Stufen als böses Hindernis

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Wie gerufen kam Irmgard Gillmann mit ihrem Rollator an einer der schwierigsten Stellen vorbei, dem Durchgang zwischen S+K City Center und Ärztehaus, und berichtete von eigenen Erfahrungen.

Ober-Roden ‐ Interessiert beobachteten Anwohner die kleine Gruppe, die mit Fotoapparat, Zollstock und Schreibgerät durchs Breidert zog und Bürgersteige, Hauseingänge oder Straßenschilder unter die Lupe nahm. Von Christine Ziesecke

Nein, hier besserte nicht Google Earth seine Kartographie nach, sondern hier setzte der Seniorenbeirat Rödermark den nächsten Schritt seiner eigenen Aufgabenliste um. Gemeinsam mit Eva Christ, Bernd Koop und Peter Netz nahm Vorsitzender Heinz Weber Schwachstellen in Augenschein, die für Behinderte im Rollstuhl oder für Menschen mit Rollatoren zur Stolperfalle werden können oder Zugänge unmöglich machen.

Die Mängelliste wird in einen Maßnahmenkatalog zur Barrierefreiheit der Verkehrswege einfließen, der an die Stadtverwaltung weitergegeben wird mit der Aufforderung und dringenden Bitte, „im Rahmen der städtischen Möglichkeiten“ überall da Abhilfe zu schaffen, wo die Stadt zuständig ist.

Der Rundgang begann nicht zufällig im Breidert: selbst unter Ausgliederung der Häuser Morija und Mamre leben in diesem Wohngebiet die meisten beim Versorgungsamt in verschiedenen Kategorien gemeldeten Behinderten. Hier ist Abhilfe am dringendsten, vor allem wenn sie mit geringen Mitteln möglich ist. Nach rund eineinhalb Stunden im Nieselregen, der auch die Zielgruppe Rollstuhlfahrer zum Zuhausebleiben gezwungen hatte, war die Mängelliste komplett. Neben zu üppigem Bewuchs gerade vor unbebauten Grundstücken, losen oder durch Wurzeln gehobenen Gehwegplatten oder hinderlichen Straßenschildern fast mitten auf dem Gehweg waren vor allem die Bordsteine im wahrsten Sinne Steine des Anstoßes. Gerade an den Querungsstellen müssen sie dringend gesenkt werden, um Rollstuhlfahrern ein ungefährdetes Passieren zu ermöglichen. Zweites großes Problemkind ist immer noch das S+K City Center, das aber außerhalb des städtischen Zuständigkeitsbereichs liegt. Hier sind die schweren und nach außen zu öffnenden Eingangstüren ins Center große Hürden, die für Behinderte ohne Begleitung kaum zu lösen sind - was Türschalter leicht ermöglichen könnten. Dazu kommt die seit vielen Jahren monierte Engstelle beim Übergang zum Ärztehaus.

Absätze in der Gehwegführung und Blumenkästen erschweren die Querung erheblich, was durch eine Schwelle auf der Fahrbahn auszugleichen wäre – sie würde die in die dahinter liegenden Garagen einfahrenden Autos bremsen und die Nutzung für Behinderte erleichtern.

Fazit der ersten Runde, die in Kürze auch in Begleitung von Rollstuhlfahrern fortgesetzt wird, sind 16 gravierende Mängel, die einer barrierefreien Verkehrswegeführung buchstäblich im Weg stehen und deren Bearbeitung der Seniorenbeirat weiter verfolgen wird.

DATEN, FAKTEN

  • 911 Personen, das sind 3,3 Prozent der 27 919 Rödermärker, gelten als Menschen mit Behinderungen. Die Dunkelziffer ist dabei hoch.
  • Erheblich gehbehindert: 877; außergewöhnlich gehbehindert 202; mit Begleitperson 447; hilflos 198; blind 10; gehörlos acht. Wer nun addiert, wird auf mehr als 911 Betroffene kommen. Grund: Personen mit Mehrfachbehinderungen tauchen in den Kategorien mehrfach auf.
  • Aufgelistet nach Ortsteilen: Ober-Roden 416; Urberach 383;, Waldacker 84; Messenhausen 21; Bienengarten 4; Bulau 1; Außerhalb 2.
  • Innerhalb des Ortsteils Ober-Roden nimmt das Breidert mit insgesamt 171 Bürgern mit Behinderungen eine Sonderstellung ein, selbst unter Abzug der 57 Betroffenen in der Zwickauer Straße (Häuser Morija und Mamre).

Quelle: Zahlen des Versorgungsamts (anonymisiert)

Quelle: op-online.de

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