Kinder befreien 1970 mehrere hundert Schildkröten

Ein Streich mit Langzeitwirkung

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„Mirandolin“ und damit alle Schildkröten aus der Zucht von Theresia Valta verdanken ihr Dasein einem Kinderstreich, der 47 Jahre zurückliegt. Vier Geschwister hatten damals einen überhitzten Eisenbahnwaggon geöffnet und die Tiere befreit.

Urberach -  Schildkröte „Mirandolin“, der Stammvater aller Tiere von Züchterin Theresia Valta, verdankt sein Leben jungen Tierrettern. Kinder hatten 1970 Hunderte der Panzertiere aus einem Eisenbahnwaggon befreit, in dem sie bei brütender Hitze übereinander lagen. Von Michael Löw

Die damals sechsjährige Theresia hatte ein Schildkrötenmännchen auf der Straße gefunden und sich seiner angenommen. Die Aktion war - vorsichtig gesagt - alles andere als legal. Doch sie war gut gemeint und hatte ein gutes Ende. „Natürlich weiß ich, wieso „Mirandolin“ damals mit vielen hundert anderen Schildkröten durch Urberach spazierte“, beginnt eine E-Mail an unsere Zeitung. Sie war eine Reaktion auf das Porträt der Urberacher Züchterin Theresia Valta. Die hatte ihre erste Schildkröte, besagten „Mirandolin“, 1970 von Straße geholt. Dort waren an diesem Tag unzählige Griechische Landschildkröten unterwegs. Die sechsjährige Theresia nahm an, dass sie aus der Tierhandlung Sensen ausgebüchst waren.

Waren sie aber nicht! Nach 47 Jahren outete sich eine „heute anständige Geschäftsfrau“ als Tierretterin. „Herr Sensen hat damals immer wieder Tiere „geliefert“ bekommen, die mit dem Zug am Urberacher Bahnhof angekommen sind. Und eines Freitags mittags kam ein Waggon mit vielen, vielen Schildkröten. Leider wurden die damals nicht mehr ausgeladen und in den Tierpark transportiert. Es war heiß, die Tiere lagen auf- und übereinander“, erzählt die Dame.

Die Tierretter waren vier Geschwister im Alter zwischen fünf und zehn Jahren, und als Nachkömmlinge eines echten „Eisenbahners“ wussten sie auch, wie Güterwagen aufgemacht werden. Mit vereinter Kraft wuchteten die Kinder die schweren Riegel der Türen hoch und entließen alle Schildkröten in die Urberacher Freiheit. „An diesem Wochenende war in Urberach ganz schön was los“, erinnert sich die Rädelsführerin und meint nicht nur das Gekrabbel auf der Straße: „Wir haben alle vier von unserem Vater aber so was von den Hintern vollbekommen. Das kann man sich nicht vorstellen. Aber die Schildkröten waren frei und das war für uns die Hauptsache.“

Haltung und Pflege der Griechischen Landschildkröte

Voll Freude hat die Frau jetzt in der Zeitung gelesen, dass, dass „Mirandolin“ als „Überlebender“ der Befreiungsaktion nun ein Zuchttier ist und - mit behördlichem Segen - vielen weiteren Schildkröten zum Leben verholfen hat. Ihr Resümee: „Das ist einfach nur schön. Und ich würde das heute (auch als Seniorin) genauso wieder machen. Allerdings würde ich heute eine andere Lösung finden, als Urberach mit hunderten Schildkröten zu überschwemmen.“

Nachahmern gibt sie einen weisen Rat: „Kinder überlegt euch, welche Streiche ihr ausheckt: Bestimmte Streiche können euch wieder begegnen, selbst wenn ihr schon graue Haare, falsche Zähne und Falten im Gesicht habt.“ Und vielleicht ist „Mirandolin“ ja nicht der einzige Überlebende der Befreiung. Griechische Landschildkröten können 70 bis 80 Jahre alt werden.

Quelle: op-online.de

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