Streckenwart von Hessen Mobil

Kein Pardon für blasse Schilder

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In seiner rollenden Werkstatt beschriftet Uwe Salg ein so genanntes Stationszeichen mit Straßennamen und Kilometerangabe. Dann montiert er es an den Rand der K 174, wo ein unbekannter Autofahrer seinen Vorgänger in Plastikbrocken zerlegt hat.

Rödermark - Uwe Salg hat einen Bohrhammer, eine Mistgabel, reichlich Ersatzschilder, „Caramba“-Spray zum Rostlösen und möglicherweise lebensrettende Käse-Ecken im Auto. Von Michael Löw 

So nennt der Streckenwart von Hessen Mobil jene dreieckigen Verkehrszeichen, die alle 200 Meter am Rand von Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen stehen. Wer einen Unfall meldet und seinen Standort anhand der nächsten „Käse-Ecke“ genau lokalisiert, verschafft dem Notarzt wertvolle Zeit.

Der Austausch einer „Käse-Ecke“ - im Deutsch der Straßenbaubehörde: Stationszeichen - an der Kreisquerverbindung bei Waldacker ist Uwe Salgs erste Arbeit bei dieser Tour. Ein Autofahrer hat sie offensichtlich umgebügelt und ist verschwunden. Uwe Salg betoniert auf Kosten der hessischen Steuerzahler ein neues Leerrohr in den Boden und setzt das weiße Dreieck mit Straßennamen und Kilometerangabe oben drauf. „Unfallschäden sind unser Hauptgeschäft“, kommentiert er lakonisch.

Alle zwei Tage Rödermark-Runde

Geht Uwe Salg nur ein paar Meter Meter von seinem schützenden Dienstfahrzeug weg, sind"s oft nur ein paar Zentimeter, die ihn vom vorbeirauschenden Verkehr trennen.

Alle zwei Tage fährt Salg seine Rödermark-Runde - sofern nicht gerade Schnee und Eis den Dienstplan durcheinander wirbeln. Sein knallorangefarbener Hessen Mobil-Transporter tuckert mit gemächlichen 60 Stundenkilometern die B 459 entlang. Wenn er eine Schlange von 30 Autos hinter sich herzieht, weiß er, „dass die meisten Fahrer am liebsten ins Lenkrad beißen würden“. Doch bei höherem Tempo sieht er weder fehlende Reflektoren an den Leitpfosten noch Dellen an Leitplanken, Müllsäcke oder tote Tiere. Dem eiligen Autofahrer mag soviel Genauigkeit kleinlich vorkommen. Aber Uwe Salg und seine Kollegen sind auch für ihre Verkehrssicherheit unterwegs. Stopp-Schilder, die nur noch rötlich statt satt rot sind, tauscht er innerhalb einer einer Viertelstunde aus. Minuten nur dauert"s, bis er ein Schlagloch wieder geschlossen hat.

Nach sieben Jahren muss das ausgebleichte Stoppschild am Rödermarkring ersetzt werden.

Doch an der Einmündung der Frankfurter Straße in den Rödermarkring ist er mit seiner Arbeit nicht wirklich zufrieden. Diese Stelle hat er schon ein paar Mal geflickt, demnächst muss da wohl ein Bautrupp von Hessen Mobil mit größerem Gerät ran. Aber zuvor müssen die Kollegen aus dem Büro der Straßenmeisterei Offenbach mit der Stadt über die Kosten verhandeln. Hessen Mobil ist nur für den Rödermarkring und den unmittelbaren Kreuzungsbereich zuständig. Nur: Wo endet der? Das Loch zwischen Ober-Roden und Waldacker stopft Uwe Salg im Schutz seines Transporters. Dessen Farbe und die Blinklichterbatterie auf dem Dach signalisieren auch dem schläfrigsten Autofahrer, dass hier gearbeitet wird. Geht er aber nur ein paar Schritte weg, wird"s gelegentlich eng. „Die Leute rauschen dann mit 50 oder 60 Sachen so ein Stück an mir vorbei“, sagt er und spreizt Daumen und Zeigefinger auseinander. Selbst bei Uwe Salgs kräftigen Arbeiterhänden sind das aber nicht mehr als 25 Zentimeter.

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Sicherheit ist bei Hessen Mobil oberstes Gebot. Salg, der sich in 26 Jahren vom Kraftfahrer zum Streckenwart hochgearbeitet hat, absolviert immer wieder Lehrgänge. Sie qualifizieren ihn für den Umgang mit der Motorsäge oder die Arbeit auf dem Hubsteiger.

Er macht seinen Job gern: „Ich sehe abends, was ich tagsüber gemacht habe.“ Und Uwe Salg sieht verblasste Schilder oder fehlende Markierungen sogar auf auf der Fahrt in den Urlaub: „Da regt sich meine Frau auf!“ Aber er fährt dann doch nicht rechts ran, packt sein Werkzeug und macht die Straßen sicherer wie er"s in Rödermark und Umgebung tut.

Quelle: op-online.de

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