Tag des Kaffees

850 Aromen aus aller Welt vorsichtig wecken

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Zwei bis drei Mal pro Woche heizt Thomas Hansen die Rösttrommel an. Er lässt seinen Kaffees viel Zeit, erst nach einer halben Stunde rieseln die Bohnen in die Schütte.

Ober-Roden - Kaffee enthält mehr als 850 Aromen, Kenner schmecken wie beim Wein Schokoladen-, Citrus- und Nussnoten. Thomas Hansen will möglichst viele aus den blassgrünen Früchten herauskitzeln. In der Forststraße röstet er seit gut zwei Jahren Kaffee. Von Michael Löw

Er tut’s auf die langsame und vergleichsweise kühle Art. 25 bis 30 Minuten dreht sich die Rösttrommel bei höchstens 200 Grad. Während der letzten Minuten zieht Thomas Hansen immer wieder Proben; schaut, schnuppert und hört. Wenn’s knistert, sind die Bohnen fertig. Industriekaffee dagegen wird in 30 bis 60 Sekunden durch 600 Grad heiße Öfen gejagt und dann genauso brachial abgekühlt. Thomas Hansen schildert das mit dem gleichen Bedauern in der Stimme, das auch Starkoch Johann Lafer an den Tag legt, wenn er ein Filet vom Kobe-Rind brät und vom Leidensweg deutscher Schlachtkälber erzählt.

Kaffee wird in fast 80 Ländern angebaut. Hansen röstet Bohnen unter anderem aus Java/Indonesien, Guatemala, Äthiopien, Papua Neuguinea und - man glaubt’s kaum - aus dem Teeland Indien. „Kaum jemand weiß, dass die Inder wirklich guten Kaffee machen. Der Pearl Bean von dort hat doppelt so viel Koffein wie alle anderen Sorten“, verrät der Kaffee-Experte, der von Haus aus eigentlich Hotelfachmann ist. Koffein ist nicht nur der Wach-, sondern auch der Gute-Laune-Macher: Es regt die Endorphin-Produktion in unserem Körper an.

Sie wachsen im Hochland

So unterschiedlich die Herkunftsländer von Hansens Kaffees auch sind: Eines haben sie alle gemein - sie wachsen im Hochland. Dort haben die Kaffeekirschen bis zu neun Monate Zeit zum Reifen, auf den riesigen Plantagen unterhalb von 1 000 Metern werden sie schon nach zwei oder drei Monaten geerntet. Meterhohe Harvester nehmen die Sträucher zwischen ihre Bürsten.

Thomas Hansen verkauft in seinem Laden 26 Sorten, sieben davon sind aromatisiert. Der Weihnachtskaffee, der schon bald wieder zu haben ist, sei der Renner. Ansonsten lässt er nur noch Zucker zu: „Süß ist legitim, das hebt den Eigengeschmack hervor.“ Wer aber Milch in seine Tasse kippt, sinkt in seinem Ansehen. Schuld sei aber nicht der Kaffeetrinker, sondern der industrielle Kaffeeproduzent. Dessen Gebräu ist so bitter, dass nur noch Milch es retten kann. Chemisch korrekt ausgedrückt heißt das: Die Blitzröstung bei hohen Temperaturen lässt die Chlorogensäure im Kaffee, und die macht ihn „schwarz“ ungenießbar.

Verzicht auf jegliche Lagerhaltung

Thomas Hansen röstet 26 Sorten Kaffee - der Frische wegen ist aber immer nur eine Auswahl zu haben.

Und während die Päckchen von Jacobs, Tchibo & Co. oft wochenlang in den Regalen stehen, verzichtet Hansen auf jegliche Lagerhaltung. Er röstet mehrmals die Woche frisch. „Kein Kaffee in meinen Schütten ist älter als eine Woche“, verspricht er und rät seinen Kunden, Kaffee nur in kleinen Portionen zu kaufen. Bohnen könne man in verschweißten Tüten zwar ein Jahr lang aufheben, doch auch unter Verschluss altern sie. Noch viel empfindlicher ist Kaffeepulver, denn schon eine Viertelstunde nach dem Mahlen sind 50 Prozent seines Aromas verpufft.

Thomas Hansen war 2008 und 2009 deutscher Röstmeister. Den Wettstreit der besten Kaffeemacher gibt’s nicht mehr, weil den Organisatoren der Aufwand zu hoch und der Showeffekt zu gering waren. Aus der Rösttrommel kommen zwar leckere Düfte - aber das war’s auch schon. Wieviel aufregender ist da doch die gleichzeitig stattfindende Meisterschaft der Baristas, aus deren Espressomaschinen es faucht, zischt, dampft - und eben auch duftet.

Rezeptur natürlich streng geheim

So profitieren halt die Rödermärker von Hansens Experimentierfreude. Er hat - Rezeptur natürlich streng geheim - eine Orwischer und eine Oweräirer Mischung kreiert. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann im hauseigenen Café erstmal ein Tässchen frisch gebrühten Oweräirer schlürfen.

Die Kaffeerösterei Hansen, Ecke Forststraße/Dieburger Straße in Ober-Roden, ist montags bis freitags von 10 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr geöffnet, samstags von 10 bis 14 Uhr. Heute, am Tag des Kaffee, zeigt Thomas Hansen beim Showrösten sein Handwerk.

Das empfiehlt sich auch für Kopi Luwak, eine indonesische Kaffeerarität, die Hansen gelegentlich anbietet. Der Luwak ist ein kleines Beuteltier, lebt auf den Inseln Java, Sumatra und Sulawesi und frisst nachts nur die reifsten und leckersten Kaffeekirschen. Deren Fruchtfleisch verdaut er, die Bohnen scheidet er aus. Arbeiterinnen sammeln das kostbare Gut ein. Thomas Hansens Urteil: „Unverwechselbar würzig, süßliche Geschmacksnote, einfach genial!“

Quelle: op-online.de

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