Wolfgang Schaefer und Horst Hyland sind Sicherheitsberater und geben Tipps zum Schutz vor Ganoven

Am Telefon nie mit „Ja“ antworten

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Seit November 2010 geben Horst Hyland und Wolfgang Schaefer in erster Linie älteren Menschen Tipps, wie sie sich vor Ganoven schützen können.

Rödermark - Horst Hyland (68) und Wolfgang Schaefer (76) sind Rödermarks erste ehrenamtliche Sicherheitsberater. Von der Polizei geschult und zertifiziert, sollen sie ältere Menschen vor Neppern Schleppern, Bauernfängern, Betrügern und Trickdieben bewahren. Von Michael Löw

Die Mühen der beiden Herrn laufen gelegentlich aber ins Leere.

„Mit noch wie was passiert!“, bekommen Schaefer und Hyland empört zu hören, wenn sie die Leute im Supermarkt ansprechen. Im Gang parkt unbewacht der Einkaufswagen mit der Geldbörse, vorm Kühlregal werden die Preise verglichen. Greift ein Bösewicht in die Tasche, kostet ein Päckchen Butter schnell 200 Euro statt 79 Cent.

Schwer haben’s die Sicherheitsberater auch, wenn sie Altersgenossen vor Kaffeefahrten warnen. Die potenziellen Opfer wollen sich den Spaß nicht vermiesen lassen, denn schließlich kostet ein netter Ausflug mit Mittagessen, Kaffee und Kuchen so gut wie kein Geld. Da lässt man doch gerne ein paar Euro für letztlich überteuerte Wohlfühl-Produkte mit zweifelhafter Wirkung liegen.

Fensterknacken als Selbstversuch

In der Schulung zum Sicherheitsberater lernte Horst Hyland sogar, dass ein kleiner Schraubenzieher zum Fensterknacken reicht.

Die Liste des Leicht- (Den Schlüssel unter der Fußmatte findet doch keiner!) und Starrsinns (Was geht Sie das an?) lässt sich beliebig fortsetzen. Schaefer: „Wir bohren da dicke Bretter.“
Rund 40 Sicherheitsberater tun in Bereich des Polizeipräsidiums Südosthessen ihren freiwilligen Dienst. Zwei Tage lang zeigt ihnen die Polizei, wie Ganoven arbeiten und was brave Bürger dagegen tun können. Schaefer und Hyland hatten dank ihrer Tätigkeit beim Verein „Bürger für Sicherheit in Rödermark“ schon einiges Vorwissen. Andere Teilnehmer betraten mit dem Kurs Neuland.
Die beiden Rödermärker standen während der Schulung erstmals auf der anderen Seite des Gesetzes. „Wir haben selbst probiert, wie leicht man mit einem Schraubenzieher ein Fenster knackt“, schilderte Horst Hyland eine ungewöhnliche Erfahrung.

Im November 2010 bekamen Wolfgang Schaefer und er eine Art Ernennungsurkunde. Seither halten sie Vorträge in Kirchengemeinden, bei Seniorennachmittagen oder Sozialverbänden. Sie verstehen sich als erste Ansprechpartner in Sachen Sicherheit und wollen Schutz durch wissen schaffen.

Sag niemals „Ja“

Manchmal helfen schon Kleinigkeiten. „Sagen Sie niemals Ja am Telefon, wenn ein Unbekannter anruft“, nennt Schaefer einen ganz simplen Trick. Zwielichtige Geschäftemacher versuchen nämlich, arglosen Kunden Abos aufzuschwatzen. Die wahrheitsgemäße Antwort auf die banale Frage „Sie sind doch Herr X?“ wird von den Rhetorik-Profis so umgebogen, dass daraus die Zustimmung zu zwei Jahren Zeitschriftenbezug wird.

Vorsicht ist auch bei allzu verführerischen Handyangeboten oder angeblichen Gewinnen geboten. Hier sind die Anrufer meist auf Kontonummern oder Kreditkartendaten aus. Bares wollen jahrelang verschollene angebliche Verwandte mit dem berüchtigten Enkeltrick abgreifen.

Senioren sind laut Polizeistatistik nicht häufiger als andere Altersgruppen Opfer von Straftaten, relativiert Andrea Ackermann von der Pressestelle des Präsidiums in Offenbach. Aber ältere Menschen empfinden Überfälle, Einbrüche oder Betrügereien viel bedrohlicher als jüngere. Deshalb bildet die Polizei im Herbst auch acht weitere Sicherheitsberater jenseits der 50 aus. Darunter befinden sich erstmals auch Bewerber mit ausländischen Wurzeln.

Quelle: op-online.de

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