Altlasten von Bosch

Riesen-Bohrer soll's richten

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Im 1996 geschlossenen T & N-Werk, das seit den achtziger Jahren zum Bosch-Konzern gehörte, waren beim Entfetten von Metall giftige Lösemittel in den Untergrund gelangt. Diese Altlast beschäftigt Experten wie Dr. Roger Schmitt (links) und Benjamin Klock (rechts) noch heute.

Urberach - 19 Meter hoch, 70 Tonnen schwer, 600 Pferdestärken stark: Die technischen Daten zu dem Riesen-Bohrer, der seit gestern am Märktezentrum Schwerstarbeit leistet, sind imposant. Von Bernhard Pelka 

Die Mitarbeiter der Firma Geo Bohrtechnik und Projektleiter Dr. Roger Schmidt von der ARCADIS Deutschland haben aber auch Großes vor. Sie möchten mit 60 Bohrungen von jeweils 1,20 Meter Durchmesser und 5,50 Meter Tiefe die schlimmste Schadstoffquelle auf dem früheren Werksgelände von T & N endlich beseitigen.

Heute verkaufen dort die Mieter des Märktezentrums. Die Schadstoffquelle liegt unter dem Asphalt der Zufahrt zwischen dem Außengelände des Baumarktes Obi und dem Textilhandel Kik. Dieser Bereich ist derzeit gesperrt. Die Arbeiten dauern etwa eine Woche. Die Bohr-Schnecke des Großbohrers zieht die von Lösemitteln stark verseuchte Erde wie ein großer Korkenzieher herauf. Ummantelt ist die Bohr-Schnecke von einer Stahlhülse. Dies verhindert, dass die ausgebohrte Stelle einstürzt. Der Hohlraum wird sofort verfüllt, nachdem das von chlorierten Kohlenwasserstoffen belastete Erdreich aus der Hülse entfernt wurde. Der Aushub wird in gasdichten Containern zwischengelagert und dann zur Entsorgung gebracht. Den weniger belasteten Stellen rücken die von Bosch beauftragten Firmen mit Injektionslanzen zuleibe. Durch diese Lanzen wird eine Chemikalie (Kaliumpermanganat) in den verunreinigten Boden gepumpt. Diese Chemikalie spaltet die Chlorverbindungen in unschädliche Stoffe auf. Solche Injektionen wiederholen sich bis November 2015 vier Mal.

Allein auf dem Obi-Außengelände liegen 24 Injektionsstellen. Der Betrieb des Baumarktes bleibt von der Aktion allerdings unberührt. Allein die aktuelle Sanierungsmaßnahme kostet etwa eine Million Euro. Das Regierungspräsidium Darmstadt hatte die Robert Bosch GmbH im Jahr 2001 zur Sanierung des 1996 geschlossenen T &N-Werks verpflichtet. Seither hat das Unternehmen etliche Tonnen Erde Schwermetalle und 1 400 Kilo Lösemittel aus dem Boden geholt. Aus dem Grundwasser wurden mehrere hundert Kilogramm Lösemittel herausgefiltert. In nun 13 Jahren hat Bosch mehr als fünf Millionen Euro für die Bodensanierung ausgegeben.

Quelle: op-online.de

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