordnungsamt schikaniert worden. Er hatte vor seinem Haus angehalten, um das Tor zur Grundstückszufahrt zu öffnen, weil er in seinen Hof fahren wollte: Strafzettel. Mit dem Vorfall konfrontiert, hakte Bürgermeister Kern beim Ordnungsamt nach. Dort erklärte Außendienstleiter Klaus-Dieter Preuß: „Wenn das eine Beerdigung war, machen wir nichts.“

Kern räumte bei dieser Gelegenheit mit einem häufigen Missverständnis auf. Die auf dem Anhörungsbogen angegebene Zeit (im Fall Jäger von 13.06 bis 13.07 Uhr) ist nicht die Dauer des Vergehens, also die Tatzeit. Vielmehr betrifft diese Zeitangabe ausschließlich den Moment, in dem der Ordnungshüter das Vergehen in seinen Knöllchencomputer eingegeben hat. Kern: „Der Mitarbeiter braucht eben diese eine Minute, um das einzugeben.“

Die Debatte um die Knöllchenjagd in Rödermark ist nicht neu. Fingerspitzengefühl vermisst der Gewerbeverein bei den Strafzettelschreibern schon lange. Der Vorsitzende Manfred Rädlein versichert, der Verein wolle keineswegs „das Falschparken fördern“. Die aktuelle Praxis der Ordnungspolizisten sei aber nicht in Ordnung. Der Chef des Gewerbevereins plädiert für eine „Anpassung der Parkordnung“. Zum Beispiel müssten bei der Stadtkernsanierung weitere Stellplätze geschaffen werden, auf denen Autofahrer zwei Stunden kostenlos mit Parkscheibe halten können.

Quelle: op-online.de

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