Häuschen am Bahnsteig

Teure Toilette: Fürs Stahlklo muss die Stadt lange blechen

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Das Klohäuschen am Bahnhof Ober-Roden kostet die Stadt möglicherweise noch bis 2030 viel Geld. Denn erst dann läuft der Finanzierungsvertrag aus, dessen Ende Magistrat und Verwaltung schon dieses Jahr erwartet hatten.

Ober-Roden - Die Stadt muss vielleicht bis 2030 jährlich knapp 17.000 Euro für das wenig genutzte Edelstahlklo an der S-Bahn bezahlen. Von Michael Löw 

Das ist die ebenso überraschende wie erschreckende Antwort von Bürgermeister Roland Kern auf eine FDP-Anfrage zur öffentlichen Toilette im Bahnhof. Wann gibt’s am Bahnhof Ober-Roden wieder richtige Toiletten? Das hatten im Sommer 2016 schon die Freien Wähler (FWR) vom Magistrat wissen wollen. In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Dienstagabend hakte die FDP nach, weil seit 20 Monaten immer noch nichts passiert ist.

Die FDP zielte mit ihrer Anfrage eigentlich auf die Vertragsgestaltung zwischen der Stadt und Investor Hans-Jörg Vetter und zitierte eine Passage, in der es heißt: „Frei zugängliche Toiletten während der Öffnungszeiten.“ So habe es das Stadtparlament am 7. Dezember 2012 beschlossen. Mittlerweile sei das mehr als 100 Jahre alte Empfangsgebäude aufwendig renoviert worden und die ersten Geschäfte hätten eröffnet, doch ein öffentliches Klo gebe es nach wie vor nicht.

Teil zwei der FDP-Anfrage hatte das zum S-Bahn-Start 2003 gebaute Edelstahl-Münzklo zwischen Bahnsteig und Parkplätzen zum Gegenstand: Wann kann das Häuschen abgebaut werden, was kostet es die Stadt?

Bürgermeister Roland Kern gab darauf eine Antwort, die ihn selbst „erschüttert“ habe. Die Toilette wurde - wie überall entlang der S-Bahn - mit Fördergeldern installiert, ohne dass die Stadt für den Bau zahlen musste. Sie verpflichtete sich aber, die jährlichen Unterhaltskosten von 15.000 bis 17.000 Euro zu tragen. Denen standen bei einer Benutzungsgebühr von 30 Cent zuletzt ganze 700 Euro Einnahmen gegenüber. Hätte der Magistrat diesem Zuschussgeschäft ein Ende gemacht, hätte die Stadt die Baukosten zurückzahlen müssen.

Kern ging bis Dienstag davon aus, dass Rödermark im Lauf dieses Jahres aus dem auf 15 Jahre angelegten Vertrag herauskommt. Am Tag der Stadtverordnetensitzung musste sich Kern eines Schlechteren belehren lassen. Die Bahn teilte ihm mit, dass die 15-Jahres-Frist nicht 2003, sondern 2015 begann. Denn erst da habe die Bahn die Schlussrechnung für den S-Bahn-Bau vorgelegt. Also muss die Stadt noch bis 2030 fürs Stahlklo blechen.

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Der Bürgermeister will jetzt mit der Bahn und Hessen Mobil - die Zuschüsse fürs Bahnklo kamen paradoxerweise von der Straßenbaubehörde - über Nachbesserungen verhandeln. Ein Ziel könnte vielleicht die Rückerstattung der Betriebskosten von 2003 bis 2015 sein.

Diese schlechte Nachricht nahm auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Tobias Kruger überrascht zur Kenntnis, kritisierte aber, dass sie nichts mit dem Kaufvertrag zwischen Stadt und Investor Vetter zu tun habe. Dazu gab der Bürgermeister am Dienstagabend keine Auskunft. Den Freien Wählern hatte er im Sommer 2016 mitgeteilt, dass die Stadt den Investor nicht in die Pflicht nehmen könne, weil 2012 kein Eröffnungstermin - und damit auch keine Freigabe für die öffentlichen Bahnhofstoiletten - vereinbart worden sei.

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Eine behindertengerechte öffentliche Toilette soll es nach den derzeitigen Planungen auf der anderen Seite der Bahn geben, teilte der Bürgermeister gestern auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Quelle: op-online.de

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