Taubenplage hat ein Ende gefunden

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Die Brieftauben von Simone Lotz haben zehn Monate lang eine gute Arbeit getan und ihre verwilderten Artgenossen massenhaft in den Taubenschlag auf dem Rathaus gelockt. So schrumpfte der Schwarm, der seit Sommer 2010 zu einer echten Plage für Ober-Rodens Ortskern geworden war, von knapp 300 auf jetzt nur noch vier Vögel.

Ober-Roden (lö) - Quasi in Luft aufgelöst hat sich der Taubenschwarm, dessen Kot über ein Jahr lang Balkone, Dächer, Fassaden und Bürgersteige im Ortskern verdreckt hat.

Von ursprünglich knapp 300 verwilderten Brieftauben flattern jetzt nur noch vier regelmäßig über Ober-Rodens Mitte. „Wir haben das Problem mit einem mobilen Taubenschlag auf dem Rathaus in den Griff bekommen. Und das ohne Gift!“, erklärten Bürgermeister Roland Kern und die Urberacher Züchterin Simone Lotz die Plage für erledigt.

Rassetauben von Simone Lotz, die das Bürgerbüro im Urberacher Rathaus leitet, und reichlich Futter lockten die verwilderten Tauben in immer größerer Zahl aufs Rathausdach. Sie fühlten sich heimisch und legten ihre Eier in Nistzellen. Dort tauschte Simone Lotz sie gegen Gipseier aus und betrieb Geburtenkontrolle auf die sanfte Art.

Heimatlose Brieftauben wurden zur Plage

Dass heimatlose Brieftauben zur Plage wurden, lag nach Ansicht von Bürgermeister Roland Kern und vielen Hausbesitzern und Mietern in der Ortsmitte an Rolf Wiederspahn. Der hatte auf seinem Grundstück in der Glockengasse Körner in rauhen Mengen ausgestreut und Wasser hingestellt. Wiederspahns Argument: Sonst hätte sich ja niemand um die Vögel gekümmert - die ohne ihn nie in solchen Massen aufgetreten wären. Nachbarn mussten ihre Häuser für teures Geld von den aggressiven Hinterlassenschaften reinigen lassen.

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Ab 11. Februar tat Simone Lotz im Auftrag der Stadt genau das Gleiche. Sie deckte den Tisch für die gefiederten Plagegeister üppig - aber eben nicht aus falsch verstandener Tierliebe. Die Fachfrau rechnete mit einem bis zwei Jahren, um das Taubenproblem human zu lösen. Dass es nur zehn Monate dauerte, hat sie selbst überrascht. Raubvögel halfen ihr dabei. Wirbeln die einen Schwarm durcheinander, geraten die Tauben in Panik und zerstreuen sich in alle Richtungen. Etliche kommen nicht mehr zurück.

Rund 30 Brieftauben waren mit einem Ring gekennzeichnet. Dank dem ermittelte Simone Lotz die Züchter und brachte die Tauben zurück. Selten zur Freude der Besitzer: Denn eine Taube, die sich verfliegt und den Weg in den heimischen Schlag verfehlt, taugt nicht mehr für die Zucht, sondern nur noch für den Kochtopf.

Geduld und tägliche Pflege des Taubenschlags machen sich bezahlt

„Die Geduld und die tägliche Pflege des Taubenschlags machen sich inzwischen bezahlt. Manche Tauben kommen nur noch zum täglichen Fressen. Jahreszeitbedingt sind die Nistplätze leer, und die Tauben haben sich andere Aufenthaltsorte für die Winterzeit gesucht. Im nächsten Frühjahr geht das Projekt „Die Tauben vom Zehnthof“ weiter. Die Tauben werden weiterhin gefüttert, sodass sie sich nicht an einer anderen Stelle ansiedeln und wieder unkontrolliert vermehren können“, bleibt Simone Lotz wachsam. Und Bürgermeister Roland Kern will das Grundstück in der Glockengasse im Auge behalten.

Der Taubenschlag auf dem Rathaus hat mittlerweile Beachtung über Rödermark hinaus gefunden. Eine Immobiliengesellschaft, die in Neu-Isenburg mehrere Hochhäuser verwaltet, hat sich bei Simone Lotz bereits nach den Einzelheiten erkundigt.

Für eine Taube gab"s übrigens ein echtes Happy End. Eine Rodgauerin sah den kranken Jungvogel beim Kaffeetrinken am Rathaus. Sie nahm ihn mit nach Hause und päppelte ihn auf.

Quelle: op-online.de

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