Umbau der Sporthalle

Tänzern weht der Wind ins Gesicht

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Ober-Roden - Nachbarn machen Front gegen den Umbau der Tanzsporthalle in ein internationales Trainings- und Leistungszentrum. Rund 35 Anwohner der umliegenden Straßen verschafften ihrem Ärger am Montagabend Luft. Von Michael Löw

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„Was da geplant ist, übersteigt alles, was in einem Wohngebiet erträglich ist“, kritisiert Günther Bügler das Projekt des Tanzsportclubs (TSC) Rödermark. Der 300 Mitglieder starke Verein will seine rund 350 Quadratmeter große Halle um 600 Quadratmeter Fläche erweitern. An- und Altbau sollen nach modernsten Gesichtspunkten schall- und wärmeisoliert werden. Die Investitionskosten für diese „neue Dimension des Tanzens“ belaufen sich nach Auskunft der TSC-Vorsitzenden Cornelia Straub auf rund 870 000 Euro.

Die Nachbarn befürchten zweierlei Belästigungen. Sie monieren zum einen den Lärm, der beim Training - mehrfach erwähnten sie die Zumbakurse - oder bei Veranstaltungen aus der Halle dringt. Knackpunkt Nummer zwei ist die Parkplatznot an der TSC-Halle. „Schon bei einem Seniorentanztraining mit 50 oder 60 Teilnehmern sind die Straßen rundum zugeparkt“, schimpft Johann Feith. Bei Veranstaltungen seien immer wieder Einfahrten vom fremden Autos versperrt worden. Die Nachbarn hätten die Polizei geholt, Anzeigen erstattet und sogar in der Halle um freie Zufahrt zum eigenen Grundstück gebeten.

Besserung hätte das alles nur kurzfristig gebracht. Auch das dem früheren TSC-Vorsitzenden Ulrich Weimann 1997 per Anwalt abgerungene Versprechen, bei Veranstaltungen Türen und Fenster geschlossen zu halten, sei immer wieder gebrochen worden. Die Nachbarn erkennen an, dass der TSC die Zahl der Veranstaltungen reduzierte und die Fenster zuschraubte. Doch stattdessen würden ihre Grundstücke aus den Notausgängen beschallt, wenn es drinnen sportlich heiß hergeht.

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Der Ausbau der Halle, so die Sorgen der Anwohner, potenziere die Probleme: Um das Projekt zu finanzieren, müsse der Verein nicht nur große Turniere abhalten oder Tanzpaaren Trainingsmöglichkeiten rund um die Uhr eröffnen, sondern die Halle auch für Hochzeiten und andere potenziell laute Veranstaltungen vermieten.

Erster Stadtrat Jörg Rotter erklärte den Nachbarn gegenüber, dass der TSC Anspruch auf Zuschüsse aus der Vereinsförderung habe, dass es aber keine darüber hinaus gehenden finanziellen Zusagen des Magistrats gebe. Das für den Ausbau nötige Grundstück gehört dem Kreis. Dessen Gremien hätten noch nicht über eine Rückgabe an die Stadt entschieden. Das hatte Landrat Oliver Quilling vorgeschlagen, als der TSC seine Pläne vorstellte.

Keine Vergrößerung der Halle und keinen 24-Stunden-Betrieb an sieben Tagen die Woche: Diese Forderungen unterschrieben alle Teilnehmer der Protestveranstaltung am Montagabend. Bügler und Feith wollen in der unmittelbaren Nachbarschaft weitere Unterschriften sammeln.

Johann Feith, Günther Bügler und ihre Mitstreiter fordern eine Verlegung des TSC ins Industrie- und Gewerbegebiet. Der ehemalige „Paramount Park“ wäre ihrer Ansicht nach ein idealer Standort. Die derzeitige TSC-Halle könnte zu einer „Begegnungsstätte für alle Anwohner des Breidert“ werden, ein Teil des für den Ausbau vorgesehenen Grundstücks soll zum Park für die Bewohner des Hauses Morija und zum Biogarten für die Grundschule werden. Den Rest wollen die Hallengegner als Bauplätze für Einfamilienhäuser ausweisen.

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Die TSC-Vorsitzende Cornelia Straub bekräftigte gestern auf Anfrage unserer Zeitung, dass der Verein seine Pläne weiter verfolgen werde. Sie könne einige Bedenken der Nachbarschaft verstehen; viele Vorwürfe seien jedoch „phantasievoll aus der Luft gegriffen“ und würden aufgebauscht. Sie versicherte, dass mit dem Umbau alle Schallschutzvorschriften eingehalten würden. Die geplante Isolier-, Heiz- und Kühltechnik garantiere immer ein ideales Raumklima, das ein Öffnen der Fenster überflüssig mache. Die Musikanlage sei zentral gesteuert und bei der Lautstärke abgeregelt.

Der kritisierte Trainingsbetrieb rund um die Uhr sei eine eher theoretische Möglichkeit, sagte Cornelia Straub. Schon jetzt hätten die meisten Paare einen Schlüssel, der ihnen jederzeit Zugang zur Halle ermöglicht. Doch meist sei um 23 Uhr Schluss, weil auch Tänzer morgens zur Arbeit müssten.

Quelle: op-online.de

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