Kein Thälmannweg in Urberach

Aufatmen nach dem Rückzieher

Urberach - Der Widerstand gegen einen Weg, der den Namen des 1944 ermordeten Kommunistenführers Ernst Thälmann trägt, war zu groß. Deshalb empfiehlt der Magistrat dem Stadtparlament, seine Entscheidung vom 20. Mai rückgängig zu machen. Von Michael Löw 

Es sei den Leuten nicht vermittelbar gewesen, die Verbindung zwischen dem Urberacher Festplatz und dem Hallhüttenweg nach dem Kommunisten Ernst Thälmann zu benennen, begründete Bürgermeister Roland Kern gestern gegenüber unserer Zeitung den Rückzieher. Dabei hätte der Magistrat mit seinem Vorschlag doch nur „eine rund 30 Jahre währende Normalität wieder herstellen wollen“: In Urberach gab es bis 1977 eine Thälmannstraße. Der kommunistische Politiker wurde 1933 festgenommen, saß elf Jahre in Nazi-Haft und wurde am 18. August 1944 auf Anordnung Hitlers erschossen. „Auch das gehört zur deutschen Geschichte“, sagte Kern und wies gleichzeitig darauf hin, dass es berechtigte Kritik an Thälmann gibt.

Die schlug sich in zahlreichen Briefen und E-Mails an unsere Zeitung nieder. „Thälmann war einer der maßgeblichen Totengräber der ersten deutschen Demokratie“, schrieb Dietmar Zimmermann. Im Gegensatz zu anderen deutschen Kommunisten war Thälmann kein Widerstandskämpfer, sondern organisierte 1932 mit Hitlers NSDAP Aktionen, um die Demokratie in der Weimarer Republik zu zerstören. Thälmann als Nazi-Opfer zu ehren, sei absurd. Zimmermann: „Dieser Logik folgend, könnte man auch den SA-Führer Röhm ehren, den Hitler 1934 ermorden ließ.“

In die Diskussion hat sich auch Karl Sturm eingeschaltet. Er hatte im Frühjahr 2013 darauf hingewiesen, dass die Klausnerstraße in Urberach eigentlich Klausenerstraße - nach dem ermordeten Nazi-Gegner Erich Klausener - heißen müsste. Bei der Gedenkstunde zur Umbenennung habe eine Urberacher Alt-Kommunistin dann die 1977 abgeschaffte Thälmannstraße reklamiert. Daraus wurde die Magistratsvorlage, der am 20. Mai die schwarz-grüne Koalition zustimmte. Dass der Magistrat jetzt empfiehlt, diesen Beschluss rückgängig zu machen, wurde von den Fraktionsvorsitzenden Michael Gensert (CDU) und Stefan Gerl (AL) begrüßt. „Wir sind erleichtert“, kommentierte Gensert den Rückzieher, und Gerl räumte ein, dass ein Thälmannweg den Bürgern sauer aufgestoßen gewesen wäre.

Die meistgesuchten Nazi-Verbrecher

Die meistgesuchten Nazi-Verbrecher

Weniger freundlich fällt die Bewertung der Opposition aus. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Tobias Kruger frohlockte geradezu, dass „dem Brechstangenbeschluss nun der Salto rückwärts folgt“. Trotzdem sei der Flurschaden, den allein die Debatte um den Thälmannweg ausgelöst habe, so schnell nicht wieder gut zu machen: Sie sei in halb Deutschland kopfschüttelnd verfolgt worden.

Der Erste Stadtrat Jörg Rotter hofft, dass nach dem hitzigen Streit bald wieder Normalität in der Kommunalpolitik einkehrt. Mit der Modernisierung der Feuerwehrhäuser und der Sanierung von zwei Kindergärten ständen Entscheidungen von weitaus größerer Bedeutung an.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

Kommentare