Tankstellenpächter rüsten auf

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An der Kasse haben die Tankstellen-Mitarbeiter in Echtzeit im Blick, was die Kameras gerade aufnehmen. Alle Bilder können sie einzeln so weit heramzoomen, dass ihnen kein Detail entgeht. Während die Kameras draußen vor allem dem Benzin-Klau entgegen wirken sollen, schreckt die Videoüberwachung innen Ladendiebe und potenzielle Räuber ab.

Urberach (lö) ‐ Dank modernster Überwachungstechnik der Urberacher Tankstellenpächterin Doris Teurer konnte die Polizei vergangene Woche einen 25-Jährigen dingfest machen, der seit Juli achtmal getankt hatte und nicht bezahlte.

Der Betrüger ging immer nach der gleichen Masche vor. Er hatte ein gestohlenes Nummernschild ans Auto seiner Freundin geschraubt und im Raum Rödermark, Langen und Dieburg - darunter an der Agip-Station in der Konrad-Adenauer-Straße - auf seine Art die Spritkosten gesenkt.

Falsches Kennzeichen, unspektakuläres Auto, Jedermann-Figur: Der Benzindieb machte der Polizei die Arbeit schwer, zum Verhängnis wurden ihm gestochen scharfe Aufnahmen aus der Urberacher Kamera: Auf denen konnten Rudolf Sattler von der Ermittlungsgruppe der Polizei in Dietzenbach und die Kollegen aus Dieburg den silbernen C-Klasse-Benz so detailliert heranzoomen, dass sie unter anderem eine Schramme unter der Stoßstange sahen. Da half kein Leugnen, als die Beamten den Groß-Umstädter nach seiner Festnahme mit dem Beweisfoto konfrontierten. Zumal auch der Wiedererkennungswert seiner eigener Portraits extrem hoch war.

Kameras hängen gut sichtbar im Kassenraum

Die Agip-Station wird drei- bis viermal pro Monat Opfer von Tankbetrügern. Die Benzinpreise steigen und mit ihnen die Versuchung, gratis zu tanken. 2007 zählte die Polizei im Bereich Offenbach/Hanau/Main-Kinzig 1701 Fälle, voriges Jahr 1630 und bis Mai 2009 583 Fälle.

Zahlreiche Kameras überwachen das Außengelände der Agip-Tankstelle in Urberach.

Etliche tausend Euro haben Doris Teuer und ihr Lebensgefährte Stefan Herberich, der sich um die Technik kümmert, in die Überwachung investiert: „Wir setzen auf massive Abschreckung!“ Kameras hängen gut sichtbar im Kassenraum, andere beobachten das Geschehen an Zapfsäulen, Waschstraße und ihrer Zufahrt. Auf ihre Bilder greift der Betreiber aber immer nur dann darauf zurück, wenn die Kasse einen nicht bezahlten Tankvorgang meldet oder der Verdacht eines Ladendiebstahls im Shop besteht.

Absichtlich will das natürlich getan haben. Die Pächter hören die wildesten Ausreden, manche kommen auf die „dumme Tour“: „Die sagen abends, dass sie morgens das Zahlen vergessen haben.“ Dabei haben sie auf dem Weg nach Urberach hinein Angst bekommen, weil ihnen die Batterie der Kameras entgegen blickte.

Die so genannten Geldvergesser sind ein weiterer Kundenkreis, die Tankstellenbetreibern wenig lieb, aber unter Umständen teuer sind. Die Urberacher Pächter haben ein Formblatt entwickelt, das ihre Mitarbeiter all denen in die Hand drücken, deren Euros angeblich daheim liegen. 24 Stunden haben sie Zeit, ihre Rechnung zu begleichen, sonst droht die Anzeige wegen Tankbetrugs.

Aus Erfahrung klug geworden, haben die Pächter auch die Zufahrt zur Waschstraße im Auge. Da gab‘s tatsächlich schon Kandidaten, die sich dort den Lack zerkratzten und nachher behaupteten, die Bürsten seien schuld.

Quelle: op-online.de

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