Taubenschwarm schrumpft kräftig

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Die Zahl der Tauben rund um „Zehnthof“ und Rathaus ist erheblich geschrumpft. Nur noch 50 bis 60 der einst 300 Tauben hocken auf den Dächern.

Ober-Roden (lö) - Die Taubenplage im Zentrum von Ober-Roden ist offenbar ausgestanden. Nach Auskunft von Bürgermeister Roland Kern bevölkern jetzt nur noch 50 bis 60 der ursprünglich knapp 300 Vögel die Dächer rund um den „Zehnthof“.

Kern führt den Rückgang großteils auf den Taubenschlag auf dem Rathausdach zurück. Dort fliegen die gefiederten Plagegeister ein und aus, und Taubenexpertin Simone Lotz betreibt Geburtenkontrolle: Sie tauscht die echten Eier gegen Gipseier aus und bremst so die Vermehrung der fortpflanzungsfreudigen Vögel.

Vor einem Jahr hatten sich die verwilderten Brieftauben in Ober-Roden breit gemacht. Rolf Wiederspahn, ein Hobbyzüchter, hatte sie auf seinem Grundstück in der Glockengasse angefüttert und sich den geballten Unmut von Nachbarn und Behörden zugezogen. Denn die Tauben hinterließen ihren ätzenden Kot auf Balkonen, Fensterbänken, Dächern, Autos und Bürgersteigen. Auf Druck des Kreisveterinäramtes musste Wiederspahn seine Schläge wenig später zumauern. Mit dem Füttern hörte er jedoch erst Wochen danach auf.

Anwohner, die um Lebensqualität, Gesundheit und den Wert ihres Hauses fürchteten, riefen nach radikalen Lösungen. Tierschützer brachten einen städtischen Taubenschlag ins Gespräch. Bürgermeister Kern war zunächst wenig angetan: Warum Steuergeld für eine Plage ausgeben, die ein Privatmann weitgehend verursacht hat?

„Heimkehr 06“ war erfolgreich

Am Ende erwies sich der 2 000 Euro teure Schlag doch als die Lösung, die praktikabel war den größten Erfolg versprach. Im Februar setzte Simone Lotz, Mitarbeiterin der städtischen Wohngeldstelle und stellvertretende Vorsitzende des Urberacher Brieftaubenvereins „Heimkehr 06“, die ersten vier Lockvögel ein und legte kontrolliert Futter aus. „Es dauerte nicht lange, und die ersten Zehnthof-Tauben kamen regelmäßig zum Fressen aus Rathausdach“, berichtete sie.

Seither schaut sie täglich nach dem Rechten, füttert und nimmt Eier weg. Die Anzahl ist mittlerweile so überschaubar, dass sie kranke Tiere sofort erkennt und behandeln kann. Begünstigt wurde die städtische Populationskontrolle durch Raubvögel und Gewitter, die den Schwarm so durcheinander wirbelten, dass sich etliche Tauben in alle Winde zerstreuten. „Wir haben nicht eine weggefangen oder vergiftet“, versichert Simone Lotz.

Der städtische Taubenschlag soll zur Dauereinrichtung werden. Die Zahl der Vögel hat er kräftig reduziert, die Zahl der nachbarlichen Beschwerden nach Aussage des Bürgermeisters seit einigen Wochen sogar komplett.

Quelle: op-online.de

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