Telefonieren kann so einfach sein

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Das benutzerfreundlich programmierte Handy brachte Moritz Keck den ersten Preis in einem Wettbewerb, der elektronische Geräte auf ihre Alltagstauglichkeit testet. 

Ober-Roden - Dass ältere Menschen nicht nur Filzpantoffeln, Gebissreiniger, Schonkaffee und graue Mäntel kaufen, ist in vielen Branchen längst Allgemeingut. Nur Handy-Herstellern scheinen die Jung-Senioren unbekannte Wesen zu sein. Dabei stehen auch sie auf moderne Kommunikationsgeräte. Von Michael Löw

Mit der Begeisterung ist‘s aber schnell vorbei, sobald sie zum Beispiel das trendige iPhone einschalten. 24 Bildchen blinken dem Benutzer da entgegen, dem Einschalten folgt innerhalb weniger Sekunden das Abschalten.

Moritz Keck (24) hat das iPhone mit ein paar einfachen Kniffen seniorenfreundlich gemacht. Denn, so seine Erfahrungen aus der Verwandtschaft, „modebewusste ältere Damen suchen auch ein chices Handy“. Typische Seniorengeräte sind riesig groß und stempeln ihre Besitzer allein durch ihre Optik als alt, krank oder gar senil ab.

Die intelligente Ergänzung eines Blindenstocks bescherte ihm bei der Cebit in Hannover und der Funkausstellung in Berlin reichlich Medien-Interesse.

Keck hat das iPhone-Display gründlich entrümpelt. Nur noch fünf Symbole leuchten auf, ganz oben ein großes, grünes Telefon. Darunter findet der Benutzer virtuelle Knöpfe für SMS, Wecker und Service und ganz unten einen, der die erwähnten 24 Bildchen öffnet. Moritz Keck hat sich lediglich an dem orientiert, was - nicht nur - ältere Menschen meist mit ihrem Handy tun. Und da steht Telefonieren weit vorm Schreiben von Kurznachrichten und Wecken lassen.
Die „Generation plus“, bei der er bewusst auf eine Altersangabe verzichtet, ihre Wünsche ans mobile Telefonieren und seine Optimierung sind Themen von Moritz Kecks Diplomarbeit. Sie gewann beim „eResult Usability-Contest“ in der Kategorie Wissenschaft den ersten Preis. Der mit insgesamt 7000 Euro dotierte Wettbewerb testet elektronische Geräte auf ihre Alltagstauglichkeit. Die Preisverleihung ist am 5. und 6. Oktober in Frankfurt.

Werbung in eigener Sache

Moritz Keck will den Kongress auch als Werbung in eigener Sache nutzen. Denn noch, so schmunzelt er, hat ihm kein Handyhersteller einen mit 100000 Euro Jahresgehalt dotierten Arbeitsvertrag angeboten. Andererseits hat die Firma Apple ihre Juristen auch noch nicht nach Ober-Roden oder an die TU Darmstadt geschickt, weil Keck das Innenleben des iPhones benutzerfreundlich „manipuliert“ hat.

Fest steht für den 24-Jährigen, dass er in seinem Beruf komplizierte Geräte einfacher machen will: „In diese Nische möchte ich reingehen!“ Schließlich kapituliert nicht nur die „Generation plus“ regelmäßig vor den Gimmicks von Handy, Laptop, Digitalkamera & Co.

Tüftlerfähigkeiten hat Moritz Keck schon vor seiner Diplomarbeit bewiesen. Zusammen mit sechs weiteren Studenten hat er - grob vereinfacht - ein Navigationsgerät für Blindenstöcke entwickelt. Karten mit blindengerechten Informationen fürs Handy gibt‘s schon länger. Was fehlte, war die Verbindung zum Blindenstock. Den musste man zur Seite stellen, wollte man die Route ändern. Die Darmstädter Studenten haben nun ein Eingabegerät entwickelt, das die Navigation in fremder Umgebung erlaubt, ohne die Hände vom Stock zu nehmen. Moritz Keck: „Blinden wird so ermöglicht, sich leichter und selbständiger sowohl in fremder als auch in vertrauter Umgebung zu orientieren.“

Das „easee“ genannte System hat allerdings einen Schönheitsfehler: Blinde orientieren sich nicht am Straßenverlauf, sondern an markanten Punkten wie Ampeln, Briefkästen oder Hauswänden. „Das müssten wir für ganz Deutschland eingeben“, sagt Moritz Keck und befürchtet, dass der intelligente Blindenstock auf absehbare Zeit ein Studentenprojekt bleibt.

Zur Person

Moritz Keck

Moritz Keck hat 2004 sein Abitur an der Nell-Breuning-Schule gemacht.
Seinen Zivildienst leistete er anschließend im Ober-Röder Kindergarten „Unter dem Regenbogen“. 
Nach acht Semestern „Media System Design“ in Darmstadt legte er die Diplomprüfung ab.

Quelle: op-online.de

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