Testfahrt im Rollstuhl

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Wie schwer es ist, sich als älterer oder behinderter Mensch durch Rödermark zu bewegen, spürte die Gruppe „Wir werden immer älter“ beim Sozialpraktikum am eigenen Leib. Die Benutzung einer Telefonzelle ist im Rollstuhl alleine schlichtweg nicht möglich.

Ober-Roden (chz) - „Ich bin asozial“ Mit diesem vermeintlich coolen Spruch wollte Marc bei seinen Kumpels und vor allem seinem Gruppenleiter auf sich aufmerksam machen und wunderte sich, dass ihm niemand glaubte.

So geschehen in einer Jungengruppe beim Sozialpraktikum der Nell-Breuning-Schule. Die will ihrer Achtklässlern nämlich Sozialkompetenz vermitteln - eine Fähigkeit, die im Unterricht genauso nützlich ist wie bei der Lehrstellensuche. „Sozial ist für jeden etwas anderes“, erläuterte Christian Sieling vom Jugendbildungswerk des Kreises, der die Jungs eine Woche lang bei theoretischen Übungen und in der Sporthalle betreute.

Diese Praktika hatten voriges Jahr Premiere, und Lehrerin Heike Flemmer, zuständig für die Berufsorientierung, zeigte sich zufrieden: „Unsere Erfahrungen sind durchweg positiv.“

Mit Ausnahme der 60 Schüler, die zur Zeit in Partnerschulen weilen oder die sich selbst Praktikumsplätze gesucht hatten, haben rund 150 Jugendliche in Einrichtungen der Stadt und der Kirchen, bei Verbänden und Vereinen hineingeschnuppert, um sich sensibel für deren Probleme zu machen und mögliche Berufswege zu erkunden. Und auch die Bürger profitieren ganz praktisch von dieser Projektwoche.

Der künftige Spielplatz am Maiglöckchenpfad etwa wurde um eine Boulebahn reicher. Sie ist unter der Leitung von JUZ-Chef Jens Müller fast bis zur Bespielbarkeit gereift, dazu gibt’s nun auch erste Bänke aus Baumstämmen.

Bilder vom Sozialpraktikum

Sozialpraktikum in der Oswald-von-Nell-Breuning-Schule

„Wir werden immer älter“: Was diese Gruppe alles erlebte, ließ sie Alter und Behinderung in einem neuen Licht sehen. Wolfgang Geiken-Weigt, Leiter der Sozialen Dienste, und Heinz Weber, der Vorsitzende des Seniorenbeirats, hatten die Achtklässler begleitet, als sie im Rollstuhl, am Rollator und mit Krücken versuchten, sich in die Lage eines in seiner Bewegung eingeschränkten Menschen zu versetzen. Sie scheiterten an den Stufen der Regionalbahn und kamen ohne fremde Hilfe die zu steilen Rampen an den Kirchen nicht hoch. Die Telefonzelle am Ober-Röder Bahnhof erwies sich als absolut behindertenfeindlich. Die jungen Menschen waren sichtlich beeindruckt davon, wie mühsam sich das Leben aus Rollstuhl- und Rollatorsicht doch gestaltet – eine wichtige Erfahrung auch für die angestrebte Inklusion, die gemeinsame Ausbildung behinderter und nichtbehinderter Schüler.

In der Kinder- und Jugendfarm hatten 15 Jugendliche das Gelände aus dem Winterschlaf geweckt. Sie hatten Hütten teilweise wieder auseinander genommen und das Holz für neue Aktionen vorbereitet, hatten die Beete auf die neue Saatzeit vorbereitet und Material für ein Gewächshaus besorgt und dessen Fundament gelegt.

Die Freiwillige Feuerwehr in Urberach zeigte einer Gruppe, was sie im Ernstfall alles leisten muss, und informierte auch mit praktischen Übungen über Maschinen- und Fuhrpark.

Das ganze Praktikum wurde wiederum von der Reporter AG ins rechte Bild und in die passenden Worte gesetzt, um im Unterricht ausgewertet und analysiert zu werden.

Quelle: op-online.de

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